Die Seuche – Warum Winter scheiße ist

„Jedes Johr em Winter, wenn et widder schneit, kütt d´r SEUCHE un mir sin all bereit.“ So oder so ähnlich geht der Text der Stricher, äh, der Räuber aus Köln und ich kann ihnen nur kopfbängend zustimmen.

Jahr für Jahr kommt die Winter-Epidemie mit Ansage. Soweit nichts Neues. Das kennt ja jeder. Bei uns in der Agentur herrschen apokalyptische Krankheitsbilder. Sind unsere Kinder mal alle gleichzeitig fit, was so gut wie nie vorkommt, trifft es in abwechselnder Reihenfolge immer einen von uns. Bleiben wir gesund, leiden unsere Frauen. Das geht jetzt seit September so. Gürtelrosen, Hand-Fuß-Mund-Seuchen und virale Bindehautentzündungen Rocky Balboischen-Ausmaßes nach seinem Endfight gegen Apollo Creed – egal, was das Apothekerherz begehrt, wir haben es gehabt. Lag man früher bei einem viralen Infekt sieben Tage mit Medikamenten und eine Woche ohne flach, so zieht sich heute die Krankenakte über Wochen. Keine Frage, ich habe eine Winter-Resistenz aufgebaut.

Ich erinnere mich an eine Zeit vor dem eigenen Kind. Da war man einigermaßen gefühlsneutral, wenn der Winter seine Höllenpforten öffnete. „Oh, ist kalt heute“, war das Höchste der Gefühlsäußerungen. Alles darüber hinaus hätte uns zu Memmen gemacht. Heute fängt die schlechte Laune und das Agitieren bereits im September im Chino-Outfit an. Man kauft Daunenjacken fürs Kind, Schals, Handschuhe, geile Boots mit wasserabweisendem Außengerippe und Innenfutter, um dann doch festzustellen, dass Viren auf Daunen scheißen. Also wozu dieses Theater? Es erwischt uns sowieso und wir wissen es! Hatte man früher ein bisschen Schnupfen, bekommt man heute die volle Wucht der Männergrippe ab.

Was war es eine Wonne, früher krank zu sein. Was war es herrlich, sich in Selbstmitleid zu suhlen und den Schnupfen oder Husten zu zelebrieren. Ein paar Tage dem Alltag entfliehen, sich auf die Couch oder ins Bett packen und die kleinen Gizmos im Immunsystem ihre Arbeit machen lassen. Denn in keiner Situation kann sich ein Mann so gehen und fallen lassen, wie bei einer tödlichen Männergrippe! So sehr ich früher dem Egoismus und Hedonismus frönen konnte, so sehr ist jetzt Zurückstecken angesagt. – DaddyDavud

Bringe ich meine Kleine in die Kita, lachen mich bereits die Vorboten zur Hölle am Eingangsbereich an. Ich verstehe bis heute nicht, dass diese Schilder nicht als Gelber beim Arbeitgeber durchgehen. Das würde uns allen den Gang ins versiffte Wartezimmer der gesetzlich Krankenversicherten ersparen. Bereits bei der Verabschiedung des Sprösslings sieht man das Unheil auf einen zukommen. Auch wenn ich im Umkreis von 20 Metern nichts anfasse – es hat keinen Zweck. Dein Kind wird dich anstecken und zwar mit voller Wucht. *Heul

krankheiten-kita

Seitdem alle unsere Kinder in der Agentur in einem Betreuungsverhältnis stehen, sind unsere organisatorischen Skills besonders gefragt. Es braucht wenig, um alles unter einen Hut zu bringen – aber davon viel, hat unser Agenturpapst PapaDoc mal geschrieben und er hat Recht. Gut, wir haben es bei uns leicht, weil wir uns untereinander blind vertrauen, aber wie sieht es bei anderen aus? Sind alle Arbeitgeber so verständnisvoll und pragmatisch? Ich denke nicht.

Machen wir uns nichts vor: Winter sucks – und das gewaltig! Ich kann dem nichts abgewinnen. Selbst Urlaubsplanungen, Ausflugsarrangements mit Freunden, Geburtstagspartys – nichts ist mehr planbar. Ich habe sogar eine Absage-Vorlage in meinen Notizen gespeichert, um schnell absagen zu können. Schlage ich im Duden „Winter“ nach, erscheint als Definition genau diese Notiz.

Jetzt aber zum Positiven: Nur noch 4-5 Wochen und wir können dem endlosen Prozess der Re-Organisation adé sagen. Den Notizzettel behalte ich aber. Es gibt keine bessere  Ausrede als ein angeblich krankes Kind… Das ist aber ein anderes Thema…

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Babyvater

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Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater einer Tochter. Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

3 Antworten

  1. Frauke sagt:

    Da spricht mir ein Vater aus der Seele. Ich hab dann allerdings noch meinen hochgeschätzten Göttergatten, der Schornsteinfeger ist und immer von Haus zu Haus läuft…. der bringt dann auch noch so manche netten Infekte mit nach Hause…. Ist es nicht mein Sohnemann, ist es sein Vater…. ICH WILL SOMMER!!!!

  2. Richie sagt:

    Sehr wahr, winter is a bitch. Insbesondere ist zu beneiden wie viel Zeit man mit einem Kind für solch schöne Berichte hat. Väter zweier Kinder bleibt nur ein kurzer Kommentar, Väter dreier und mehr Kinder sind sicherlich für mehrere Jahre offline….☺ Mal schauen was morgen die Kita zu bieten hat, sofern der Kleine wieder fit ist.

  3. Thorsten sagt:

    Hehe. An genau diesem gelben Schild geh ich auch jeden Morgen lang. 🙂

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