Schluss mit der Jammerei!

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Bild: Daniel Wehner; Lizenz: CC BY 2.0

Immer wieder, wenn ich gefragt werde, wie es so läuft „mit Kind“,  ertappe ich mich selbst bei selten dämlichen Antworten. „Alles gut, mal abgesehen vom Thema Durchschlafen“, sage ich dann. Oder: „Läuft schon, die Kleine war gerade nur mal wieder krank.“ In lichten Momenten – also zum Beispiel gerade jetzt – frage ich mich dann, warum ich mein Glück ständig relativiere und die anstrengenden Seiten des Elterndaseins fokussiere. Denn eins ist klar: Diese Jammerei ist ziemlicher Quatsch!

Ich erwische aber nicht nur mich selbst viel zu häufig beim Jammern über schlaflose Nächte oder knapper gewordene Haushaltskassen, sondern auch andere Eltern. Statt sich über die neue Lebenssituation mit Wunschkind (denn das sind ja die allermeisten) einfach nur zu freuen, lassen wir unsere Umwelt vor allem gerne wissen, wie anstrengend es doch ist, ein Kind zu haben und dass man sich das ja alles gar nicht vorstellen könne, wenn man nicht selbst eins habe. Aber warum?

Ich kann die Frage nicht eindeutig beantworten: Ich fürchte, im Dialog mit kinderlosen Freunden ist es mir manchmal nahezu peinlich, zuzugeben, dass alles super ist, denn ich will ja auch nicht als „Möchtegern-Übervater“ rüber kommen. Im Gespräch mit anderen Eltern hingegen, fühle ich mich manchmal schon fast verpflichtet, zu sagen, dass „das ja auch nicht nur alles eitel Sonnenschein ist“, weil die anderen auch bevorzugt von ihren Problemen berichten:[Tweet “ Das Perpetuum Mobile der Jammerei als Aufmerksamkeitsmaschine.“]

Dieses Phänomen beobachte ich aber nicht nur fürs Elterndasein. Manchmal habe ich den Eindruck, es gehört zum guten Ton, nur schlechte Töne von sich zu geben: Dann ist der Job zu anstrengend, die Wohnung zu klein und die da oben machen eh nichts für uns hier unten. Der allergrößte Teil der Lebensumstände ist super, den allergrößten Gesprächsanteil machen aber die paar Dinge aus, die vielleicht verbesserungswürdig sind.

Für mich ist jetzt Schluss mit der Jammerei: Denn wenn wir ständig rumweinen, wie vermeintlich anstrengend und schwierig alles ist, nerven wir nicht nur unsere Umwelt, sondern vermiesen uns obendrein auch noch selbst völlig grundlos die Laune. Ich mache da nicht mehr mit! Zumindest ab morgen, denn heute bin ich dafür echt zu fertig: schlaflose Nacht, mies gelauntes Kind, die Hölle auf Erden – ihr kennt das…

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Lempi

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Der Autor Thomas "Lempi" Lemken ist Papa von zwei Töchtern. Das bedeutet: Als einziger von uns lebt er mit gleich drei Frauen unter einem Dach. Neben seiner Funktion als Leithammel, ist er Gründungsmitglied, Stammautor und Lektor unseres Blogs.

9 Antworten

  1. JaKu sagt:

    Hey,
    cooler Blog!
    Ich hab mir das auch vorgenommen, wenigstens in der Öffentlichkeit weniger zu Jammern und einfach mal sagen, dass alles supi ist.. ist es ja auch! Und was ist mir dann passiert ?
    Kleiner Dialog:
    XY : Na, wie läufts bei Euch? Mit dem Kleinen?
    Ich: Alles Super.. (bla bla nur positiv)
    XY: Und die Nächte? Schläft er etwa schon durch?
    Ich: Neee, aber das wird
    XY: WIeviel Stunden beommst du Schlaf?
    Ich: So 2-3 stunden sind schon drin
    XY: Waaaaas? Du arme..

    Mehrfach so passiert.. Irgendwie wird Jammern auch ein bisschen erwartet, glaube ich. Ich habe viel häufiger das Gefühl, dass die wenigsten hören wollen, was alles gut läuft, was für tolle Sachen der Wurzelzwerg schon kann etc.
    Insgeheim wollen wir wahrscheinlich doch auch alle nur wissen, dass wir mit den Augenrändern, Stinkewindeln und Meckerorgien nicht allein sind, oder?
    Völlig legitim- meiner Meinung nach- weniger Jammern möcht ich trotzdem!

    Einen Sonnigen Tag wünsche ich
    JaKu

  2. Rike sagt:

    Hach, und heute wieder um fünf raus… (aber ENDLICH den Babynator wiedergesehen, nach unendlichen sechs Stunden!), früher bin ich da erst heim gekommen (und war total im Eimer). Und wie mir der Rücken wehtut vom Schleppen (tat er vorher auch, vom Sitzen am PC). Und wie mir meine Kollegen fehlen! Äh…das ist gelogen 😉

  3. Judith sagt:

    1. Ich gebe dir voll recht. *michmalandernasenehm*
    2. Ich finde, manchmal darf man motzen. Denn nur weil ein Kind DAS Wunschkind ist, heißt es nicht, dass man neben happy nicht auch mal öfter übermüdet oder völlig fertig sein darf und das dann auch uncool und wenig erfreulich findet…
    3. Aber prinzipiell: Du hast recht … Es wird viel zu viel gemotzt …
    lG aus Wien!
    Judith

    • Lempi Lempi sagt:

      Danke! 🙂 Und natürlich darf man auch mal motzen. Ich würde sogar sagen, man *muss* manchmal motzen. Der Text ist eher eine Art ständiger Reminder (nicht zuletzt für mich selbst), es damit nicht zu übertreiben.

  4. Ich glaube jammern ist der Ausdruck mangelnder Anerkennung für das eigene Tun. Chef sieht nicht was ich alles so tue? Man habe ich´s schwer … und so ein Stress …

    Was Eltern so tun sieht ja eh niemand, von daher wird da gerne gejammert. Habe ich schon erwähnt was ich für einen STRESS habe und das Nummer 4 nicht durchschläft? 😀

    • Lempi Lempi sagt:

      Da ist sicherlich viel dran; die Typen, die im Job durch maximale Jammerei auf sich aufmerksam machen wollen, finde ich übrigens genauso anstrengend wie weinerliche Eltern. 😉
      Stressfreie Grüße und süße Träume an Nummer 4!

  1. 24. Juni 2014

    […] Alltagsprobleme werden, wenn man einmal zu Besuch auf der Kinderonkologie-Station war. Auch Lempi hat vor kurzem beschrieben, wie er sich immer wieder dabei ertappt, bei relativ harmlosen Problemen rumzumeckern. Er […]

  2. 25. Juli 2014

    […] ja nicht durch und man ist völlig neben der Kappe‘. Das ist genau so absurd wie das ständige „Stress haben“ das die geneigten Zeitgenossen so gerne überkommt. Alles ist Stress, alles macht Mühe, alles […]

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