Mein Kind, die Effizienzmaschine

Smartphone

Das mobile Büro. Foto: Microsoft

Kürzlich hat Microsoft zusammen mit den Kollegen von Daddylicious einige Journalisten, Vaterblogger und Gründer nach Hamburg eingeladen, um über das Thema „Familization of IT“ zu diskutieren. Es sollte darum gehen, wie modernes Arbeiten funktioniert und welche Freiräume – oder Zwänge – einem berufstätigen Vater digitale Werkzeuge wie Smartphone, Cloud Computing & Co. eröffnen. Zu diesem Thema hat Peter Fischer von Microsoft nun auch eine Blogparade gestartet, zu der uns Sven von Dads finest netterweise nominiert hat.

Meine kompakte Meinung zum Thema: Technische Innovationen sorgen dann für Freiräume und Flexibilität, wenn sie diszipliniert genutzt werden: Nutze ich die Freiheit, die ein Smartphone bietet, um im Zweifel auch mal eine Stunde früher aus dem Büro abzuhauen oder checke ich auch auf dem Spielplatz alle 5 Minuten meine Mails? Es kommt vor allem auf den Einzelnen und das soziale Miteinander zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an – weniger auf bestimmte technische Möglichkeiten.

Letztlich ist es ein frommer Wunsch, dass es für die „Familization“ eine technische Lösung gibt. Vielleicht ist das typisch deutsch: Wir suchen immer nach technischen Lösungen. Modernes Arbeiten ist in meinen Augen aber in erster Linie eine emotive Angelegenheit, eine Sache des guten Willens. Ich gebe zu, dass man das schlecht in Anwendungen überführen kann, aber genau darum geht es.

Unser PapaDoc ist gerade in der Eingewöhnungsphase – er muss sich dran gewöhnen, dass sein Kleiner ab sofort den ersten Teil des Tages bei einer Tagesmutter verbringt. Dass er während dieser Wochen bei der Tagesmama auf die Cloud zurückgreifen kann und abrufbereit vom Küchentisch aus den Vormittag arbeitet, ist schön, aber keineswegs die „Lösung“. Die Lösung ist, dass hier ein paar Kollegen und Freunde sitzen, die das selbstverständlich mittragen und diese Freiräume selbstverständlich auch für sich in Anspruch nehmen. Es gilt, die Zwänge und Bedürfnisse, die wir haben, gemeinsam mit gutem Willen zu lösen – dafür braucht es im Zweifel nicht einmal ein Smartphone.

Über unproduktive Eltern
Peter hat aber noch eine weitere wichtige Frage aufgemacht: „Wie wandelt sich die persönliche Definition von Produktivität wenn plötzlich die Verantwortungsbereiche um einen herum sich ändern? Wie lässt der Familienalltag Männer plötzlich viel kreativer und reflektierter mit Produktivität umgehen?“

Wir vier von „Ich bin dein Vater“ arbeiten in einer Branche, in der es chic nicht unüblich ist, abends bis in die Puppen im Büro zu hocken und äußerst wichtige Dinge zu tun. Jahrelang musste meine liebe Frau sich anhören, dass es heute etwas später wird“, weil dieser Text oder jene Mail unaufschiebbar seien. Erst seit ich Vater bin, schaffe ich es erstaunlicherweise fast immer, pünktlich das Büro zu verlassen. Sind Eltern also fauler als Kinderlose? Ich glaube, das Gegenteil trifft zu: Subjektiv habe ich das Gefühl, in kürzerer Zeit als zuvor ein vergleichbares Gesamtpensum wegzuschaffen. Mein Kind hat mich dazu gebracht, effizienter und disziplinierter zu arbeiten.

Eine Studie der Uni Konstanz legt jedoch nahe, dass mich mein subjektives Gefühl täuscht: Sie deutet nämlich darauf hin, dass die Produktivität von Eltern in den ersten Jahren nach der Geburt leidet. Sie kommt aber auch zu dem Schluss, dass die meisten Eltern anschließend wieder aufholen. Im Langzeitvergleich inklusive kinderloser Zeit waren die Eltern sogar produktiver als ihre kinderlosen Kollegen. Und selbst wenn Elternsein mit einem kleinen Produktivitätsverlust einhergeht, gilt auf jeden Fall folgender Satz aus Malte Weldings neuem Buch „Seid fruchtbar und beschwert euch!“: „Um eine Familie zu haben, braucht man Zeit, also geht nicht 100 Prozent Job. Da haben die Arbeitgeber Recht, die Mütter nicht einstellen, weil die nicht mehr 100 Prozent geben würden. Aber diese Arbeitgeber sind Arschlöcher.“

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Lempi

Lempi

Der Autor Thomas "Lempi" Lemken ist Papa von zwei Töchtern. Das bedeutet: Als einziger von uns lebt er mit gleich drei Frauen unter einem Dach. Neben seiner Funktion als Leithammel, ist er Gründungsmitglied, Stammautor und Lektor unseres Blogs.

4 Antworten

  1. Das funktioniert mit Microsoft

  2. Julia Guntermann via Facebook sagt:
  1. 23. März 2015

    […] Ich bin dein Vater: Mein Kind die Effizienzmaschine […]

  2. 26. März 2015

    […] ichbindeinvater.de/mein-kind-die-effizienzmaschine […]

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