Muttergefühle. Zwei: Neues Kind, neues Glück – Wattsefacko Rezension

Ich sitze am Check In-Schalter im hoffnungslos überfüllen Flughafen Köln Bonn und will die zweistündige Verspätung meines Fluges nach Barcelona mit der Lektüre des neuen Buchs einer guten Freundin füllen. Es ist Zeit für Muttergefühle Teil 2 von Rike Drust.

Ich fange an zu lesen und bemerke aus der Peripherie fragende Blicke. Ich bin etwas irritiert. Dann merke ich, warum ich angestarrt werde. Ein südländischer Mann mittleren Alters liest ein Buch, das Muttergefühle heißt? Was ist da passiert und wie können wir ihm helfen? Ab diesem Moment achte ich darauf, dass das dezent neongelbe Cover nicht so leicht zu lesen ist.

 

Presswehen, Muttermund und geplanter Kaiserschnitt

Die ersten 120 Seiten habe ich in einem Rutsch am Flughafen durchgelesen. Teilweise kämpfte ich mich durch Presswehen, ungewollte Kaiserschnitte und Geburtstraumata. Bis auf die körperlichen Schmerzen, die uns Männer jetzt im Detail nicht so brennend interessieren, kommt mir Rikes Wunsch nach einer natürlichen Geburt sehr bekannt vor. Ein Wunsch, der beim ersten Kind leider nicht erfüllt wurde. Auch wir hatten eine komplizierte erste Geburt. Auch wir mussten nach unzähligen Stunden das Kind schlussendlich doch holen. Meine Frau und ich wollten das zweite Kind unbedingt natürlich bekommen, redeten jedoch nicht darüber, um uns nicht unnötig unter Druck zu setzen. Rike Drust, wir und deine Leser fühlen mit dir! Ob sie das Kind nun auf natürlichem Weg oder durch Kaiserschnitt bekommen hat, erfahrt ihr im Buch. Will ja nicht spoilern!

Rike Drust – die Robin Hood der Reflektion und Identifikation

Bereits im ersten Buch von Rike sah ich viele Parallelen zu meinem Elterndasein. Ich schätze, dass ich da nicht alleine bin. Wir haben mit unserem ersten Kind ein temperamentvolles Exemplar abbekommen. So beschreiben es Pädagogen. Rike würde schreiben, dass es ein besonderes Kind mit vielen Gefühlen ist (S. 93). Ihre These „EIN Kind ist KEIN Kind, wenn man das richtige erwischt hat“ (S. 101), kann ich unterstreichen. Das empfinde ich ähnlich. Rike hat Recht, wenn sie schreibt, dass bei der zweiten Schwangerschaft weitaus mehr Pragmatismus am Werk war. Ich habe ähnliches erlebt und auch hier verbloggt.

Neben der Schreibe flasht mich ich vor allem, wie sensibel und einfühlsam Rike ist. Alle ihre Argumente sind undogmatisch und unprätentiös. Sie versetzt sich in die Lage anderer und versöhnt, wo und wie sie nur kann. Die Wut kocht häufig spürbar hoch, wenn es um Klugscheißer-Eltern geht, um Mommy Wars, wie es bei uns Bloggern heißt. Rike macht vieles richtig, indem sie Dinge klar anspricht, ohne anderen vor den Kopf zu stoßen. Das gilt für die Art des Zimmeraufräumens genauso wie für den Medienkonsum oder die Essmanieren bei Tisch. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann einen Weg gefunden, der harmonisch und im Einklang mit dem Drust-Groove ist. Erstmütter will sie nicht belehren, ihnen sagen, dass alles besser wird. Sie beschreibt sich selber als Zombie-Mutter und Übertreiberin. Sie fordert keine Bewertung, sondern solidarische Normalität! (S. 81)

Das ist alles sehr romantisch, sehr lebensbejahend. Ja, Rike ist mega-romantisch. Das lese ich zumindest aus dem Buch raus. Auch wenn sie das vielleicht nicht von sich selbst behaupten würde. Der Drang nach Love, Peace & Harmony ist aber genau das.

Die Liebe zum Kindesvater

Auch bei der Fortsetzung des Buches kommt der Mann/Vater vor. Auch wenn sich das Buch nur passagenweise um ihn dreht, habe ich diese selbstverständlich ganz genau gelesen. Der Zwiespalt zwischen Traumberuf und Familienvater wird gut beschrieben und ich konnte viel über die Gedankenwelt der Frauen lernen. Verstehen werde ich diese Wesen dennoch nie, dafür fehlen mir ein paar Synapsen. Es wird aber deutlich, welche Kämpfe ausgefochten werden. Wer bleibt im Krankheitsfall zu Hause, wer tritt beruflich kürzer? Aus der Entfernung betrachtet haben die zwei eine gemeinsame Entscheidung getroffen. Ich schätze Rikes Mann so ein, dass er keine Schulterklopfer oder Schönwetter-Daddy-Analogien braucht.

Was ich grundsympathisch finde, ist WIE sie über ihn schreibt: Offen, ehrlich, beißend, stechend und liebevoll – so muss das sein. Wer so offen über seinen Partner schreibt, muss ein gegenseitiges Urvertrauen zueinander haben. Kein schlechtes Wort kann dieses Fundament zerstören. Im Gegenteil. Etwas ohne Angst anzusprechen, ist er Schlüssel für eine funktionierende Partnerschaft, oder? Vielleicht ist dieses Buch ja auch ein Mittel, um Danke und Bitte zu sagen?

Warum Grübeln nicht gut ist

Rike denkt über vieles sehr intensiv nach. Auch darüber, dass ihr Leben mit Mann und zwei Kindern so „perfekt“ läuft. Ihre Probleme kommen ihr angesichts der globalen Konflikte sehr klein vor. Sie spricht sogar davon, dass es ihrer Familie „verdächtig gut“ ginge. (S. 198) So könne es ja nicht ewig weitergehen. Sie nennt das Kopfkarussell. Natürlich kenne ich diese Gedanken auch. Ich mache mir ebenfalls Sorgen, dass das jetzige Leben sehr schnell vorbei sein kann. Das Schlimme daran ist, dass das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwann auch eintreten wird, wenn man bedenkt, dass bereits jetzt jeder zweite Bürger Deutschlands Berührungspunkte mit Pflegebedürftigkeit hat. Rike, eins habe ich gelernt in den letzten Jahren: Grübeln macht krank. Irgendwann ist das schöne Leben wohl vorbei. Bis dahin lebe ich getreu nach Yodas Motto:

“Fear is the path to the dark side. Fear leads to anger. Anger leads to hate. Hate leads to suffering.”

Mütter dieser Welt vereinigt euch 

Dieses Buch ist ein Aufruf zur Harmonie. Eigentich passt es gut zu meiner Heimatstadt Köln. Levve und Levve losse. Das ist das Mantra von Rike. Ihre exzellente Schreibe und ihr Talent, Geschichten zu erzählen werden vielen Müttern durch schwere Zeiten helfen. Die Väter will ich hier nicht rausnehmen. Mit mir hat das Buch etwas gemacht. Ich habe meiner Frau mehr Verständnis entgegengebracht als mir lieb ist (IRONIE ON). Also das perfekte Weihnachtsgeschenk für gestresste, liebevolle, traurige und witzige Mütter.

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Babyvater

Babyvater

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

5 Antworten

  1. ha. wahrlich auf den punkt gebracht hast du es. als wäre es ein reclam-heft habe ich mir eselsohren in die seiten geknickt, an den stellen, an denen ich mich sowas von wiedergefunden habe. und teilweise überlappen sich deine seitenangaben mit den meinen. vor allem aber bin ich begeistert aus deiner väterlichen Sicht und abseits all der mamiblogs eine rezension gefunden zu haben. auch mit mir hat das buch was gemacht. yeah.

  2. Linda sagt:

    Dieses Buch ist wirklich sehr gelungen. Sehr schön und einfach ehrlich geschrieben. Aber nichts für Leser, die keine „harten Ausdruckswörter“ mögen… *g*

  3. Hört sich vielversprechend an! Aber beim nächsten Flug und überhaupt am besten immer das Buch gut lesbar als Statussymbol überall hin mitnehmen. Du bist auf einer Mission!

  4. Düse sagt:

    Hach, wie schön.
    Ich „amüsoh“ mich herrlich über Deine Rezension und bin nun echt neugierig auf das Buch. Und dass, obwohl ich ansonsten so gut wie nie Mütter-Bücher lese.
    Der Pragmatismus in Rikes (beinahe hätte ich Rilke geschrieben…) Umgang mit anderem Frauen brennt mir auch unter den Nägeln… Menno, nun muss ich wohl doch ein Mommy-Buch kaufen.
    Danke für die Vorstellung!

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