Apple & Facebook: Ice Ice Baby

Eine Wahnsinnsmeldung, die heute über den Ticker gegangen ist. Endlich ist es so weit! Kinderwunsch hin oder her: Frauen und Paare müssen auf nichts verzichten. Apple und Facebook haben die Lösung gefunden, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen: Die Rede ist von Social Freezing. Moderne Reproduktionstechnik macht es möglich. [Social Freezing bezeichnet das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund. (Wikipedia)]

Lediglich etwa 30 Prozent der Arbeitnehmer im Silicon Valley sind weiblich. Um das zu ändern, muss einiges passieren. Nur was? Statt struktureller Reformen im operativen Arbeitsprozess, kommen die innovativen „Game Changer“-Unternehmen auf eiskalte Ideen. Das Prinzip ist simpel: Um die Jobs in IT-Unternehmen attraktiver für Frauen zu machen, bezahlen die beiden US-Firmen dafür, dass die Familienplanung auf Eis gelegt wird. Frauen brauchen aufgrund des eigenen Kinderwunsches also nicht auf ihre Karriere zu verzichten. Planbar subventionierter Kinderzuwachs als Alleinstellungsmerkmal. Social Freezing als Schlüssel zur freien Selbstbestimmung. Bekomme dein Kind, wann Du willst! Was für eine grandiose Idee. Tod dem Verzicht! Es lebe die Gleichberechtigung! Wo in diesen Überlegungen der Mann vorkommt? Was fragt Ihr mich??

Aber ernsthaft: Das Thema ist zu vielschichtig als das es durch den Kakao gezogen werden könnte. Die Methode kann ein Segen sein für jede Frau, die – aus welchen Gründen auch immer – ihre Familienplanung aufschieben will oder muss. Viele seriöse Kliniken machen tagtäglich einen super Job. Ich glaube, dass fast jeder hier Freunde hat, die entsprechende Erfahrungen haben oder sogar selber welche gesammelt hat, um das zu beurteilen.

Das Social Egg Freezing erweitert – aus der Sicht dieser Frauen – den eigenen Handlungsspielraum. Eins steht dennoch fest: tiefgefrorene Zellen können und werden garantiert nicht zementierte Geschlechterrollen ins Wanken bringen oder für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen sorgen. Dass der Arbeitgeber und Kollegen jedoch mit diesem Vorstoß Druck ausüben können, dürfte klar sein. Wird eine Frau früher schwanger, ist sie ja selber Schuld, dass Sie keine Karriere mehr machen kann. Im Endeffekt tappen auch die innovativsten Unternehmen in die „Alles ist möglich-Lüge“ rein. Ich finde es erschreckend, dass auch für diese globalen Megabrands Familienplanung eine reine Frauenangelegenheit ist.

Hier sind meine Lieblingsaussagen im Zuge der heutigen Berichterstattung:

Schluss mit dem Märchen, dass wir Frauen nicht alles haben können! Der Chef bezahlt das Einfrieren der Eizellen und alle gewinnen. Eizelle einfrieren, um die Karriere anzuheizen. […]

Wer Karriere machen will wie ein Mann, muss einfach sein wie ein Mann – ohne Babybauch, Babypause, Babybetreuung. Es ist der nächste, der logische Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung der Frau. Das Leben kann so planbar sein. […]

Die Erlaubnis zur Schwangerschaft wird dann zur wertvollsten aller Beförderungen […] Quelle ZEIT Online 


 

Befürchtungen, dass eine weite Verbreitung von Social Egg Freezing den Druck auf Frauen erhöhen könnte, ihre Familienplanung ihrer Karriere und gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen, gibt es jedoch schon länger. Quelle: SZ Online


 

In New York sind „egg-freezing parties“ nach dem Vorbild von Tupperpartys angesagt, bei denen sich Frauen bei einem Glas Sekt über die Vor- und Nachteile der Behandlung informieren können. Quelle: WELT Online


 

Ich meine: Man sollte nicht die Frauen zwingen, ihren Kinderwunsch den herrschenden Karrierebedingungen anzupassen, sondern genau andersherum muss es gehen. Die Firmen müssen mehr dafür tun, dass beides möglich ist. Und ich sehe eine Gefahr: Wer bei Apple und Facebook in Zukunft Karriere machen möchte und über mangelnde Vereinbarkeit klagt, kann gesagt kriegen: „Selbst schuld. Du hättest ja auch warten können mit den Kleinen.“Quelle: Silke Baumgarten für Brigitte Online


 

Das Einfrieren der Eizellen nimmt den Frauen ein Stück weit den Zeitdruck, etwa um den passenden Partner zur Gründung einer Familie zu finden. Und es erleichtert ihnen somit auch, sich auf ihre Karriere zu konzentrieren, ohne sich ständig Gedanken übers Kinderkriegen zu machen.Quelle: FAZ.NET


 

Facebook und Apple wollen mit ihrem Vorschlag attraktiver werden für junge Frauen. In Wirklichkeit senden sie das Signal: Wir wollen dich nicht mit Kindern. Quelle: Spiegel Online


 

Sehe ich das zu negativ? Ist euch das Anliegen von Facebook und Co. sympathisch? Wir sind gespannt auf Eure Meinung!

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Babyvater

Babyvater

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater einer Tochter. Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

5 Antworten

  1. Bine sagt:

    Wow, frei nach dem Motto:
    Erst die Rente, dann das Kind
    ??
    Mich macht das traurig 🙁

  2. Sonja sagt:

    Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich das zum kotzen finde! Entschuldigung für die Ausdrucksweise. Anstatt Familien zu unterstützen, werden Frauen weiter unter Druck gesetzt. Ganz schlimm ist auch der Kommentar der FAZ. Aber das war ja nicht anders zu erwarten.
    Sollen die Weibchen doch nicht immer nur ans Kinderkriegen denken, sondern erst mal männlich (im Sinne von krass, ordentlich) Arbeit abliefern. Statt Oma werden wir dann in der Rente Eltern… als läge in der Fruchtbarkeit in einem bestimmten Alter nicht auch iwo ein Sinn?!
    Ich bin 31, meine Tochter fünf Monate. Wir schlafen keine Nacht länger als 2 Std am Stk und so manches Mal denke ich, dass mein Körper das mit 20 ganz vielleicht doch besser weggesteckt hätte. .. aber was reg ich mich auf? Ich reg mich nicht mehr auf… ICH REG MICH NICHT MEHR AUUUUUF….. Ommmmm!!!

  3. Matze sagt:

    Schöne neue Welt…

    PS.: Der Chef bezahlt das Einfrieren der Eizellen und alle gewinnen. – Natürlich bezahlt die Frau das nicht selbst, da wäre ja noch schöner ^^

  4. Rike sagt:

    Ihr teilt meine Meinung, ich Euern Beitrag!

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