8 Erkenntnisse aus der Quarantäne

Nachdem mich letztes Jahr im Winter die Hand-Fuß-Mund-Krankheit erwischt, ich vier Kilo abgenommen hatte und 10 Tage krankgeschrieben war, habe ich dieses Jahr den Rekord bereits jetzt, im Sommer/Herbst, gebrochen.

Dieses Mal ist es eine virale Bindenhautentzündung. Die Profis von euch kennen den Fachausdruck, oder? Keratoconjunctivitis epidemica oder Augengrippe. Dabei steht „epidemica“ für die hochinfektiöse Grundnatur dieser unangenehmen Augenkrankheit.

Eine Sache haben diese beiden Diagnosen, von denen ich vor der Geburt meines Kindes noch nie etwas gehört hatte, gemein: Sie sind nicht behandelbar. Man muss warten. Lange warten. Dr. Google hat mir das gesteckt. Wär Google ein alter Klassenkamerad, er wüsste nicht wer ich bin. Er wäre total verwirrt. Er würde mich mit großen Augen ansehen und fragen: Wer zum Teufel bist du? Suchte ich früher nach Sneakern, Partys und Bands, fülle ich jetzt das Netz mit Begriffen wie Saugschwäche, Kind schreit beim Nägelschneiden und Kaka ist blau.

Als mein Auge anschwoll wie Rocky Balboas nach seinem Kampf gegen Clubber Lang, habe ich mich entschlossen zur Augenklinik zu gehen. Der behandelnde Arzt wollte mich am liebsten rausschmeißen! „Das macht doch keinen Sinn, dass Sie hier sind. Sie stecken meine Patienten an!“ Irgendwie konnte ich ihn sogar verstehen… Ich war eine Gefahr für die Menschheit. Ich durfte nichts anfassen und wurde prompt vor die Tür gesetzt.

OK. Der Arztbesuch hat gesessen. Ich darf also voraussichtlich zwei Wochen lang keinen direkten Kontakt mit meinen Mitmenschen haben, penibelst darauf achten, dass ich nicht alles anpacke, ständig alles und mich selber desinfizieren und meine juckenden und blutroten Augen nicht anfassen. Seit letzten Freitag habe ich weder meine Frau (wir hatten zwischenzeitlich Hochzeitstag), noch meine Tochter berührt. Ich bin in Quarantäne und verziehe mich mit meiner Sonnenbrille ins Schlafzimmer. Blickt man mir tief in die Augen, weiß man nicht, ob man Karl Dall oder Snoop Doggy Dog die Ghettofaust geben soll. Ich bin ein Geist, der sich in seinen eigene vier Wänden davor fürchtet, seine Familie anzustecken.

Von neun bis 15:30 habe ich sturmfrei! Die ersten beiden Tage habe ich es sogar genossen. Soweit man es überhaupt kann. Aber man kann gar nicht so viel King of Queens-Folgen schauen, wie man umschalten möchte… Spätestens am dritten Tag war ich wieder arbeitsreif. Es gibt schlimmeres, würde man jetzt behaupten und vielleicht ist auch ein Fünkchen Wahrheit drin. That’s my life. Zumindest noch diese Woche.

8 Erkenntnisse nach einer Woche Quarantäne:


1. John Schnee (Game of Thrones) hat nicht Recht: Winter ist nicht coming, er ist schon da.


2. Kein Abwehrsystem der Welt hat eine Chance gegen die kollektive Kraft eines Kita-Killervirus


3. Man kann nicht leichter krank faulenzen als krank arbeiten


4. Mit dem 35. Lebensjahr resetet Google deinen individuellen Suchalgorythmus


5. Lineares Fernsehen ist tot


6. Augensalben können mehr als Augentropfen


7. Sagrotan ist besser als Seife


8. Körperkontakt ist wichtiger als reden


 

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Babyvater

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Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater einer Tochter. Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

1 Reaktion

  1. Taugewas sagt:

    Uh, das hört sich ja fies an. Bisher waren die Bindehautentzündungen bei uns in ein paar Tagen weg und oft musste noch nicht mal ein Antibiotikum ran, sondern zum besseren Abfließen des Sekrets nur Baby-Nasentropfen ins Auge (tatsächlich! Ein Geheimtipp eines befreundeten Augenarztes).

    Trotzdem herzliches Beileid! Gerade am Hochzeitstag ist sowas ja fies!
    Und wie zum Geier kommt die Augensalbe ins Auge?
    Unser sehbehindertes Kind hat auch diverse Augensalben und Augentropfen und nach all den Monaten hab ich es immer noch nicht raus, WIE man SALBE ins Auge bekommt.. Aber vielleicht folgt hier im Blog noch eine ausführliche Anleitung nach der Quarantäne? 😉

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