Familienauto-Test: Porsche Panamera vs. Skoda Fabia Combi

Vor ein paar Wochen trudelte eine Einladung in unser E-Mail-Fach, deren Absender einen schon kurz zucken lässt: Porsche lud unter dem Hashtag #workdrivebalance zum Blogger-Event rund um den neuen Panamera in sein Leipziger Werk. Man muss schon sagen: Die Jungs haben ein super Timing, denn in der Tat schaue ich mich gerade nach einem neuen Familienfahrzeug um. Ich bin es gewohnt, an einem Samstagvormittag in einem viel zu warmen Autohaus zwei Stunden in Winterjacke rumzustehen, bis sich einer der beiden Verkäufer erbarmt, mit mir zu sprechen. Daher dachte ich mir: „Hey, einen ganzen Tag Intensiv-Betreuung? Dann schaust du dir die Karre doch mal an und testest, ob der über 400 PS starke Familienbomber gegen deinen aktuellen Boliden anstinken kann.“

Die Kandidaten

porsche_skoda_kandidaten

Schon vorab muss ich sagen: Der Porsche Panamera hatte es in diesem Vergleich nicht leicht. Denn er trat an gegen einen Teil von mir: Mit meinem aktuellen Fahrzeug verbinden mich viele gemeinsame Urlaube, zahlreiche Werkstattaufenthalte, 150.000 Kilometer Laufleistung und knapp zehn Jahre geteilte Lebenszeit. Es treten gegeneinander an:

Skoda Fabia Combi Style Edition:

  • Modelljahr 2006
  • 1,4 Liter 16V
  • Leistung: 100 PS
  • Ausstattungspaket Comfort
  • Ausstattungspaket Sport
  • Parksensoren hinten
  • Listenneupreis: ca. 17.000,- Euro

Porsche Panamera 4S

  • Modelljahr 2016
  • 2,9 Liter
  • Leistung: 440 PS
  • Ausstattungspakete: alle
  • Listenneupreis: > 113.000,- Euro

 

Kategorie 1: Verarbeitung

samthandschuhe_porsche

Das Schöne an der Veranstaltung in Leipzig war: Wir durften den Panamera nicht nur Probe fahren, sondern uns vorher auch noch seine Fertigung ansehen: Das hat Eindruck gemacht! Wer (wie ich) mit Autos Dreck, Öl und schummriges Werkstattlicht verbindet, macht in einer modernen Produktionsstraße erst einmal große Augen. In einer tageshell erleuchteten Halle, die sauberer wirkt als unser Kinderzimmer, fügen Roboter- und Menschenarme die unterschiedlichsten Bauteile auf magische Art und Weise zu einem Automobil zusammen. Was mich am meisten beeindruckt hat: Bei der Endkontrolle der Karosserieverarbeitung kommen keine High-Tech-Maschinen zum Einsatz, sondern sensible Männer fühlen mit Samthandschuhe jede noch so kleine Unebenheit, die dann manuell nachgearbeitet wird. Da ich beim Skoda schon froh bin, wenn alle Türen richtig zu gehen und kein Pfützenwasser von unten in den Innenraum plätschert, war für mich spätestens an dieser Station klar, wer diese Kategorie gewinnt.
Porsche – Skoda: 1:0

 

Kategorie 2: Design

porsche_skoda_design

So ein Familienbomber soll ja nicht nur funktional sein, sondern auch was fürs Auge. Die erste Ausgabe des Panamera hat von wahren Kennern (die – falls sie sich irgendwie hierher verirrt haben – schon vor drei Absätzen gemerkt haben, dass ich von Autos keinen großen Plan habe) für sein Äußeres ordentlich auf die Mütze bekommen. Beim aktuellen Exemplar haben die Zuffenhausener daher ordentlich nachgebessert. Die Pressemitteilung beschreibt das neue Design auf zwei Seiten, die ich mal wie folgt zusammenfasse: Der Panamera sieht jetzt noch mehr aus wie ein echter Sportwagen von Porsche. Und ja, ich muss zugeben, das Ding sieht richtig gut aus.

Trotzdem bleibt der Panamera in dieser Kategorie chancenlos: Zu viel Liebe und Aufwand ist dafür in den letzten zehn Jahren in das customized Design meines Skoda Fabia Combi geflossen. Für die individuellen Konturen am hinteren Stoßfänger rechts habe ich nicht nur eine Tiefgaragenwand gekonnt touchiert, sondern meine liebe Frau nur ein Jahr später mit der gleichen Stelle einen stählernen Begrenzungspfosten. Nur so konnte die individuelle Struktur aus der Spachtelmasse herausgearbeitet werden, die nach dem ersten Design-Approach zum Einsatz kam. Vollendet wird das Custom Design durch eine aerodynamische Einbuchtung an der hinteren Stoßstange – ebenfalls an einem Begrenzungspfahl ausgeführt. Für das gleichzeitig eingearbeitete Spinnennetzdesign der darüber gelegenen Heckleuchte habe ich leider keine TÜV-Abnahme bekommen.

porsche_skoda_innen

Im Innenraum setzen sich die Kräfteverhältnisse fort: Der Porsche Panamera punktet im Advanced Cockpit mit berührungssensitiven Flächen, hochauflösenden Riesen-Displays und einem Touchscreen, stinkt aber gegen die individuell komponierte Lichtorgel diverser Fehlersignale in leuchtendem Orange in meinem Skoda Fabia Combi ab. Individualität schlägt Perfektion, daher:
Porsche – Skoda: 1:1

 

Kategorie 3: Platzangebot

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Das Panamera-Platzangebot für Fahrer und Beifahrer ist bombe! Man sitzt tief, gemütlich und kann den Sitz in gefühlt 911 Positionen bringen. Zielgruppe der Veranstaltung waren aber Blogger der Kategorie „Familie“ denn laut Porsche-Eigenbeschreibung bietet das Fahrzeug „viel Platz und Komfort für vier Personen, mit 500 Litern Fassungsvermögen dazu einen geräumigen Kofferraum. Perfekt für eine Familie, richtig?“ – Hm, leider nicht ganz: Vier Plätze mögen gemessen an einem Sportwagen eine ganze Menge sein, für eine Familienkutsche reicht es aber trotzdem nicht. Selbst im Konkurrenten rege ich mich ständig darüber auf, dass keine drei Kindersitze nebeneinander auf die Rückbank passen – zum Beispiel immer dann, wenn neben den eigenen zwei Kindern auch noch eine Freundin mitgenommen werden soll. Für den Kategoriensieg reicht daher auch leider nicht das größere Kofferraumvolumen des Porsche (knapp 500 Liter) im Vergleich zum Skoda Fabia Combi (426 Liter).
Porsche – Skoda: 1:2

 

Kategorie 4: Fahrerlebnis und -komfort

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Schluss mit der grauen Theorie, ab auf die Piste! Im Anschluss an die Werksbesichtigung durften wir die Kisten selbst auf der hauseigenen Teststrecke bewegen. Zumindest als Fahrer hatte ich vorher noch nie in einem auch nur annähernd so leistungsstarken Fahrzeug gesessen, daher ist es sonnenklar, dass mich Beschleunigung, Fahrverhalten und Komfort einfach nur geflasht haben. Vollendet wurde dieses Rennerlebnis bei der abschließenden Taxitour mit einem professionellen Fahrer. Wahnsinn, was diese Typen aus einem Auto rausholen. Ob so ein Fahrzeugkonzept in Tesla-Zeiten noch zeitgemäß ist, muss jeder selbst entscheiden (den Panamera gibt es übrigens auch als E-Hybrid) und ausfahren lässt sich der Porsche im normalen Straßenverkehr wohl auch eher nicht, aber über den Kategoriensieg müssen wir hier trotzdem nicht diskutieren.
Porsche – Skoda: 2:2

 

Fazit:

Wer hätte das gedacht? Der Porsche Panamera kann meinem Skoda tatsächlich etwas Paroli bieten und rettet sich immerhin auf ein Unentschieden. Angesichts des sehr knappen Ergebnisses habe ich lange mit meiner Frau diskutiert, aber ich kann an dieser Stelle feierlich verkünden: Ja, liebe Porsche-Menschen, ich würde meinen heiß geliebten Fabia gegen einen Panamera tauschen! Haben wir einen Deal?

So oder so: Vielen Dank für einen gelungenes „Familienblogger-Sippentreffen“ mit den lieben Kollegen von Berlin Freckles, Butterflyfish, Daddylicious, Gabriel Rath, Mama Mia, Men’s Health Dad, Mummy-Mag, Newdadsontheblog, Papa Hartmann, YPS, und Zwillingswelten.

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Bildquelle: Porsche AG

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Lempi

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Der Autor Thomas "Lempi" Lemken ist Papa von zwei Töchtern. Das bedeutet: Als einziger von uns lebt er mit gleich drei Frauen unter einem Dach. Neben seiner Funktion als Leithammel, ist er Gründungsmitglied, Stammautor und Lektor unseres Blogs.

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  1. 29. November 2016

    […] anderen Elternbloggern und Journalisten von Zwillingswelten, Men’s Health Dad,  Mama Mia, Ich bin Dein Vater, Mummy-Mag, NewDadsontheBlog, Butterflyfish, YPS, Daddylicious, Gabriel Rath und echt! […]

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