Leo Lausemaus hat einen Idiot Dad

leo-lausemaus-vater-blogLeo Lausemaus ist süß. Die Bücher sind schön illustriert, die Texte lassen sich flüssig vorlesen, sie sind leicht zu verstehen. Auch die Hörspiele sind gut gemacht. Ich will es aber trotzdem nicht. Nein, ich will das nicht. Da geht es mir fast so wie Lempi mit seiner Bobo Siebenschläfer-Phobie. 

Warum?

Kaum ein Kinderbuch bricht mit ganz typischen Rollen-Klischees. In den meisten Fällen wird die tradierte Rollenverteilung als selbstverständlich hingenommen: Mama zu Hause, Papa berufstätig, großer Bruder, kleine Schwester, hübsches Reihenhäuschen, Haustiere. Der Bruder spielt Fuppes und die kleine Schwester kämmt ihre Barbie. Der Papa geht früh morgens aus dem Haus und kommt spät abends zurück. Er ist Spielgefährte und für die Soft Skills verantwortlich. Tollpatschig zieht er die Kleider der Tochter falsch rum an und erzählt stolz, dass er der „lockere Part“ des Erziehungs-Vorstands ist. Dieses Vaterbild ist mir bereits bei TV-Werbungen übel aufgestoßen. Das Nuf nennt sie „Idiot Dads“. Mir stellt sich die Frage, wie legitim so eine Darstellung ist und ob sich etwas an der Storyline ändert, wenn der Papa ein BISSCHEN mehr Lauras Stern wäre? DENN: Ich fühle mich bei solchen Stereotypen etwas unter Wert verkauft. Wir Väter können durchaus mehr, als nur witzige Sprüche reißen und Fussballhymnen einstudieren. Trösten, Sorgen, Lieben, Erziehen – da sind wir auch ganz gut drin…

1. Akt: Papa muss arbeiten – Mutter strickt

Das Buch „Leo Lausemaus trödelt wieder“ vom Lingen Verlag hat es mir angetan. Der #Aufschrei wäre groß, wenn Leos Autoren live twittern würden. Während Papa-Maus gemütlich am Frühstückstisch sitzt und seinen Kaffee trinkt, jagt Mama-Maus den kleinen Leo quer durch die Wohnung, um ihn pünktlich in der KiTa abzuladen. Es macht keinen Spaß, aber ja, oft genug muss ich meiner Kleinen hinterherlaufen und Ansagen wie am Fließband produzieren. Leos Papa sieht das anders, wenn er sich aus dem OFF nett verabschiedet:

„Habt einen schönen Tag, meine Lieben!“

Der Papa muss gehen, um, so wörtlich, „nicht zu spät zur Arbeit [zu] kommen“, die Mutter steht bis zum Hals im Stress. Natürlich arbeitet sie in Teilzeit und darf sich – ihr ahnt es schon – verspäten. Selbstredend. Aber immerhin, sie arbeitet ja. Und zur KiTa geht das Kind auch. Einige Leser würden sich wohl gerade über letzteres mehr ärgern.

Nach einem stressigen Tag sitzen Papa- und Mama-Maus auf der Couch. Er liest Zeitung, sie strickt. Jetzt weiß ich endlich warum myboschi so einen Erfolg hat. Ich muss es nur noch meiner Frau erklären…

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2. Akt: Das 8. Weltwunder – Papa und Leo betreten #Neuland auf CD

Das Hörbuch von Leo Lausemaus, insbesondere die Folge „Mama hat Geburtstag“, ist mein zweiter Aufreger. Kurz zum Plot: Mama-Maus hat Geburtstag! Wunderbar! Da lässt sich Papa nicht lumpen und hat sich was ganz Verrücktes einfallen lassen. Er will Mama-Maus einen ganz besonderen Gefallen tun und, wait for it…, etwas kochen. Stellt euch das mal vor! So richtiges Essen mit dem ganzen Pipapo! Leo hilft ihm dabei und stellt sich zur Überraschung des Papas richtig gut an. Wie richtige Entdecker machen sich Leo und sein Papa an die Arbeit. Auch hier: Gäbe es einen Twitteraccount, wäre #Neuland Trending Topic.

Tollpatschig mit viel Witz und Spaß, schaffen es die beiden tatsächlich, ein köstliches Mahl zu kredenzen. Aber ich will hier kein Understatement betreiben. Sie haben sogar den Tisch gedeckt! Mir kommen die Tränen…  Als die Mutter das Haus betritt nimmt ihre Freude epische Ausmaße an. Das Wunder von Bern war nichts dagegen. Aber vergewissert euch gerne selbst und klickt auf „Play“:

So liebe Frau, nimm dir mal ein Beispiel daran! Wenn ich das nächste Mal etwas kochen sollte, will ich dich weinen sehen!

Ist das wirklich so schlimm?

Vielleicht leben in Deutschland die meisten Familien wie die Lausemauses. Wahrscheinlich soll dieser Umstand Identität stiften. Was spricht also dagegen die Realität abzubilden? Ich finde eine Menge. Ich persönlich denke, dass es viele Väter da draußen gibt, die vielleicht etwas lockerer sind UND eine Menge drauf haben. Und damit meine ich nicht, alle Star Wars Episoden rückwärts aufsagen zu können. Klar, das auch, aber noch viel mehr. Ich habe ein Problem damit als Gut-Wetter-Daddy, oder wie es manche sagen, als Fassaden-Vater zu gelten. Um ehrlich zu sein, verstehe ich nicht warum manche Kinderbücher uns Väter so klischeehaft darstellen. Ganz zu schweigen von strickenden Müttern. Das Storytelling funktioniert auch ohne Familienprofiling ganz gut. Mich regt schon auf, dass der Papa eine Krawatte trägt. Nicht jeder Berufstätige trägt zwangsweise Krawatte. 

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Auch wenn meine Tochter darauf steht. Ich lese ihr das Buch nicht mehr vor bzw. ich erfinde etwas dazu damit es nicht mehr so einseitig rüberkommt. Ich bleibe dabei: Ich will das nicht.


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Babyvater

Babyvater

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater einer Tochter. Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

10 Antworten

  1. Danni sagt:

    Leuts, lang nicht mehr so derbe gelacht wie bei Euren ( und im Speziellen diesem) Beitrag/Beiträgen. Macht bloß weiter so!!

  2. sethyy sagt:

    Also wenn ich mir den Autor der Geschichten ansehe wird schon klar warum die Typen bei Leo und anderen Cartoons so sind wie sie sind. In Italien sind die Familienverhältnisse noch viel traditioneller als bei uns. Und das spiegelt sich halt auch in den Geschichten wieder. Ohne das ich Belege dafür habe denke ich das gerade im Bereich Geschichten und Cartoons sehr viele Italiener gibt.

  3. robin hood sagt:

    Leo ist gender bullshit der ganz schlimmen sorte.
    Wartet mit geschlechter stereotypen auf, die längst überholt sind.
    Da läuft ganz viel schief in der frühkindlichen prägung (ist in vielen kinderbüchern leider so)
    Als vollzeitpapa, väterkarenzgenießer, teilzeitarbeiter u vorzeigeehemann der für bügeln, kochen u staubsaugen zuständig ist, gerate ich regelmäßig in rage

  4. Jette sagt:

    Leo geht wirklich gar nicht! Ich mache es wie Du: Wenn mir was nicht passt, erfinde ich dazu. Noch geht das. Bei Dir ist es die Krawatte von Papa Lausemaus – für mich sind es die Tugenden von Dornröschen: schön, brav, anmutig. Bei uns wünschen die Feen also Tapferkeit, Mut, Klugheit…
    Und wenn irgendwo ein dahergelaufender Strolch meine schlafende Tochter küsst, vergisst sie hoffentlich ihre pazifistische Erziehung und ballert ihm eine!

    Märchen oder unliebsame Kinderbücher verbanne ich dennoch nur in ganz schlimmen Ausnahmefällen (Kinder im Dunkeln stehen lassen, würde wohl dazu gehören).

  5. Katarina sagt:

    Kann ich voll nachvollziehen. Wir lesen es nicht mehr vor seit die Mauseeltern in einem Buch den bockigen Leo stehen lassen und einfach nach Hause gehen. Leo bleibt zurück und erst im Dunkeln mit einer Laterne suchen die Eltern ihn dann irgendwann mal.
    Geht gar nicht finde ich.

  6. Schokominza sagt:

    Wir mögen Leo Lausemaus, auch wenn wir selbst nicht nach dem Modell leben (Ich arbeite Vollzeit, mein Mann ist seit 2,5 Jahren zu Hause mit den Kids). Aber ich finde, dass Kinderbücher grundsätzlich wirklich moderner sein sollten.

  7. Uli sagt:

    Es gibt auch ein Leo Lausemaus Buch namens „Mama geht arbeiten“ mit ähnlich fragwürdigen Rollenmodellen. Mama geht nur arbeiten, weil das Geld sonst nicht reicht, natürlich bringt und holt sie das Kind vom Kindergarten und Leo glaubt „verlassen“ zu werden.

    Finde ich auch befremdlich und wandert demnächst wohl in die Flohmarktkiste.

  8. Hallo Babyvater,

    mit nem jüngsten Sohn von 21 Jahren bin ich aus dem Vorlesealter, bis zum ersten Enkel, erste einmal eindeutig raus. Also nicht mehr auf dem neusten Stand. WAS?!?! 2015 gibt es noch solche Geschichten in Kinderbüchern?!?!

    Seit zwei Jahren bringen mich diese Stereotypen, regelmäßig in einschlägigen Eltern- und Frauenzeitschriften, Newsletter und von Hebammen und Ärzten kolportiert, in Rage.
    „Überlebenstraining für Väter im Kreissaal“, „Du kannst da nichts tun, Hauptsache Du bist da“, „Vielleicht wirst Du auch ohnmächtig, weil Blut fließt“ und „Na klar hat die Mama eine innigere Beziehung zu Deinem Baby, es ist ja schließlich in ihrem Bauch. Das ist rein biologisch für Dich gar nicht drin“.

    Alles Bullshit, absoluter Blödsinn! Kein Wunder, dass sich die meisten Paare kurz vor der Geburt oder im ersten Jahr nach der Geburt trennen.

    Als Mama von drei Töchtern und einem Sohn lernte ich bald die jungenfeindlichkeit unseres Schulsystems kennen. Was mir – ehrlich gesagt- erst einmal gar nicht so aufgefallen wäre. Wenn mich die Beziehungskisten und das Unglück über selbige nicht dazu gebracht hätten, mal über den Frauen-Tellerrand zu schauen und die Weite meines ganz persönlichen Horizonts finden zu wollen. Da sah und hörte ich einige Männer in Selbsterfahrungsworkshops. Deren Gedanken, Gefühle, Sehnsüchte und Enttäuschungen. Und sah, dass es DEN UNTERSCHIED, den, von dem alle reden, gar nicht gibt. Nur eine andere Weise damit umzugehen, drüber zu sprechen. Klare Ansagen und klare Haltung, da können wir Frauen uns ruhig ne Scheibe oder mehr von abschneiden.

    Da regen sich Diskriminierungsministerielle auf und Pippi Langstrumpfs Vater bekommt einen neuen Titel, ich darf auch keine Negerküsse mehr essen.
    Ist doch nicht zu glauben, dass 2015 noch solche Bücher gedruckt werden.

    Herzliche Grüsse aus der Nachbarschaft.

  9. Alu sagt:

    Ich hasse Leo. In einem Buch lässt ihn seine Mutter auf dem Spielplatz zurück weil er nicht artig war und holt ihn im Dunkeln ab.Kranker Mist.

  1. 29. Dezember 2015

    […] „Leo Lausemaus hat einen Idiot Dad„. Aber hallo!!! Hab ich schonmal gesagt, wie sehr ich Leo Lausemaus-Geschichten hasse? Mich freut ja immer, wenn es auch anderen so geht – und sie darüber schreiben. […]

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