Familie und Arbeit: Es braucht wenig, um alles unter einen Hut zu bringen – aber davon viel

Wir hatten ja hier in unserer kleinen Agentur in der Mitte der Stadt schon lange, sehr lange über das drohende Unheil gesprochen. Da würde zur Sommer- und Urlaubszeit eine zu koordinierende Terminwelle über uns hereinbrechen, die den Begriff Tsunami verdient. Wir sahen uns bereits Ende Januar hoffnungslos verloren und schoben die Gespräche immer weiter vor uns her. Und es kam schlimmer.

Denn Babyvater wollte gar nicht mehr reden (außer mit sich selbst) und handelte. Als er seinen Urlaub buchte, brach für mich eine Welt zusammen. „Dieser Honk!“, schimpfte ich innerlich. „Wie kann er nur?“ Er konnte nicht nur, er musste sogar. Schließlich ist seine Urlaubszeit auch nur das Ende einer Rocharde von Zwängen. Seine Frau hat ihren Urlaub mit gefühlt 33 Kolleginnen abgeglichen, die KiTa seiner Tochter macht eh‘ zu, wann sie will und der Typ am Anfang der Nahrungskette muss sich dem halt fügen. Tat er dann auch.

Das Ergebnis war eine Threema-Nachricht im Middlestreet-Reloaded-Chat; am 06.04.2015 um 21.40 Uhr hieß es ganz unvermittelt:

„So. Urlaub gebucht. 16.7.- 06.8. 1.100 EUR nur Flüge. Hoffentlich kommt die Drachme, um das Geld wieder reinzubekommen. ;)“

Als ich diese tiefe, offenbar hormonell gesteuerte Abneigung überwunden hatte, die meinen Körper unmittelbar durchzog, konnte ich auch wieder lachen. Nämlich in genau in dem Moment, als ich mir vorstellte, wie der Lempi zuhause gerade übers Laminat tobt. „Wie kann er nur, dieser ignorante Vollpfosten!“, wird sich der Lempi gedacht haben. „Ich muss doch auch….“ Es dauerte nur wenige Augenblicke und der Lempi war auf 180! Er glich im Datenwust seine eigenen Urlaubswünsche mit denen seiner Frau und seinem KiTa-Entzug ab und ermittelte einen alternativen Urlaubsplan für sich und seine Familie. 27.7. – 07.8. war das Ergebnis, die ebenfalls anstehende Elternzeit noch gar nicht mit eingerechnet.

Janni_Kalendar_Sommer

Bedeutet, dass die Alleingelassenen für 14 Tage die doppelte Arbeit zu stemmen haben. Und jetzt ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich auch in der terminlichen Lage eines Hochsaison-Zwangsurlaubs befinde und wir mit drei unabwendbaren Terminwellen versuchen müssen, das Gewerbe am Laufen zu halten.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Urlaub muss man wirklich wollen. Es erfordert Verständnis, ein Miteinander, Rücksicht (oder einen, der einfach irgendwas Überteuertes bucht) und den wirklich festen Willen, wochenlang die doppelte Arbeit zu übernehmen. Zumindest gilt das für kleine Unternehmen, wie wir eines sind. Das mag in anderen, fester strukturierten Arbeitsverhältnissen einfacher sein, bei uns Selbstständigen braucht es zur Umsetzung genau das.

Und die Sache geht ja noch weiter. Mit all den „Kleinigkeiten“ die es im Arbeitsalltag so zu vereinbaren gilt. Als Herr von Bödefelds Tagesmama neulich ihrerseits – einfach so – eine Woche lang osterurlaubte, da brach für mich auch schon mal kurz eine kleine, eine heile Welt zusammen. Dass Tagesmamas ja auch Familie haben und mal raus wollen, war mir bis dato gar nicht in den Sinn gekommen. „Aber, aber…“, dachte ich, „wer passt denn dann auf den Dicken auf, wenn wir beide arbeiten?“ Eben. Keiner, wenn man keine OmOpas am Start hat (wie wir). Man teilt sich dann das Glück und bleibt vormittags daheim und geht nachmittags arbeiten. Was man da noch geschafft kriegt ist weniger als erwartet, aber besser als nichts. Ebenso wird es gehen, wenn fiese Infekte den sorgsam geplanten Tagesablauf durcheinanderbringen. Was man dann braucht, sind wieder Kollegen und Freunde, die das kennen, verstehen, akzeptieren und die Dinge am Laufen halten.

Danke Jungs (wirklich), wir kriegen zusammen alles hin. Übrigens ich habe für Juli/August 2016 acht Wochen Las Vegas gebucht…..war ein super günstiger Flug!

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Der Autor Thomas "PapaDoc" Guntermann ist gleichzeitig der Namensgeber unserer Kommunikationsagentur, in der wir eigentlich alle zusammenarbeiten. Er gehört zum Gründungsteam dieses Blogs, ist Stammautor und lebt mit seiner Frau und Sohn im beschaulichen Kölner Vorort Hürth (Buuuh).

5 Antworten

  1. Dani sagt:

    Ich hatte gerade den gleichen Gedanken wie Andrea, so viel Urlaub, wie diese Kinder Ferien haben, gibt es ja gar nicht…mal abgesehen davon, dass meine Tochter auf einmal viel früher nach Hause kommt – durch unseren Umzug derzeit noch inkl. Fahrtweg von knapp 30-45 Minuten (je nach Verkehr auf der Straße/Schiene).

    Und ich muss zugeben, so nach einem Jahr Festanstellung: Vollzeit und Kinder ist schon sehr viel anstrengender (insbesondere wenn noch gependelt werden muss), als als Selbständige zu arbeiten und sich die Zeit dann eben passend einzuteilen – auch wenn ich während eines Urlaubs dann eben gar nicht bezahlt werde…

    Ich wünsche euch allen aber trotzdem schon mal einen schönen Sommerurlaub 😉

  2. Das wird ein Spaß wenn die Schule losgeht und ca 13 Wochen Ferien organisiert werden müssen.. 😉

  1. 26. Februar 2016

    […] in einem Betreuungsverhältnis stehen, sind unsere organisatorischen Skills besonders gefragt. Es braucht wenig, um alles unter einen Hut zu bringen – aber davon viel, hat unser Agenturpapst PapaDoc mal geschrieben und er hat Recht. Gut, wir haben es bei uns leicht, […]

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