Warum mein Kann-Kind nicht zur Schule muss

Babyvater

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Der Autor Janni „Babyvater“ Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von „Ich Bin Dein Vater“. Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

9 Antworten

  1. Hiyeun sagt:

    Lieber Babyvater,
    vielen Dank für den tollen Artikel, ich habe es geradezu verschlungen und musste die ganze Zeit nicken und zustimmend vor mich hermurmeln (sogar beim Bulimie Lernen) :-)))

    Meine beiden Kinder waren zwar keine Kann-Kinder aber ich merke trotzdem dass im Schulsystem noch so vieles vor einem liegt, war mir jetzt echt schon den Schweiß auf die Stirn treibt. Alleine der Gedanke das mein Sohn, gerade 5.Klasse „do“ und „does“ noch nicht richtig unterscheiden kann, soll in einem halben Jahr die zweite Fremdsprache her. Entweder die schönen Accents vom Französischen oder das schöne Latein. Ich sitze jetzt schon jede Tag mit ihm am Tisch und lerne und lerne damit er nicht den Anschluss verliert und hab gleichzeitig ein schlechtes Gewissen wenn ich merke, er schaut raus und will bei den ersten Sonnenstrahlen lieber mit Freunden raus (zu Recht). Ich geb dann auch auf und schicke ihn raus. Mein Gott, das kanns doch echt nicht sein. Hin und Hergerissen zwischen „du bleibt jetzt gefälligst hier sitzen bis alles fertig ist“ und “ ach komm…geh spielen“.
    Ich wünschte mir auch ein Bildungssystem das individueller auf die Kinder eingeht und die Stärken fördert ohne diesen Zwang mit der Benotung. Letztens hat mein Sohn eine 5 geschrieben und schreibt mir eine Whatsapp mit folgenden Worten: „Mama, ich bin scheiße! ich hab eine 5“. Himmelhergottnochmal!!! Ich musste ihn zuhause erstmal in den Arm nehmen und zugeben, dass ich auch schonmal eine 5 geschrieben habe (ööh…nicht nur eine).

    Es ist bei uns gerade nur Auswendiglernerei, egal in welchem Fach. Und es ärgert mich. Und noch mehr ärgert mich, dass ich weiß dass er es durchziehen muss bis zum Ende weil bis dahin keine andere Lösung im Bildungssystem gefunden sein wird. Also heißt es weiter für uns: Augen zu und wiederholen.

    Progammiersprache als Fach finde ich übrigens eine tolle Idee. Gäb es ein Fach mit Clash Royale und Truhen suchen (oder wie heißt dieses Spiel von dem ich keine Ahnung habe), dann hätte mein Sohn jetzt schon Abitur. Mindestens :-))

    lg
    Hiyeun

  2. Frauke sagt:

    Hallo Babyvater,

    dann habt ihr in NRW aber Glück gehabt. Hier in Niedersachsen gibt es die gleiche Frist und bis vor ein paar Jahren sind die Kinder vom 1.10. auch „durchgerutscht“ – aber wer am 01.10. geboren wurde, der vollendet am 30.09. sein 6. Lebensjahr und ist damit in Niedersachsen voll schulpflichtig. Dachten auch erst vor hätten es mit dem Datum gerade noch geschafft. Aber unser Sohn muss nun wahrscheinlich gehe. Das letzte Wort hat ja der Schulleiter der einschulenden Grundschule.

    VG Frauke

  3. Claudia sagt:

    Wir haben auch ein Kann-Kind. Waren kurz vor der Einschulung und haben uns dann doch dagegen entschieden. All ihre Freundinnen kamen in die Schule. „Ein Jahr länger Kind sein lassen“. Aber das meint aus meiner Sicht, mit Gleichaltrigen spielen zu dürfen. Doch leider ist der Kindergarten unfähig sie nun ausreichend zu beschäftigen. Ein Mädchen in ihrer Gruppe, die sie gerne mag ist gerade 5 geworden, die andere ist noch 4. Einem Gruppenwechsel hat die Kiga-Leitung nicht zugestimmt. Jetzt haben wir das Problem, dass sie verhaltenstechnisch nen riesen Rückschritt gemacht hat 🙁

    • Babyvater Babyvater sagt:

      Da stimme ich dir voll zu. Wenn sich die Kids in der Kita langweilen, dann muss man handeln. Diese Unterforderung ist echt ein Problem. Bei uns ist das nicht so. Ihre beste Freundin wird auch erst nächstes Jahr eingeschult. Zahlen und Buchstaben flashen sie bisher auch nicht so. Bei uns ist es so optimal. Für beide Seiten. Ich wünsche euch viel Erfolg. Das wird schon!

  4. Kathrin sagt:

    Wir haben eine Muss-in-die-Schule-Kind weil am 26.09.2011 geboren und NRW duldet keine freiwillige Rückstellung. Er ist also der Jüngste und im Moment noch der Kleinste. Schulisch mache ich mir momentan keine Sorgen, aber halt noch beim Sozialverhalten. Er ist zurückhaltender, kann sich noch nicht durchsetzen, kriegt öfter mal „einen drüber“. Ein bißchen Angst macht es mir schon. Vorteil: Dorfschule mit 16 Kinden.
    LG

  5. Der Garten-Papa sagt:

    Hallo Babyvater,

    vielen Dank für Deinen kleinen Artikel über „Schule“. Ich selbst konfrontiere mich freiwillig täglich mit Schule, dem System und Lehrern. Und es gibt super viel zu bemängeln, super viele Möglichkeiten es zu verbessern und super viele, die es tun.
    Zwei, die es nicht tun, sind Herr Precht und Herr Hüther, die nicht nachweisen konnten, dass sie es besser machen. Die Sitzen in ihrem Elfenbeinturm und predigen. Das könnte ich auch! Aber über Dinge, die ich nur aus der Entfernung kenne und wenig eigene Erfahrung habe, schweige ich. Das hat meine Mama mir so beigebracht.
    Leider meinen viele, dass sie sich über Schule äußern dürfen, weil sie auch mal eine besucht haben. Jeder Mediziner wehrt sich aber gegen eine Einmischung mit medizinischen Diagnosen von Menschen, die mal beim Arzt waren. Schulen machen das leider zu wenig, auch weil die das Ansehen von Schule seit Anfang der 80er Jahren leider immer weiter demontiert wurde.
    Ich möchte Dir empfehlen, sich an den Schulen umzuschauen, die zuletzt Schulpreise für ihre engagierte, innovative und soziale Arbeit bekommen haben. Die, könnten sicher etwas konstruktives beitragen.

    • Babyvater Babyvater sagt:

      Ich sehe und lese, dass du tief in der Thematik steckst. Vielleicht gehört es aber auch dazu, sich selbst und vor allem das große Ganze zu hinterfragen. Das tue ich. Täglich. Es ist eine Machbarkeitstheorie, über die Schwierigkeit der Realisierung kannst du dir wohl besser ein Bild machen. Ich beobachte nur und hinterfrage vieles. Das mache ich übrigens auch immer, was meinen eigenen Beruf anbetrifft. Bald folgt ein zweiter Artikel zum Thema „Bildung“. Ob ich dann einen Nerv treffen werde, steht in den Sternen. Auf jeden Fall stehe ich immer für ein Gespräch zur Verfügung. Ich möchte mehr zu diesem Thema erfahren. Da bin ich lernfähig.

  1. 3. Februar 2017

    […] Mein Text, warum ich mein Kann-Kind nicht in die Schule schicken werde, hat einiges freigesetzt. Auf Facebook hat sich eine Lawine von Kommentaren entladen. Die meisten Stimmen stehen der Institution Schule sehr kritisch gegenüber. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Eltern ein negatives Bild von Schule haben. Viele sehen in unserem Bildungssystem das Ende der Kindheit und die Eintrittskarte in die Leistungsgesellschaft. Aber stimmt das?  […]

  2. 18. Mai 2017

    […] Mein Rant gegen das Deutsche Schulsystem ist nicht überall gut angekommen. Gefühlte 95% der Kommentare stimmten mir zu, etwa 5% haben genörgelt und über meine Elfenbeinrhetorik gelästert. Komischerweise waren alle Nörgler tatsächlich LehrerInnen. Zufall? Ich glaube nicht. Trotz meiner Verteidigung von LehrerInnen wurden gewisse Punkte persönlich genommen. In meinem Panel zur Schulpolitik auf der Blogfamilia warb Bea Beste für mehr engagierte Lehrer. Wir sollten ihnen Mut machen, um gegen den alten Filz anzukämpfen. Das war die Geburt von #MehrMutfürLehrer. Gerade sie brauchen alle Unterstützung und Motivation, um weiterzumachen. Das Blog Familymag hat zu einer Blogparade aufgerufen und wir sind natürlich dabei! […]

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