Über den Umgang mit Freunden mit unerfülltem Kinderwunsch

Dieser Text ist als Gastbeitrag in dem Buch „Der neunte Storch“ von Thorsten Beyer (Amazon Link) erschienen. In dem Buch beschreibt der Autor seinen knapp 10-jährigen Kampf mit unerfülltem Kinderwunsch aus der Männerperspektive. Unerfüllter Kinderwunsch bei Freunden ist nach wie vor ein schweres Thema. Vor allem, wenn man selber Kinder bekommt. Muss man als Freund ein schlechtes Gewissen haben, wenn man schwanger wird?

Wenn euch das Thema interessiert, könnt ihr gerne unseren Podcast mit Thorsten hören/weiterleiten – oder noch besser – sein Buch kaufen.


Von Janni Orfanidis

Die Hi-Five-Posse und die Kapuzengang – so hießen unsere Cliquen im Teenageralter. Thorsten war eine Kapuze, ich war einer der Hi-Five. Das ist alles eine ganze Weile her. Genau genommen kenne ich Thorsten jetzt seit mehr als fünfundzwanzig Jahren. Bis auf einen kleinen Break während des Studiums waren wir eng verbunden. Gleicher Basketballverein, gleiche Freunde, Partys, Mädchen – das haben wir alles zur Genüge durchlebt. Thorsten war immer in meiner „Band of Brothers“.

Man mag es kaum glauben, aber auch ich werde älter. Heirat mit dreißig und ein Jahr später kam schon meine Tochter zur Welt. Zu dieser Zeit fing Thorstens Wunschkind-Odyssee an. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meiner Frau diskutierte, wie wir die frohe Botschaft unseren Freunden übermitteln sollten. Schon damals hatte ich das Leid von Thorsten und seiner Frau im Hinterkopf und war mir nicht sicher, was zu tun ist. Am Ende wurde es ein legendäres Essen in der „Schnitzelranch“, das ist aber eine andere Geschichte. Als wir die News ankündigten, merkte ich, dass Thorsten und seine Frau in sich einsackten. Ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen, obwohl das natürlich vollkommener Nonsens ist. Dennoch konnte und kann ich immer noch sehr gut nachvollziehen, was da in ihren Köpfen vorging.

Wie Dominosteine kam in unserem „Inner Circle“ ein Kind nach dem anderen zur Welt. Was das in einem anrichtet, der sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind, kann ich mir kaum vorstellen. Eine Messenger-Gruppe mit dem Namen „Väter“ wurde gegründet, um unter sich zu bleiben und Thorsten nicht mit Themen zu frustrieren, die er sich eigentlich wünschte. Es kam eine Parallelclique zustande, in der man sich hin und wieder mit den Kids traf. Thorsten war da immer raus. Generell versuchte jeder und insbesondere ich, alle Themen rund um die Familie von ihm fernzuhalten. Wir dachten, wir tun ihm damit einen Gefallen. Vielleicht war es auch so. Ich empfinde es im Nachhinein jedoch als Fehler, den ich ein wenig bereue.

Das Thema anzusprechen und auch zuzuhören ist wichtig, und ich habe es viel zu selten gemacht. Eigentlich nur reaktiv und nicht aktiv. Ich hatte wohl Angst davor. Ich wusste nicht, wie ich das Thema anpacken soll. Na ja, vielleicht bin ich ja doch zu oberflächlich, um die echten und wahren Probleme des Lebens anzusprechen – und das, obwohl wir uns so lange kennen.

Wie empathisch muss man sein, wie feinfühlig? Die Fragen kann ich bis heute nicht richtig beantworten. Letztendlich muss man mit gesundem Menschenverstand agieren und Dinge auch ansprechen. Angst vor einem Gefühlsausbruch darf man da nicht haben. Hatte ich aber. So war das nun mal.

Wir hofften, dass sich die Geschichte irgendwann zum Guten wenden und sich dadurch der Umgang erleichtern würde. Die frohe Kunde über die positiven Entwicklungen später in Thorstens Leben hat uns alle überrascht und überglücklich gemacht. Kurz danach war unsere Väter-Gruppe wieder komplett. Das Hinzufügen von Thorsten war ein Meilenstein für uns alle.

Wir wünschen dem jungen Elternglück alles Gute, Offenheit, Ehrlichkeit und dem Kind nur das Beste!

Lisa von Stadt Land Mama hat ebenfalls ein sehr schönen Beitrag über die Geschichte von Thorsten geschrieben.

https://www.stadtlandmama.de/content/kinderwunsch-aus-maennlicher-sicht-meine-reise-vom-unerfuellten-kinderwunsch-zum-grossen-glueck-durch-adoption

LeJeck

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

Eine Antwort

  1. Nina sagt:

    Wir leben in einer erstaunlichen Zeit, in der es für alle kinderlosen Paare möglich wurde, Eltern ihres Kindes zu werden. Vielleicht gibt es in Europa Probleme mit dem gesetzlichen Rahmen, gerade weil es in diesem schwierigen Bereich einen Mangel an professionellen Ärzten gibt. Genetik und Fortpflanzung sind keine Witze. Ich hatte das Glück, eine Klinik in der Ukraine zu finden, wo ich die Dienste der Leihmutterschaft in Anspruch nehmen konnte. Es handelt sich um die Klinik von Professor Feskov in Charkiv, sie wird auch Feskov Human Reproduction Group genannt. Dank professioneller Ärzte wurde ich die Mutter eines wunderschönen Jungen. Es gab keine Probleme, die Ukraine und die Dokumente zu verlassen. So kann ich allen Zweiflern sagen: Haben Sie keine Angst, Sie können bis ans Ende der Welt gehen, um Ihr Kind zu holen, und die Ukraine ist nicht das Ende der Welt.

    Vor kurzem habe ich ein ukrainisches Gesetz über Leihmutterschaft gefunden, das ins Deutsche übersetzt wurde. Sehr nützliche Informationen, ich rate allen, die an diesem Thema interessiert sind, sie zu lesen. https://leihmutterschaft-zentrum.de/pdf/leihmuttershaft_law.pdf

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