Die fünf Gebote: Werdet wie die Kinder!

„Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Matthäus 18)

 

Wie_Kinder_1

1. Gebot: Zeige Gefühle
Jaja, Männer können das nicht…jeder, der das meint, mag mal die Fankurve eines Bundesligastadions besuchen, außer die vom FC Bayern vielleicht. Die langweilen sich dort in Schönheit der Rente mit 67 entgegen. Der kindliche Ansatz geht weiter, er ist moderner. Auf hormoneller Ebene bedeutet er, jede Gefühlsregung digital zu artikulieren, also 0/1. Man schweigt und ist solange still vergnügt, wie die Welt nach den eigenen Vorstellungen gestrickt ist. Ergeben sich Risse in der Wahrnehmung oder dem Befinden, fängt man vor Vergnügen, Spaß und Freude laut an zu Glucksen, Quieken oder Lachen – wenn es gut läuft. Am anderen Ende der kleinen Gefühlsweltskala beginnt es sofort an zu Brüllen und Weinen. „Scheiß auf die halben Sachen, gib einfach immer alles!“, lautet die Botschaft. Ob ich sie auch anwende, weiß ich aber noch nicht so genau. Im Stadion vielleicht.

2. Gebot: Du sollst nicht so viel quatschen
Eloquenz, Empathie, Weltoffenheit – das sind Werte, die man sich gerne zuschreibt. Die für mich mit Abstand beste Weltanschauung haben Kinder. Sie begegnen zunächst einmal allem und jedem neugierig, manchmal auch schüchtern – aber immer positiv. Wenn es etwas gibt, was ich an Kindern mag, dann das. Es ist herrlich und ich freue mich jedes Mal, wenn ich solche Situationen beobachten kann. Unsereins muss sich ja dann, um diese Geisteshaltung auch zu untermauern, auch noch verbal in die Arena begeben. Der Herr von Bödefeld macht das nicht. Sein sonniges Gemüt kommt aktuell mit genau einem Wort aus und das ist ausgerechnet….. Mama :-(. Was ich davon mitnehme, ist das Gefühl, nicht gebraucht zu werden… nee, nur ein Spaß. Also, weniger Quatschen ist angesagt. Manchmal reicht nur ein Wort, um Atmosphäre zu kreieren. Prost zum Beispiel.

3. Gebot: Lerne, dich levitieren zu lassen
Jetzt sprengen wir die Gebote und kreuzen rüber zu den indischen Religionen. Da gibt es ja Typen, die schweben im Schneidersitz durch irgendwelche Bewusstseinszustände. Ein wahrlich beeindruckender Gedanke. Ebenso beeindruckend finde ich die häufig übersehene Tatsche, dass die eigentliche Kunst des Tröstens von Kleinmenschen auch im Moment der Levitation liegt. Hat schon mal wer beobachtet, dass Kinder brüllen, während man sie hochhievt? Also, sie schweigen, genießen und unterbrechen das herzerweichende Geschrei für Bruchteile von Sekunden. Das Erfolgsrezept indischer Gurus auf Kosten elterlicher Bandscheiben ist für mich eine der herausragendesten kindlichen Strategien, um den Geist gesund zu halten.Was ich daraus lerne? Ich muss mich mit der Anschaffung eines Treppenlifts auseinandersetzen. Hilft ja nichts.

4. Gebot: Knock, knock, knocking…
Beim Jungen von PapaDoc ist das Pendant zum Wort Mama eine Bewegung, die in der Erwachsenenwelt recht eindeutig konnotiert ist und zwar in Richtung `Ein Machtwort sprechen´. Für‘s Kind ist die vertikale Bewegung mit der Hand alles, was der Fall ist. Ein nicht funktionierendes Klangbuch aus dem Gesichtsfeld „räumen“, die Tut-Tut Zugmaschine vom Anhänger trennen, das Spiel mit der Stapelpyramide beenden (das gerade nicht so funktioniert hat) oder auf die Tischplatte neben den Teller wimmsen, während man kaut. Es ist wie das Universalwort; eine Geste und ein Universum an Bedeutung. Das findet man in unserer Welt ja nur noch im Stadion und wenn, dann kriegt man auch direkt Ärger mit den Typen, die vor einem sitzen. Fragt Lempi, der hatte vor Jahren mal so eine Geschichte angezettelt..

Wie_Kinder_2

 

5. Gebot: Trinke wieder mehr aus Flaschen
„Serkan“, sage ich immer zu unserem Nachbarn, „die Kids leben das Leben, das wir aufgeben mussten.“ Es sind die Situationen, in denen das kleine Volk durch die Gegend chauffiert wird oder man ihnen sonst wie einen möglichst sicheren und angenehmen Aufenthalt auf dem Planeten Erde bereitet. Alltag also. Er lacht dann immer etwas gequält und weiß genau, wovon ich spreche. Es geht aber auch andersrum. Was ich mir vom Herrn von Bödefeld abgeguckt habe, ist sein beneidenswert hemmungslose Konzept, aus Flaschen zu trinken. Es gab mal Zeiten, da hatte ich Weingläser für verschiedene Weinsorten im Schrank. Was für ein Schwachsinn! Wie erfrischend es ist, eine Kanne Bier im Bödefelder-Style zu trinken. Das Julchen und ich machen das manchmal, wenn wir allein auf unserer Terrasse beim Bier sitzen. Nur so zum Spaß und weil wir es können. Es ist herrlich, wirklich befreiend und manchmal ist es wirklich wahr. „Man bekommt von Kindern auch ganz viel zurück.“

Wie_Kinder_3

Related posts:

PapaDoc

PapaDoc

Der Autor Thomas "PapaDoc" Guntermann ist gleichzeitig der Namensgeber unserer Kommunikationsagentur, in der wir eigentlich alle zusammenarbeiten. Er gehört zum Gründungsteam dieses Blogs, ist Stammautor und lebt mit seiner Frau und Sohn im beschaulichen Kölner Vorort Hürth (Buuuh).

10 Antworten

  1. Kai sagt:

    Genau das will ich auch – durch mein eigenes Kind noch mehr Kind werden, als ich es eh schon Gott sei Dank geblieben bin 🙂 In vier Monaten macht sich unser erster Nachwuchs auf den Weg in die Welt und ich kann es kaum abwarten.

  2. andi sagt:

    Komme gerade vom Ultraschall für 3. Kind. Beiden ersten haben heute Nacht bei der Ferienfreizeit übernachtet. Sie, 6, hatte Angst im Zelt, Er, 8, wollte mal schick „durchmachen“
    Kinder sind einfach Spitze…und wir Eltern haben auf dem Weg zum erwachsen werden viel von unserer Kindlichkeit verloren. Danke für diesen Beitrag.
    PS Es hat keiner gesagt, dass es leicht wird!

    • PapaDoc sagt:

      Toll herzlichen Glückwunsch andi, da freuen wir uns mit euch!
      hahaha 🙂 🙂 nein, hat niemand gesagt, dass es leicht wird.
      Kinder sind schließlich nicht Darmstadt98 😉
      Aber wir sind hier ja auch angetreten, um der Welt zu sagen, das es weltklasse, Verzeihung, internationale Weltklasse ist, Kinder zu haben und gemeinsam mit ihnen die Welt zu entdecken und zu erleben.
      Und wenn wir uns alle, statt zu Jammern, etwas mehr Spaß und Leichtigkeit gönnen würden, wäre die Welt – wie in Kinderaugen – ein noch viel schönerer Ort (meine Meinung).

  3. Der Beitrag ist gut. Seit dem ich selber Kinder habe kann ich dich wirklich gut verstehen.

  4. Taugewas sagt:

    Was für ein genialer Beitrag! Nach einem super anstrengendem Tag mit zwei Kindern, wo mir das Lachen schon echt vergangen war, musste ich beim Lesen schmunzeln und bejahend nicken. Danke dafür! Wie die Kinder werden, sich die Leichtigkeit abgucken, absolut wahr und doch oft so schwer.

  1. 22. Juli 2015

    […] Und so geht es weiter… […]

  2. 15. Juni 2016

    […] Von vielen herablassend als oberflächlich und maßlos bewertet, ist eine Männerfreundschaft ein starkes Fundament im Leben eines aufwachsenden Mannes. Klar, an der Kritik, dass Männer nicht wirklich BFFs sind, ist was dran. Dennoch: Die „Ich-muss-mich-heute-bei-dir-ausheulen-dann-geht-es-mir-wieder-besser“-Freundschaft ist bei mir jetzt nicht gerade ausgeprägt. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal vor einem Freund geweint habe. Das soll jetzt nicht tougher rüberkommen als es ist. Es kommt halt nie vor – zumindest bei mir nicht. Eine „Bromance“ habe ich trotzdem. Ich pflege eine enge Beziehung mit mehreren Männern. Hust, eine platonische Liebe zu meinen Jungs. Wo wir schon mal dabei sind:  Hier gibt es eine tolle Sammlung von 22 Bromance-Filmen. Eine pulle Whiskey, E-Zigaretten, Salzstangen und schon kann der romantische Abend mit deinen Buddies starten. Das kling zwar kindisch und unreif, aber was spricht dagegen?  […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.