Buchtipp für Grundschüler: „Luna“ von Arne Ulbricht

Ich habe Arne Ulbricht leider noch nie getroffen, aber ich mag ihn: Zwischen den Massenmails, die irgendwelche Apps, Plastikspielzeug oder Menstruationszubehör verkaufen sollen, heben sich seine Nachrichten in unserem Posteingang wohltuend ab. Sie sind persönlich und aus jeder Zeile lese ich heraus, dass Arne weiß, wie Eltern und Kinder ticken. Und das merkt man auch in seinen Büchern. Bislang hat Arne nur für Erwachsene geschrieben (übrigens auch schon hier bei uns), laut eigener Aussage „immer nur Schreckliches, Brutales oder was mit viel Sex“. Nun hat sich der Teilzeit-Lehrer in ein neues Feld gewagt und sein erstes Kinderbuch veröffentlicht: Luna: Ein Fliegenpilz im Erdbeerkleid (Partnerlink). Er schreibt, dass Luna sein erstes Feelgood-Buch geworden ist, und das hat ihm einfach Spaß gebracht zu schreiben.

Luna löst Probleme pragmatisch

Luna - illustriert von Sanne Dufft

Luna ist sieben Jahre alt, krabbelt nachts regelmäßig noch ins Elternbett, geht zur Schule sowie zum Tae-Kwon-Do, mag es, draußen im Regen zu spielen und findet die Welt der Erwachsenen trotzdem manchmal ganz schön kompliziert. Ihr Papa hört nervige CDs (er hört wirklich noch CDs, das muss man sich mal vorstellen!), ist dafür aber immer zuhause. Ihre Mutter arbeitet tendenziell zu viel und wenn sie zuhause ist, hängt sie dauernd am Handy. CD und Smartphone lässt Luna daher unbemerkt im Gefrierschrank verschwinden. Und damit ist auch schon der größte Spannungsbogen der Lektüre verraten. Hört sich langweilig an? Ja, finde ich auch. Das Buch erzählt weder eine Abenteuer- noch eine Heldinnengeschichte und ich glaube, genau deswegen hat es meiner – ebenfalls siebenjährigen – Tochter so gut gefallen: Jede Grundschülerin und jeder Grundschüler wird sich in Lunas Geschichte wieder finden und selbst erkennen. Das ist das simple Erfolgsrezept für die gut 100 Seiten, die wir in einer knappen Woche als Einschlaflektüre gelesen haben. Die Kinder haben mit Luna eine Protagonistin zum Anfassen und wir Eltern dürfen uns regelmäßig ertappt fühlen, wenn uns Arne und Luna unsere kleinen Fehltritte des Alltags unter die Nase reiben. Die wunderbaren Illustrationen sind von Sanne Duft, der ihr hier auf Instagram folgen könnt.

Interview: Das sagt die Zielgruppe

Weiter will ich mich gar nicht auslassen, denn was zählt schon das Erwachsenenurteil über ein Kinderbuch?! Ich habe lieber hochinvestigativ die Zielgruppe befragt. Ein Gespräch mit meiner Tochter zum Luna-Buch von Arne Ulbricht:

Wie hat dir das Luna-Buch gefallen?
Gut, weil es um Sachen geht, die ich auch schon erlebt habe: In Lunas Schule ist es wie in meiner, sie ist gerne im Zelt und ich habe mir auch schon mal beim Schnitzen in den Finger geschnitten. Ich musste aber nicht ins Krankenhaus!

Was ist bei Luna denn anders als bei uns?
Lunas Mama ist oft unterwegs und der Papa ist da – das ist bei uns genau umgekehrt. Der ist sowieso sehr nett und war nicht mal sauer als Luna sich das Messer zum Schnitzen einfach genommen hat. Luna hat manchmal Angst, dass ihre Eltern sauer auf sie sein könnten. Das habe ich auch. Und dann seid ihr gar nicht sauer! Wie Lunas Papa.

Zu Beginn der Geschichte versteckt Luna einfach das Handy ihrer Mama im Gefrierschrank. Kannst du das verstehen?
Ja, weil die Eltern immer nur mit dem Handy rum machen und gar keine Zeit für die Kinder haben. Bei uns ist das nicht so.

Echt?
Na gut, ihr hängt schon viel am Handy – aber ihr habt trotzdem auch Zeit für uns!

Ich habe mich auf jeden Fall ertappt gefühlt. Was anderes: Wie haben dir die Bilder gefallen?
Gut! Die waren zwar grau und es gibt auch nicht zu viele Bilder, aber das ist ja auch ein Buch für etwas größere Kinder und wir brauchen nicht mehr so viele Bilder. Gemalt sind sie auf jeden Fall sehr gut.

Würdest du anderen Kindern das Buch empfehlen?
Ja. Es gibt ja viele Bücher mit Abenteuern und so, aber ich finde das Luna-Buch auch gut. Man sollte aber mindestens 5 Jahre sein – und selber lesen kann man das erst, wenn man in der zweiten Klasse ist.

Für meinen Geschmack schmeichelt die Geschichte Vätern hier und dort vielleicht sogar etwas zu viel (der Papa kommt wirklich gut weg in der Story), aber trotzdem schließe ich mich der Leseempfehlung meiner Tochter zu 100% an. Zwischen all den Geschichten von Prinzessinnen, Einhörnern und Pferdehöfen beschreibt Luna den Alltag einer Grundschülerin genauso unspektakulär und hochgradig spannend wie er ist – immer auf Augenhöhe mit den jungen Lesern, liebevoll illustriert und mit der richtigen Prise Humor für Klein und Groß! Kauft das Ding, am besten über diesen Partnerlink!

Lempi

Lempi

Der Autor Thomas "Lempi" Lemken ist Papa von zwei Töchtern. Das bedeutet: Als einziger von uns lebt er mit gleich drei Frauen unter einem Dach. Neben seiner Funktion als Leithammel, ist er Gründungsmitglied, Stammautor und Lektor unseres Blogs.

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