Mein Elternzeit-Beginn – Was nichts kostet, ist auch nichts?

Ende September gehe ich zwei Monate in Elternzeit. Entweder du gehörst zur Fraktion „Waas? Der macht auch NUR zwei Monate“ oder „Boahh! Der traut sich aber was!“. In Wirklichkeit trifft nichts von beidem zu. Ich gehe in Elternzeit, damit meine Frau den Wiedereintritt in den Job durchziehen kann und um meinen Sohn besser kennen zu lernen. Ich werde nicht mit dem Bulli verreisen und auch keine Weltreise querfinanzieren. Ich gehe in Elternzeit, weil ich es will. Gerne auch länger als der 2-Monat-Standard. Das wird nicht passieren. Warum, will ich hier kurz erklären.

Elternzeit kostet sehr viel Geld

Dass es überhaupt so etwas wie Elterngeld in Deutschland gibt, wird von vielen bereits abgefeiert. Von mir nicht. Vergleiche mit Ländern, die zu arm sind, um solche „Subventionen“ für Kinder zu verteilen, sind meiner Meinung nach unpassend. Spanien, Italien, Griechenland und Türkei verfügen vielleicht nicht über die notwendigen Mittel, dafür haben sie ein anderes soziales Netz entwickelt: die Familie. Das mag abgedroschen klingen, aber Mehrgenerationenhäuser sind dort Usus. Hierzulande suchen TV-Produktionsfirmen dagegen händeringend Familien, die in diesem Modell leben – und finden sie nicht. Im Gegensatz zum schwächelnden Mittelmeerraum hat Deutschland jedoch einen grundlegenden Vorteil: KOHLE! Deutschland sollte sich nicht am Süden orientieren, sondern eher am Norden, beispielsweise an Skandinavien.

Jetzt komme ich meinem Punkt schon etwas näher…

Mein Kleiner wird bald ein Jahr alt. Als ob das nicht schon wahnsinnig genug wäre, geht er auch noch pünktlich mit 12 Monaten in die Kita. Ich bin kein Fan davon, aber leider lässt es unsere Lage nicht zu, dass meine Frau oder ich ein weiteres Jahr Elternzeit nachlegen. Den Rest besorgen die Eintrittsintervalle unserer Kita vorm Haus. Bei uns fallen sie auf September und Februar. Einen Platz im Februar zu ergattern, wäre aussichtslos – so wurde uns signalisiert. Also wurde es der September. Die Eingewöhnung starte ich am 1. Oktober. Die Zahlung fängt aber natürlich schon pünktlich vorher an.

Da mein Sohn und meine Tochter ab Oktober gemeinsam in die halbprivate Kita bei uns um die Ecke gehen, habe ich allein für die Kita-Betreuung einen Betrag zu entrichten, der an eine zweite Miete erinnert. Auch wenn der Kurze während der Eingewöhnung nur 1-2 Stunden mit mir dort bleiben wird, muss ich voll bezahlen. Und das nicht zu knapp. Allein der private Anteil für den Sohnemann beträgt 230 EUR. Insgesamt liegen wir bei beiden Kindern, wenn wir den städtischen und privaten Anteil zusammenrechnen, bei knapp 700 Euro monatlich.

Dazu kommt die Miete in unserem Familien-Ghettoneubau: Wenn wir in 15 Minuten bei der Arbeit sein und nicht täglich im Stau oder auf dem  Bahnsteig versauern wollen, müssen wir in Citynähe wohnen bleiben. Dass das teuer ist, muss ich nicht erklären.

Was die Sache noch erschwert ist, dass die „neuen“ Kosten genau in den Zeitraum fallen, in dem meine Elternzeit beginnt und ich nur 65% meines Nettogehaltes bekomme. Die zwei Monate mit meinem Kind werden mich ungefähr 2.500 EUR fix kosten. Ich weiß, dass das nicht gerade romantisch klingt. ABER: Da sind noch keine Ausflüge und Ausgaben des Alltags einkalkuliert. Da kommt man schon etwas ins Schwitzen. Meine Freude über die Elternzeit ist deswegen nicht getrübt. Abschreiben und durch! Ich habe nach wie vor Lust, Zeit mit meinen Kids zu verbringen. Sorgen schwingen dennoch mit.

Warum ich nicht mehr als die Regel-Elternzeit nehme

Das Finanzielle ist nur ein Aspekt. Zwar ein wichtiger, aber nicht der Wichtigste. Ich bin Gesellschafter unserer Agentur. Genauso wie PapaDoc und Lempi. Wir haben Familien und sind alle sehr eng verbunden. Sowohl unternehmerisch als auch privat. Gehe ich länger als zwei Monate in Elternzeit, müssen zwangsläufig meine Aufgaben untereinander verteilt werden. Sollen Lempi und Doc jetzt ihre Kinder kaum noch sehen, weil ich mich verwirklichen will? Klar, wir könnten jemanden einstellen, aber das wäre aufgrund unserer Größe eher schwierig. Wir arbeiten nicht in festen Prozessen wie große Unternehmen. Wir sind eine kreative Agentur mit hoher Beratungskompetenz. Wenn wir Lempi ersetzen müssten, käme nur Bill Gates‘ klügerer Bruder in Frage.

Wir tragen in der Agentur Verantwortung sowohl für die eigenen Familien als auch für die berufliche, wenn man so sagen will. Unsere Arbeitszeiten sind schon so flexibel wie möglich gehalten. Wir arbeiten in einer durchlöcherten Vollzeit und genießen viele Freiheiten, die Arbeitnehmer in der Regel nicht haben. Dementsprechend tragen wir aber auch mehr Verantwortung.

So einfach ist es halt nicht mit der Elternzeit. Solange Eltern nicht 100% des Gehalts über 12 Monate bekommen, solange Kitas und Betreuung in Deutschland, insbesondere in Köln, so viel Geld kosten, sind die Hürden höher als sie sein müssten. Zumindest für meine Family. Das ist schade, weil Deutschland mehr kann als das. Geld ist da und jeder der etwas anderes behauptet, hat schlichtweg keine Ahnung. Wir Eltern erziehen die wichtigste und liebenswerteste Ressource des Landes. Das reicht natürlich nicht für Standing Ovations, ein paar Steine weniger auf diesem Weg, würden mir allerdings gut gefallen!

Ich hoffe, dass meine kleine Familie die Zeit mit mir genießen wird und wir näher zusammenrücken. Ich liebe meine Kleinen und werde jeden Moment genießen – und so gut wie es geht sparen. Kreativität kostet ja nichts. Ich lasse mir etwas einfallen. I’ll keep you posted!

Liebe Grüße, Babyvater Janni


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Babyvater

Babyvater

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

12 Antworten

  1. Peter sagt:

    Kann dich vollkommen verstehen. Habe mich aufgrund des Geldes gegen Elternzeit entschieden. Vielleicht ändert sich das noch, aber so ist aktuell der Plan. Mir würden für die zwei Monate 6622€ an Gehalt fehlen. Meckern auf hohem Niveau? Vielleicht.

  2. Ute Frischemeier sagt:

    Lieber Babyvater, nach meinem Kenntnisstand ist die Betreuung von Kindern in einer Kita in Berlin (fast) kostenfrei!

    Du entscheidest Dich für eine private Kita? Okay, aber das ist Deine Entscheidung, aus welchen Gründen auch immer Du Dich gegen das öffentlich/staatlich getragene System entschieden hast.

    Über zu hohe Kosten darfst Du Dich dann aber nicht beklagen.

    Beste Grüße

    • Babyvater Babyvater sagt:

      Halbprivat. Das ist ein Unterschied. Und von Entscheidung kann nicht gesprochen werden. Ich musste den Platz bekommen. Köln ist zwar Pleite wie Berlin, aber leider nicht so dreist Kitas umsonst anzubieten. Vg

  3. Rina sagt:

    Ich lebe in Frankreich. Hier gibt es kein Jahr Elterngeld und wenn Vaeter zuhause bleiben wollen z.B. nach der Geburt nehmen sie Urlaub. Und wenn die Kinder 4 Monzte sind, kommen sie zur Nounou und beide Eltern arbeiten Vollzeit. Deutschland hat vielleicht nicht der Weisheit letzten Schluss als System, aber ich haette gern immerhin das…
    Gruss
    Rina

    • Babyvater Babyvater sagt:

      Du bist zurecht unzufrieden. Beim Vergleich mit Frankreich sieht Deutschland ganz gut aus. Es reicht aber nicht aus. In Sachen Betreuung seid ihr aber ganz gut aufgestellt, oder?

      • Rina sagt:

        Ach. Ach. Frankreich als das hochgelobte Land auch bzgl. der Betreuung. Ja, Betreuung ist hier akzeptiert und ab 3 Jahren gibt es kostenfreie Ganztagesschulen, in denen auf 30 Kinder eine maitresse (die Lehrerin) und eine avs (Hilfe fuer Toilettengaenge etc) kommt. Eine Eingewoehnungsphase gibt es nicht , die Eltern geben morgens die Kinder an der Klassentuer ab. Und dann weinen die Kinder erstmal, manche wochenlang, manche nur die ersten Tage im September. Alle finden das normal…Ach ja.Frankreichn

  4. Rut sagt:

    Hier Fraktion zwei Monate mit dem Bulli durch Südeuropa 😉
    Ich sehe es nicht ein, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Wir haben gespart, uns verschuldet, hatten unsere Wohnung untervermietet, haben uns zu zweit rund um die Uhr um die Kinder gekümmert, denen wir ein tolles Natur- ubd Familienerlebnis bescherrt haben (mal raus aus der Großstadt) und wir hatten die schönste und intensivste Zeit zu viert, die wir niemals missen wollen. Ich bezweifele übrigens zumindest in unserem Fall, dass es ähnlich intensiv zuhause geworden wäre. Schließlich geht man dann doch auf die immer gleichen Spielplätze, räumt endlich mal den Keller auf, versucht sich gegenseitig möglichst viel Zeit alleine rauszuhauen und sitzt abends k.o. vor der Glotze… Klar muss man sich das auch leisten. Aber wie und wo man seine Elternzeit verbringt, darf, wie ich finde, jede*r selbst entscheiden.

    • Babyvater sagt:

      Das kann jeder machen, wie er will. Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ich ganz simpel Elternzeit nehme. Ohne Urlaub und Zusatzkosten. Von mir gibt es da keine Verurteilung. Lg

  1. 23. August 2017

    […] Elternzeit-Beginn – Was nichts kostet, ist auch nichts? (Ich Bin Dein Vater) http://ichbindeinvater.de/elternzeit-vater/  Ich soll weniger rumheulen, sagen die Jungs. Die Neokons sind der Meinung, dass genug getan werde […]

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