Was starke Frauen wirklich wollen

Frauen sind das stärkere Geschlecht! Riskante These, ich weiß. Aber bevor der #Aufschrei über mich herein bricht, lest noch ein Stückchen weiter.

Kürzlich bin ich auf einen interessanten Artikel im Wall Street Journal gestoßen, der mir gezeigt hat, dass Alpha-Männer nicht mehr in das Beuteschema von starken, selbstbewussten Karriere-Frauen passen. Diese brauchen nämlich keinen Ernährer, sondern Kooperationspartner auf Augenhöhe, so Sonya Rhodes, die Autorin des kürzlich erschienenen Buches „The Alpha Woman Meets Her Match“. Ihre These: Für die meisten starken Frauen sind männliche Silberrücken nicht interessant. Der Glanz der Macht blendet sie nicht mehr, wie es vielleicht früher mal der Fall war. Der Grund: Frauen sind besser ausgebildet denn je, haben gute Jobs und sind nicht bereit, ihr Leben in die Hände eines Mannes zu legen.

Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Entscheidet sich eine erfolgreiche Frau für einen Mann, der weniger Geld verdient oder keine ambitionierten Karriereträume hat, bekommt sie stets ein Kopfschütteln vor den Latz geknallt. „Konntest Du Dir denn keinen ebenbürtigen Partner suchen?“, so der intellektuelle Ausdunst von „Freunden“ und Familienmitgliedern. Das sind bestimmt die gleichen Blitzbirnen wie die Vertreter der „Ich bin keine Feministin“-Bewegung der AFD-Jugend. Gut, wem kann man es verübeln: In den alten Disney-Filmen und Brüder-Grimm-Märchen waren es ja auch immer die Prinzen, die im Prekariat gewildert haben und nicht umgekehrt, oder? Das ändert jedoch nichts am Fakt, dass standesgerechte Hochzeiten wie bei „Downton Abbey“ der Vergangenheit angehören.

Nun ist es ja so, dass sich Frauen schon längst von den häuslichen Ketten der 50er befreit haben. Zum Glück, ist man geneigt zu sagen! Frauen machen deutlich häufiger Abitur als Männer. Und das auch noch mit besseren Abschlüssen. Ganz dramatisch geht es im Osten Deutschlands zu. Hier wandern überproportional viele junge Frauen aus. Das Ergebnis: Arbeitslosigkeit, Männerüberschuss, eine sinkende Geburtenrate, Verschlechterung des sozialen Klimas und steigender Rechtsradikalismus. Grund der Auswanderung ist häufig nicht die Arbeitslosigkeit, sondern die eklatanten Bildungsunterschiede zwischen den Geschlechtern. Das nochmal zur These über das stärkere Geschlecht…

Gleiche Bildung heißt jedoch nicht gleiches Gehaltsgefüge. Davon können unsere Frauen im fortschrittlichen Deutschland ein Klagelied singen. In den Vereinigten Staaten sieht das ganz anders aus. Laut einer amerikanischen Studie verdienen kinderlose Frauen unter 30 Jahren mehr als ihre männlichen Pendants. Das ist doch mal ein Wort.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin weder mit Alice Schwarzer verwandt noch verschwägert. Ich habe auch keinen Emanzipations-Bambi bekommen. Aber starke selbstständige Frauen brauchen andere Partner als die Frauen von früher. Was heißt das denn für uns Männer? Logische Folge wäre doch, dass mehr Männer zuhause bleiben – tun sie aber nicht. Tun wir vier auch alle nicht. Das Problem – zumindest in Deutschland – ist doch fast eher, dass die (jungen) Frauen besser ausgebildet sind als die Männer, aber trotzdem immer noch viel weniger verdienen und die Infrastruktur in Sachen Arbeitsmarkt und Kinderbetreuung es verhindert, dass sie im Job und ihrer Ausbildung entsprechend erfolgreich sind.

Warum sollen die Frauen karrieretechnisch zurückstecken? Warum muss man sich darüber überhaupt Sorgen machen? Deutschland ist ein super Land, aber in Sachen Kinder und Familie sollte es sich doch an den „großen“ Vorbildern in Skandinavien orientieren. Es  darf nicht Karriere ODER Familie, sondern sowohl Karriere als auch Familie heißen.

Interview mit Dr. Rhodes im Wall Street Journal:

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Babyvater

Babyvater

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater einer Tochter. Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

6 Antworten

  1. Grad bei Euch reingeschneit und gleich fest gelesen. Da auf dem Weg selbst in die Liga Vater umzusteigen (T – 4 Wochen…). Aber zum Artikel: spricht einen schönen Punkt an. Und wirft für mich die Frage nach dem „warum“ auf: „warum ist Kind UND Karriere Zielbild?“, woher kommt der Drang das genau das Umsetzen zu wollen? Und zwar bei beiden Geschlechtern, nimmt man seine Vaterrolle in die zeitliche Priorität versucht Mann das ja auch. Warum sich nicht entscheiden und das Beduerfniss nach ergaenzendem Einsatz der eigenen Qualifikation durch Arbeit jenseits der klassischen Karriere erfuellen? Ist ja nicht so, als gäbe es nix zu tun… Was macht es so wichtig von aussen erkennbare “ Karriere“ zu machen? Denn das ist ja was anderes als „Arbeit und Familie unter ein Dach bekommen, weil mensch das will oder weil es wirtschaftlich nicht anders geht“. Ginge es “ nur“ um Vereinbarkeit wuerde ich sagen: vehementer Einsatz für Entlohnung und Struktur die echte Wahlfreiheit ermöglicht und jedem/der die freie Entscheidung erlaubt wieviel Lebenszeit er/sie womit verbringt. Aber darum ging es im Artikel nicht, oder?
    Ist es der Traum vom „Ich will Astronaut werden UND Feuerwehrmann UND Literaturprofessor“? (Was nur den wenigsten vergönnt sein wird) . Warum ist es da als Wunsch oder gar Erwartenshaltung? Oder ist es der Kampf gegen Einschränkungen? Gegen “ Es geht halt nicht alles gleichzeitig? Was treibt uns da an?

  2. Babyvater Babyvater sagt:

    Interessante Tabelle. Ich lese aber kein Beleg für Deine These (Sofern Du überhaupt eine hast). Zieh Dir das mal rein. Dann können wir gerne nochmal sprechen: http://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/genderreport/01-Redaktion/PDF-Anlagen/kapitel-eins%2cproperty%3dpdf%2cbereich%3dgenderreport%2csprache%3dde%2crwb%3dtrue.pdf

  3. Dummerjan sagt:

    „dass die (jungen) Frauen besser ausgebildet sind als die Männer,“
    Schau Dir mal die Abschlüsse an und denke scharf nach:
    http://www.datenportal.bmbf.de/portal/de/Tabelle-2.5.46.html

  4. Babyvater Babyvater sagt:

    Okaaaayyyy… Da hat aber jemand einen dicken Hals heute Morgen. Und um auf Deine Frage zurückzukommen „Wie kann man nur das andere Geschlecht so auf einen Sockel stellen?“: Weil ich es kann.

  5. m sagt:

    Das Leben von Frauen ist wertvoller und wir müssen unbedingt, UN-BE-DINGT! uns selbst immer wieder sagen, dass sie in allem überlegen sind und wir müssen die allseits widerlegte Behauptung, dass Frauen bei gleicher Arbeit weniger Geld verdienen weiterverbreiten. Denn Frauen sind Pharaos. Nein, Götter!!11! Wir Männer sollten die Straßenseite wechseln und beschämt zu Boden sehen, wenn sie uns entgegen kommen.

    Wir Männer sollten nicht meckern sondern Platz machen und es einsehen, dass wir Untermenschen sind und auch nicht widersprechen, wenn wir mit einem eingeschränktem Rechtekatalog leben werden. Wer sind wir schon? GRUNZ! GRUNZ!

    Wir dürfen auch nichts Schlechtes mehr über Frauen sagen, und — viel wichtiger — nichts Gutes mehr über Männer. Mädchen sollen die besseren Abschlüsse machen, Jungs, diese dumpfen Tölpel, sollen ruhig zurückbleiben. Sie machen dann weiterhin die Drecksarbeit und bauen diese schönen, warmen, hellen, sicheren Spaces in denen sich die Frauen so schön selbst verwirklichen können. (Schon mal ne Frau auf der Baustelle gesehen?)

    Wie kann man nur das andere Geschlecht so auf einen Sockel stellen?

  1. 12. März 2015

    […] Noten. Inzwischen sind 53 Prozent der Studierenden in der EU weiblich, in Deutschland 49,5 Prozent. Starke Frauen sind also auf dem Vormarsch. Die Frauenquote hat in diesem Kontext definitiv eine Daseinsberechtigung. Umso mehr Frauen in […]

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