Warum wir das Pflichtfach „Digitalkunde“ brauchen

Babyvater

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Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

6 Antworten

  1. Hanna sagt:

    Also ich bin Programmiererin und bin sogar dagegen, dass Programmieren als zweite Fremdsprache etabliert wird. Klar ist der EDV Unterricht in Schulen ehrlich gesagt ein Witz. Denn heute werden immer noch „Erstellen von Präsentationen“ gelernt, ohne, dass die Lehrkräfte (entschuldige das generelle zusammenfassen…) oftmals selbst kaum Ahnung von den wirklichen Kniffen hat. Genauso verhält es sich meiner Meinung nach auch mit den anderen Office-Programmen.

    Wenn man dann an den Beruflichen Schulen die Informatik Grundkurs mal anschaut, wo ansatzweise mal Programmieren gelehrt wird, dann ist es schrecklich mit anzusehen. Heute noch werden Websiten programmiert. Dabei seien wir mal ehrlich: Wer codiert sie heute denn noch selbst mit HTML und CSS. Ansätze machen ja schon manche Lehrer und unterrichten Java. Schön und gut. Da gibt es aber auch so viele Programmierspiele, die das ganze lockerer vermitteln. Außerdem sind manche Menschen einfach nicht für das Programmieren gedacht. Also das eigentliche Programmieren. Aber Programmieren hat so viel mehr zu bedeuten, als stumpf irgendwelchen Code niderzutippen. Denn die Vorarbeit darf man nicht unterschätzen. Und das wird nicht unterrichtet. Erst im Studium… Und ja, dann ist es zu spät…

    • Babyvater Babyvater sagt:

      Gerade weil es so viel mehr ist, könnten Kinder davon profitieren. Und Recht hast du mit deinen Personalbedenken. Das kann man kaum kompensieren. Aber irgendwann muss man damit anfangen.

  2. dani sagt:

    Ich bin fast 36. In meiner Schule (keine Privatschule) gab es damals bereits die Möglichkeit zwischen Informatik und Tippen/Steno zu wählen. Ich habe mich für Tippen entschieden, weil ich die angebotenen Programmiersprachen bescheuert fand (ich finde auch, programmieren ist jetzt nicht unbedingt supersauspannend…auch heute nicht).

    Nach der Schule bin ich dann Informatiker geworden, Fachinformatiker. Ich war im ersten Jahrgang, die Ausbildung ganz neu. Allerdings habe ich nicht groß programmiert (einen Einstieg in Assembler musste ich durchstehen – gott, das war so fad), ich habe gelernt, Netzwerke aufzubauen, Rechner auseinander zu nehmen und große Rechnerlandschaften zu administrieren. Und das ganz ohne vorherige Unterrichtsstunden in der Schule.

    Ich hatte Glück, denn ich war an der TU München und hatte lauter schlaue Professoren um mich, die für jeden Schabernack zu haben waren – denn das große Problem offenbarte sich dann schon an der Berufsschule: Die Lehrer hatten keinen Plan. Sie wussten nix über Datenbanken (den Unterricht hat dann der Azubi von Oracle übernommen), sie wussten nix über Linux (das habe ich übernommen…), sie wussten eigentlich GAR NIX, die einzelnen Azubis haben diverse Stunden übernommen.

    Ich finde, digitales Wissen ist wichtig, gerade für unsere Kinder, aber ich halte Schulen und Lehrer für diesen Bereich für absolut ungeeignet und überfordert (noch) – in der Grundschule meiner Tochter standen alte Rechner rum, es gab eine 400 Euro Kraft, damit die Kinder einmal die Woche „was mit Rechnern“ machen konnten, aber die Grundschullehrerin konnte nicht erzählen, WAS sie da eigentlich gemacht haben….

    Und dann sind da ja auch noch die Eltern, Uli hat bereits das Paradebeispiel Anke genannt. Und damit ist er leider nicht allein.

    Und zu guter Letzt ist da noch der volle Stundenplan eines 9. Klässlers auf dem Gymnasium, der inzwischen fast jeden Tag erst gegen 15 Uhr nach Hause kommt. Da fehlen dann noch Hausaufgaben und so weiter. Hieße also: Entweder hat er noch länger Schule oder es wird halt wieder eines der „unwichtigeren“ Fächer abgezwackt, im Zweifel Sport…halte ich für absolut beschissen, wo wir sowieso alle immer fetter werden und uns viel zu wenig bewegen (sorry..)

    Nix für ungut, aber ich fordere ja auch nicht, dass in der Schule grundsätzliches übers Autobauen vermittelt wird, denn dafür gibt’s ja Fachleute, die haben das Mechaniker-Dasein ja auch nicht in der Schule gelernt. Und programmieren ist jetzt nicht für jeden was.

    • Babyvater Babyvater sagt:

      Liebe Dani, ich sehe es ähnlich pessimistisch, denke aber, dass wir das Thema früher oder später angehen müssen. Vielleicht müssen wir andere Wege gehen und mit der Wirtschaft kooperieren.

      Wusste gar nicht, dass du auch sowas kannst. Thumps up!

  3. Uli sagt:

    So ein Schulfach würde ich mir auch wünschen, ich glaube Informatik oder „Digitalkunde“ wird für die heranwachsende Generation ähnlich wichtig werden wie Englisch. Etwas fast schon unverzichtbares, in dem jeder zumindest ein Basiswissen haben sollte.

    Was die Praxis angeht bin ich aber sehr pessimistisch, wenn man sich mal beispielsweise den unglaublich schleppenden Ausbau von Breitbandinternet in Deutschland ansieht. Oder allein die Tatsache das Schüler heute noch Latein lernen und die schon erwähnten Eltern die Technik für Teufelszeug halten:
    http://mom.brigitte.de/mitfuehlen/anke-engelke-1198611/2.html

    Übrigens gab es „Digitalkunde“ schon vor >15 Jahren als ich in der Schule war. Wir haben damals Zehnfingerschreiben gelernt (unschätzbar wertvoll), QBasic programmiert und Microsoft Office gelernt. Das war aber nur möglich, weil ich eine Privatschule besucht habe und genau das sehe ich auch für die Zukunft. Kinder engagierter/wohlhabender Eltern werden gefördert, der Rest muss sehen wo er bleibt.

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