…und? Könnt Ihr denn schlafen?

Wie ich diese Frage inzwischen hasse. Ich verabscheue diesen augenzwinkernden Common-Sense im Sinne von ‚ja, es ist schon recht anstrengend mit einem Baby. Die schlafen ja nicht durch und man ist völlig neben der Kappe‘. Das ist genau so absurd wie das ständige „Stress haben“ das die geneigten Zeitgenossen so gerne überkommt. Alles ist Stress, alles macht Mühe, alles ist anstrengend und wenn eine Ampel ausfällt, ist gleich das Chaos ausgebrochen. Das ist typisch deutsch und ich fühle mich als Außenseiter.

Nein, du Depp, ich bin nicht neben der Kappe und der dicke Herr von Bödefeld schläft auch nicht „durch“! Was soll dass denn überhaupt heißen – durchschlafen? Als du den Führerschein gemacht hast, bis du doch auch nicht direkt durchgefahren bis Catania.“
Das würde ich gerne sagen. Tue es aber nie. Ich bin höflich und ich will mich ja auch bessern. Solche Gefühle darf man nur mal beim Fußball artikulieren – sonst aber nicht. Im Auto vielleicht, wenn man alleine ist und die Regeln gerade mal wieder für sich als Jeepfahrer ausgelegt hat.

Aber die Fakten sprechen für mich!
Wenn ich meinen Schlafrhythmus an den des Babys ankoppeln würde, dann fühlte ich mich zurückversetzt in die Studentenzeit. Da kommt man auf lockere 14 Stunden Schlaf. Und genauso wenig wie ich durchschlafe, nickt auch das dicke Baby nicht durch. Sein Magen ist klein und dieses milchige Gesuppe macht halt auch nicht so lange satt wie Humus. Darum wirft er alle drei bis vier Stunden seine Speckbeinchen bis hoch ans Filz-Mobile und grummelt irgendein unverständliches Zeug, dass man mit etwas Übung auch aus dem Tiefschaf heraus als Hunger interpretieren kann.

Elefant

Bei uns läuft das so, dass dann entweder meine Frau oder Herr von Bödefelds Mama nach oben stiefelt um ein Fläschchen vorzubereiten. Je nach Arbeitssituation und Terminlage setzten wir uns abwechselnd mit dem Baby an die Bar und arbeiten seine Bestellung ab.  Die Nacht hat dann eine Kinderlieder- oder Hörbuch- oder Wasser- oder Kaffeepause. Da kann man sich nebenbei etwas sortieren, die letzten Threema-Incomes abarbeiten, einen überflüssigen Tweet absetzen oder aus dem Fenster schauen und checken, ob die Erde sich noch dreht. Nach ca. 30 Minuten Aufsein im Schein des blauen Elefanten schlafen wir alle weiter und zwar in folgender Reihenfolge: Baby-Mama, Baby …. und dann kommt lange nichts.

Klar, das ist manchmal etwas ermüdend, anstrengend und kräftezehrend. Mich nervt aber dieser Reflex, die Geburt eines Babys automatisch mit einer wie auch immer gearteten „Schlafproblematik“ in Zusammenhang zu bringen. Mich nervt das – IHR PENNER 😉

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Der Autor Thomas "PapaDoc" Guntermann ist gleichzeitig der Namensgeber unserer Kommunikationsagentur, in der wir eigentlich alle zusammenarbeiten. Er gehört zum Gründungsteam dieses Blogs, ist Stammautor und lebt mit seiner Frau und Sohn im beschaulichen Kölner Vorort Hürth (Buuuh).

8 Antworten

  1. Manuell Hoffmann sagt:

    Die posts sind echt super.ich kann es echt nachvollziehen.aber mal eine frage das in ein Buch verpacken währen super.also ich würde es sofort kaufen

  2. Oliver sagt:

    „Seit ich Vater bin, brauche ich aber auch gefühlt nicht mehr so viel Schlaf. “ … das redet sich aber jemand schön 🙂 Im Ernst, geht ja alles vorbei und gehört zum Eltern sein einfach dazu.

  3. Donngal sagt:

    Ich kann das auch betätigen, ich bin jetzt immer todmüde und kann super einschlafen. Vor allem am Wochenende, wenn ich nicht arbeiten bin. Das liegt wohl daran das man viel weniger tagsüber nichtstuend rumsitzt als in der Zeit bevor ein Kind da war.

    Unser schläft auch noch nicht durch – und zum Entsetzen vieler, auch mit 1,5 Jahren immer noch bei uns im Bett. Jedenfalls ab dem ersten wach werden, was zufällig gewählt zwischen 20 und 2 Uhr ist.

    • PapaDoc sagt:

      Donngal, das entsetzt mich nicht, null. Ich finde es richtig, im eigenen Bett Asyl zu gewähren. Man muss helfen, wo die Not akut am größten ist. 😉

  4. PapaDoc sagt:

    Uli, (leider) keinen 3er. Das Ding ist: Das ist eine Person und ich bleibe liegen. Trinkst du jetzt Bier vor dem einschlafen oder warum klappt so gut plötzlich?

    • Uli sagt:

      Nein, am Ende eines Tages bin ich meistens einfach „durch“. Dazu kommt, dass man auch am Wochenende früh raus muss, früher habe ich da gerne mal bis Mittags in den Federn gelegen.

  5. Uli sagt:

    „Bei uns läuft das so, dass dann entweder meine Frau oder Herr von Bödefelds Mama nach oben stiefelt“
    Habt ihr eine Dreierbeziehung, wenn es eine Frau und eine Mama gibt?

    Bei uns hat es zum Glück mit dem Stillen geklappt, die Vorstellung mehrmals nachts in die Küche zu stiefeln, Wasser warm zu machen, Fläschen rühen etc. fand ich schon etwas abschreckend. Klar man gewöhnt sich dran, aber wir haben uns lieber den „Stress“ mit dem Stillen gegeben.

    Seit ich Vater bin, brauche ich aber auch gefühlt nicht mehr so viel Schlaf. Dafür schlafe ich seit über einem Jahr wie ein Stein und das Problem nicht einschlafen zu können kenne ich auch nur aus Erzählungen.

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