Holiday on Reis. Warum Urlaub mit Säuglingen für mich jetzt doch was Schönes hat.

Ich war ja immer schon dagegen. Und habe es dann doch gemacht. Schön war‘s in der einen Woche im Kleinwalsertal. Schön unspektakulär.

Und was macht der Esel, wenn es ihm zu gut geht? Er schnallt sich Schlittschuhe unter und geht aufs Eis. Ehe ich mich versah, buchten wir drei Wochen Sri Lanka und sind seit ein paar Tagen zurück. Dies sind meine Eindrücke:

Wenn ihr irgendwann mal ein Produkt auf dem Sri Lankinischen Markt platzieren wollt, dann nutzt unbedingt ein dickes, blondes Baby mit Segelohren als Testimonal – loift!
An jeder unserer fünf Stationen im Land hatten wir das Gefühl, eine Attraktion mit dabei zu haben: Herrn von Bödefeld. Es wurde gewunken, getuschelt, gelächelt, gelacht, angesprochen, getätschelt und fotografiert. Da er ein von Grund auf optimistisches Gemüt mit sich herumträgt, lachte und lächelte er bereitwillig zurück und sorgte für breites Entzücken unter den Einheimischen. Wir hatten also einen Exoten ins Land gebracht und die Herzen flogen ihm zu. Die Leute in Sri Lanka sind die mit Abstand kinderfreundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Wer nicht auf körperliche Nähe steht, sollte sich daher ein anderes Reiseziel aussuchen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Babys schlafen bei hupenden, dieselgrollendem Höllenlärm und rasantem Geruckel in TucTucs friedlich ein.

Wir lieben ja TucTuc-Fahren. Es ist sicher nicht gänzlich ungefährlich, aber in asiatischen Ländern die günstigste und schnellste Möglichkeit, sich fortzubewegen.
Man knattert dann also zwischen höllenlauten Bussen, LKWs und Autos durch den dicksten Verkehr, erträgt Gehupe und Geschepper, den Fahrtwind und das Geplapper des TucTuccers, um zu bemerken, dass das Baby mit der Nase im Wind friedlich entschlummert ist. TucTuc als Turbo-Buggy-Fahren ist also eine gern genommen Pause.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Für die größeren Transfers nimmt man sich ein Fahrer, wie zum Beispiel Jani von Happy Jani Tours.

docV

 

Der fährt einen für den halben Hotelpreis über die Insel und hat sogar einen funktionierenden Gurt in seinem schrappeligen Mitsubishi-Bus. Dort sitzt dann das Baby im eigens mitgeführten MaxiCosi und spielt und schläft. In Sri Lanka dauern die Transfers lange. Außerhalb der Autobahn noch länger. Für 150 Kilometer braucht man zirka fünf Stunden. Mir war da manchmal mulmig, da das Kind natürlich keine fünf Stunden sitzen bleibt und wir es alle abwechselnd bespaßt haben…ohne angegurtet zu sein. In Deutschland tut man das nicht, ein riskanter Frevel ist das, aber dort taten wir es, auch aus Mangel an Alternativen. Wohl war mir dabei nicht.

docVI

 

Die Ernährungssituation für Babys ist gut, Milchpulver und Gläschen dabei zu haben ist aber geboten.
Das tun alle und es ist richtig. Steigt man in den besseren Hotels ab, ist die Versorgung mit gefiltertem Wasser (das wir dennoch immer noch einmal abgekocht haben) gut. Die Küche ist bereitwilligst am Werkeln, wenn es darum geht, diverse Obstsorten in unterschiedlichen Mischverhältnissen zu pürieren, um Babys Geschmack zu treffen. Ist das geglückt, mampft das Kind prima und zufrieden durch die Obstmahlzeiten. 

docVII

Püriertes Huhn ohne Gewürze zu bekommen, ist allerdings undenkbar. Hühner werden quasi als Curry geboren, da muss man Abstriche machen und auf heimische Gläschen oder die sagenhaft teuren australischen der Firma Heinz zurückgreifen.

Was schlimm war:
Der Flug. Ich HASSE langes Fliegen. Sri Lankan Airlines empfehle ich bedingt. Wer es mag, 10 Stunden in einer tiefgekühlten Hölle zu verbringen, ist dort prima aufgehoben. Ich werde es nie wieder tun. HvB brauchte zwei Tage, um sich von der Attacke zu erholen, er schlief aber dennoch zirka sechs von zehn Stunden auf dem Hinflug.

docVIII

Der Rückflug war tagsüber. Etwas weniger erfrierend, aber immer noch so kalt, dass man sitzend zur zweiten Decke neigte. Es ist zum Kotzen wie weit die Flieger immer runter gekühlt werden. Den nächsten Babyflug werde ich mit Stop Over inklusive Übernachtung planen, einfach um uns alle zwischendrin wieder aufzuwärmen.

Was toll war:
Das Allermeiste. Ich war noch nie über drei Wochen 24 Stunden mit Herrn von Bödefeld zusammen und muss sagen, dass er ein super Reisebegleiter ist. Er ist begeisterungsfähig und offen, wenn es darum geht, sich neue Dinge anzusehen. Er ist aber auch geduldig und genügsam, wenn man einfach nur mal da sein will, um ein wenig durch die Gassen zu streunen. Er isst an jedem Ort der Welt, er verdaut an jedem Ort der Welt und genießt Anregung und Inspiration.

Was HvB davon hatte

  • Krabbeln gelernt
  • Stabiles Sitzen gelernt
  • Zwei Zähne bekommen
  • Abscheu vor dem Wasser abgelegt
  • Abscheu vor Sand und Rasen dazugebucht
  • Krähen toll finden
  • A- und B-Hörnchen faszinierend finden
  • Der Hindu-Göttin Ganesha namentlich bekannt sein und abends die geweihte Banane essen
  • Wissen wie es sich anfühlt, auf dem Schoß der Empfangsdame im Jetwing Lighthouse in Galle Hof zu halten
  • Jede Menge neuer Leute getroffen
  • Den ganzen Tag bespaßt worden
  • 12 Stunden pro Tag an der frischen Luft verbringen

docIX

Related posts:

PapaDoc

PapaDoc

Der Autor Thomas "PapaDoc" Guntermann ist gleichzeitig der Namensgeber unserer Kommunikationsagentur, in der wir eigentlich alle zusammenarbeiten. Er gehört zum Gründungsteam dieses Blogs, ist Stammautor und lebt mit seiner Frau und Sohn im beschaulichen Kölner Vorort Hürth (Buuuh).

28 Antworten

  1. Mathias sagt:

    Hallo PapaDoc, Chapeau!! Genau der Beitrag, den wir gesucht haben… 🙂 Wir sind schon länger am überlegen, wohin wir in meiner 2. Elternzeit fahren sollten. Als begeisterte backpacker (vor dem Nachwuchs) war es nicht ganz einfach, ein Ziel zu finden, welches unserem neu erworbenen elterlichen Sicherheitsgedanken („das können wir unserem Sohn doch noch nicht zumuten“) mit unserer Reisebegeisterung in Einklang bringt. Mit Sri Lanka denken wir, dass wir den Mittelweg gefunden haben – Ende Dezember wollen wir für 4 Wochen mit unserem dann 11-monatigen blonden Sohnemann dort hin.
    Folgende Frage an dich: du schreibst, ihr wart an 5 verschiedenen Locations – wo genau? Habt ihr die Unterkünfte vorgebucht oder wie wir damals (vor dem Nachwuchs) immer vor Ort gesucht? Das kann dann doch leicht stressig werden… Wir denken, mehr als 4 verschiedene Locations für 4 Wochen werden wir uns nicht zumuten (wow, wie man sich doch mit Nachwuchs verändert 🙂 ) – was ist hier deine Meinung?

    Danke für den Beitrag, jetzt sind wir in unserer Entscheidung bestätigt, anstatt nach Mauritius (wie ursprünglich geplant, aber wir denken jetzt viiiieel zu langweilig für 4 Wochen) nach Sri Lanka zu fliegen. 🙂

    • Anonymous sagt:

      Hallo Mathias, wir waren erst eine Nacht in Colombo und sind dann weiter in Rechtung Süden. „The Surf“ in Bentota. Danach sind wir weiter Richtung Süden nach Galle ins Jetwing Lighthouse (Mega!!). Da kann man gut sein, hat zwei Pools, strände zum Laufen, einen Ort mit Festung, Whalwatching in der Nähe und so weiter. Von dort sind wir nach Kandy ins Landesinnere. Dauert fünf Stunden der Trip. Mit Pausen sechs. Geht aber. Von dort aus kann man ins Hochland, was auch ganz interessant ist. Zum Schluss waren wir noch mal im Jetwing Beach, nördlich von Colombo am Strand ein paar Tage. Wir haben, im Rücksicht auf den Dicken nur recht gute Hotels gebucht. Da hast du Infrastruktur und da magst du dich auch aufhalten. Die Tagestouren und das Rumreisen haben wir aber alle sehr gemocht, davon ab. Also das ist eine gute Wahl, Sri Lanka. Viel Spaß!

  2. Andrea Flug sagt:

    Moin PapaDoc! Wir planen auch einen Urlaub auf Sri Lanka. Im Gepäck u. a. unser Sohnemann (20 Monate) Hast du ein paar Hotel-Empfehlungen?

    • Anonymous sagt:

      Hi Andrea, uns haben die Jetwings Hotels sehr gut gefallen. Wenn ihr in Colombo landet, fahrt zum Jetwing Beach (Achtung da gibt es ein besseres und ein schlichteres). Das ist näher am Flughafen und Colombo lohnt sich eh nicht. Dort haben wir unsere kleine Rundtour begonnen und beendet. Im Süden gibt es ein wunderbares Jetwing Lighthouse in Galle. Das ist aus den 60er Jahren und so gebaut, dass es keine Klimaanlage braucht. Schattig und immer eine Brise vom Meer reichen aus. Das Ding hat zwei Pools, weil das Meer dort zu gefährlich ist. Von dort aus kann man auch Whale-Watching Touren machen. Die sind beeindruckend und Spuckbeutel haben die an Bord….. 😉

  3. Papa Poo sagt:

    Sehr, sehr geil.

  4. Melanie Reiche sagt:

    Ein toller, mutmachender Bericht!
    Wir wollen im Dezember nach Sri Lanka reisen mit unserem dann 4,5 Monate altem Baby. Sorgen machen wir uns jedoch einige… Ich plane das Kleine dann noch zu stillen, daher sollten sich Komplikationen bzgl. der Ernährung erübrigen. Aber wie sieht es mit der Gesundheit aus? Dengue Fieber, Malaria etc machen uns schon große Sorgen… Würdest du trotzdem das Reisne durch Sri Lanka mit Baby empfehlen? Oder sind 4 Monate zu jung zum Reisen? Vielleicht macht man sich einfach zu viele Sorgen?
    Über ein paar Tipps bzgl der Gesundheitsvorsorge würde ich mich sehr freuen!!

    • Anonymous sagt:

      Hallo Melanie, ihr habe ne krasse Planung, gefällt mir. Es ist alles weitaus weniger dramatisch, als man glaubt. Das Wichtigste zur Vorsorge habe ich erwähnt, denke ich. Ob ein Baby mit 4,5 Monaten zu jung ist, kann ich nicht beurteilen, da ist der Arzt der bessere Ansprechpartner. Grundsätzlich sind solche Trips mit Baby und Sri Lanka im Besonderen aber gut zu machen. Babies schlafen viel, da ist der Flug ganz gut zu bewerkstelligen. Sri Lanka ist in den touristischen Gebieten – was Tropenkrankheiten angeht – kein Gefahrengebiet. Details und handfestere Ratschläge gibt es beim http://tropeninstitut.de/reisetipps/reiseapotheke.php. Mit denen würde ich mal sprechen. LG und alles Gute!

  5. Sonni sagt:

    Ein schöner Bericht, der mich neugierig auf Sri Lanka mit Baby gemacht hat 😉 Aber sag mal hat HvB irgendwelche besonderen Impfungen gebraucht bevor ihr geflogen seid?

    • PapaDoc sagt:

      Hi Sonni, haben wir vorher natürlich unter ärztlicher Anleitung gecheckt. In Sri Lanka ist es so, dass die Touristengegenden ohne zusätzlichen Impfungen zu machen sind. Wir waren aber auch nicht südlicher als Galle. Wenn du weiter bis Matara runter fährst und dann in das Regenwald-Reservat willst, solltest du vorsorgen, was z.B. Malaria-Prophylaxe angeht. Aber mit Baby sind solche Dinge eh nicht angezeigt.

  6. Friederike sagt:

    Das war ja ein super Urlaub. Natürlich ist so langes Fliegen immer anstrengen für jeden aber schön dass ihr so viel Spaß hattet!

  7. Rudwell sagt:

    Hab diesen Beitrag gelesen und auf mich wirken lassen !

    Mir stellt sich nur eine Frage : Was riskieren Eltern heute ?

    Gerade noch Im Walsertal bei Minustemperaturen ( ist ja unspektakulär, möcht wissen was das Baby dazu sagt) und dann gleich ab nach Sri Lanka 32 Grad hohe Luftfeuchtigkeit etc alleine der Höhenunterschied macht einem normalen Menschen schon zu schaffen. Na ja gute Geschäfte kann man mir Babys machen, vielleicht borgt er mir seins aus wenn ich demnächst hinfliege das Baby hat ja schon Übung !!

    Wozu sind Eltern fähig ?

  8. Anonymous sagt:

    Ich muss schmunzeln…noch zwei Kindern und ein paar Fernreisen mehr und du musst auch über euer Artistengepäck lachen. Wir schaffens zu fünft (incl Zeug für drei Kinder, aber nur das existenzielle) mittlerweile mit zwei Koffern. Ohne Übergepäck. Alsoweiterüben!

  9. Lisa Stemmer via Facebook sagt:

    „Hühner werden als Curry geboren“

  10. Henrike Voigt via Facebook sagt:

    Gefällt mir! Gefällt mir sehr. Auch wenn ich Euch für komplett wahnsinnig halte☺️

  11. Nina das hört sich doch gut an! Kommt ihr mit?

  12. Nina Winkel via Facebook sagt:

    Annika Kessler &Anneke Kessler 😉

  13. Märy Orfanidou via Facebook sagt:

    Ganz toll geschrieben .ich schmunzle immer noch.

  14. Sonja Marisa Kirste via Facebook sagt:

    Vincent Kirste!!!! 😉

  15. Marie Sunshine via Facebook sagt:

    Ein toller Erfrischender Bericht. 🙂

  16. Marie sagt:

    WOW! Wie Mutig, 3 Wochen soweit weg. Ich bin begeistert.
    Ich selbe habe mich das mit meinen zwei Mäusen noch nicht getraut, aber solche Berichte machen mir immer mehr Mut. Vielen Dank für den tollen Bericht. 🙂

    • PapaDoc sagt:

      Gern geschehen und unter uns: Ich hatte auch ordentlich Respekt vor der ganzen Geschichte. Am Ende des Tages bleibt festzuhalten, dass Baby sich dort wohl fühlt, wo seine Eltern entspannt sind, Spaß, Sicherheit und Geborgenheit bieten (und Essen!). Das kann im Bergland Sri Lankas sein oder am Strand, wo die Krähen fliegen. Sri Lanka muss es nicht sein, ist im Januar aber nahezu perfekt, da immer 30 Grad.

  17. Rotezora sagt:

    Klasse! Ich liebe Sri Lanka! Da mein Stiefvater von da kommt, war ich auch sechs mal da. Aber mit Baby hätte ich mich das nicht getraut… Mit Baby hab ich mich in noch keinen Urlaub getraut! 😉
    Von daher Danke für diesen tollen Reisebericht!

    • PapaDoc sagt:

      Tu es! Urlaube sind Turbos für die Entwicklung. Und die Menschen in Sri Lanka sind – wie gesagt – ganz bemerkenswert kinderfreundlich, zugetan, höflich und rücksichtsvoll. Urlaub mit Baby macht Spaß. Ich empfehle aber auf gute Hotels zurückzugreifen, weil man deren Infrastruktur, Zimmergröße und Pools mehr nutzt als ohne Baby.

  18. So ein wunderbarer Beitrag!! Toll!!

  1. 23. Februar 2015

    […] aber bei Reisen mit Baby nicht allzu viel dem Zufall überlassen darf, hat das Julchen auch für Sri Lanka wieder einmal vortrefflich geplant und gepackt. Fazit im Vergleich zum letzten Mal: All Killer, no […]

  2. 12. August 2015

    […] man nicht zu denen gehört, die mit ihren Kindern sofort nach der Geburt einen Intercontinental-Flug bestreiten oder mit Babynahrung im Rucksack auf Achttausender klettern: VOR-sicht! Den VOR […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.