Erfahrungsbericht: innogy SmartHome im Familien-Test

Vor gut einem halben Jahr ist unsere kleine Sippe den Weg aller großstädtischen Jungfamilien angetreten: raus in den Speckgürtel. Hier reichte das ohnehin strapazierte Budget immerhin für ein Reihenhäuschen von der Stange mit drei Quadratmetern Grünfläche, aber dann war auch Feierabend. Unser Bemusterungstermin lief auf jeden Fall genauso zügig wie monoton ab: Auf die 437 Fragen der gelangweilten Innenarchitektin ob möglicher Sonderausstattungen des Neubaus folgte unsererseits die immer gleiche Antwort: „Leider nein, leider gar nicht – einmal Ideal-Standard, bitte!“ . Vom Traum eines modern vernetzten Zuhauses habe ich mich dementsprechend genauso fix verabschiedet wie von einem zusätzlichen Duschbad oder einer Fußbodenheizung.

Dass nun trotzdem ein smarter Wind durch die heiligen Hallen des Casa Lempi weht, habe ich den netten Kollegen von innogy zu verdanken: Mit unserer Agentur haben wir den spannenden Job bekommen, einigen Bloggern die SmartHome-Lösung des Essener Unternehmens näher zu bringen und damit wir auch wissen, wovon wir reden, ist ein Selbsttest natürlich un-er-läss-lich! Ganz selbstlos habe ich mich daher in die Bresche geworfen und in den vergangen Wochen fleißig Heizungsthermostate, Rauchmelder und Türsensoren in unserer bescheidenen Bude installiert. Das Ergebnis: Insbesondere für Familien hält ein smartes Zuhause eine ganze Reihe von Anwendungsszenarien parat, die nicht nur Kohle sparen, sondern auch noch praktisch sind. Nur ein paar Beispiele: intelligente Heizungssteuerung im Kinderzimmer, Alarmanlage gegen einbrechende Einbrecher oder ausbrechende Kinder und die Simulation von Anwesenheit, wenn die ganze Familie unterwegs ist.

 

Die Installation: kein Bohren, kein Schrauben, kein Desaster

Als ich mit dem riesigen Karton voller SmartHome-Utensilien stolz wie Bolle das Eigenheim betrat, bekam meine Frau erst einmal eine mittelschwere Vollkrise. Die Panik in ihren Augen wurde nicht gerade kleiner, als ich ihr feierlich verkündete, dass ich noch in der gleichen Woche fünf unserer konventionellen Heizungsthermostate eigenhändig durch modernste Raketentechnologie ersetzen würde und sie künftig Licht und Heizung via App regeln würde. Ihr gesundes Misstrauen in meine handwerklichen Fähigkeiten kann ich ihr dank zahlreicher Heimwerkermisserfolge kaum krumm nehmen, aber in diesem Fall sollte sie nicht Recht behalten. Dass ich alle innogy SmartHome-Geräte ohne Schwierigkeiten und bauliche Schäden installiert bekommen habe, hängt hauptsächlich damit zusammen, dass sich das System vor allem für Nachrüster wie mich eignet: SmartHome-Systeme, die schon beim Bau eines Hauses mit eingeplant werden, arbeiten häufig mit Unterputzleitungen und in den Wänden montierten Schaltern. Die innogy-Lösung lässt sich dagegen ohne größeren Aufwand und Dreck auch nachträglich installieren – und das geht so.

Die Installation der Zentrale erfolgt via App-Anleitung auf dem Smartphone

Die Installation der Zentrale erfolgt via App-Anleitung auf dem Smartphone

Gehorsam wie ich bin, stöpselte ich die Zentrale ans Internet und in die Steckdose und schon nahm die Magie ihren Lauf.  Das Gerät zog sich automatisch alle Updates, während ich in der Zeit die Smartphone-App installierte. Noch schnell ein Benutzerkonto angelegt und die Zentrale via Seriennummer registriert und schon war das System einsatzbereit. Einziger Downer am ganzen Prozedere: Soll die Zentrale mit dem innogy-Rechenzentrum verbunden sein, muss sie via LAN-Kabel am Netz hängen. Das ist für den laufenden Betrieb zwar nicht zwingend notwendig, aber beispielsweise immer dann, wenn Einstellungen verändert werden sollen.

 

Tag 2: intelligente Heizungssteuerung

Befeuert vom ersten Erfolg habe ich mich am nächsten Tag direkt an den Job gemacht, vor dem ich am meisten Muffensausen hatte: die Installation der Heizungsthermostate. Meine liebe Ehefrau sah vor ihrem inneren Auge schon unsere gesamte Hütte überflutet von Heizungswasser, aber bevor ich das erste Thermostat demontiert habe, hatte ich mir mehrfach glaubhaft versichern lassen, dass da so schnell nichts passieren könne. Bewaffnet mit einer Rohrzange, den intelligenten Heizungsthermostaten und reichlich Batterien (liegen bei) bin ich dann von Heizungskörper zu Heizungskörper gelaufen. In nicht mal einer Stunde hatte ich fünf Mal das folgende Prozedere erledigt:

  • Heizkörperthermostat komplett nach links drehen
  • altes Heizkörperthermostat demontieren
  • neues Heizkörperthermostat montieren
  • das neue Thermostat startet von alleine mit der Selbstjustierung
  • sobald diese abgeschlossen ist, lässt sich das neue Gerät via App dem System hinzufügen
  • praktisch: Standort und Thermostat können frei benannt werden, so dass man den Überblick behält
Bilder, die meiner Frau Angst machen.

Bilder, die meiner Frau Angst machen.

Vorteile der intelligenten Heizungssteuerung: Die Heizung lässt sich von überall aus individuell pro Raum oder Heizkörper einstellen. So lässt sich beispielsweise schon auf dem Heimweg vom Babyschwimmen das Kinderzimmer samt Wickelplatz besonders warm regeln. Noch viel wichtiger sind jedoch die individuellen Zeitpläne, mit denen sich beispielsweise die Heizung runter fahren lässt, wenn eh alle in der Kita und bei der Arbeit sind oder in ihren Zimmern schlafen. Das ist nicht nur ganz praktisch, sondern spart auch noch Energie und Geld – und davon kann man selbst auf dem Todesstern nie genug haben. Wie gut diese Zeitpläne in der Praxis funktionieren, konnte ich mangels Kälteeinbruch noch nicht ausprobieren, aber: Winter is coming und dann gibt es hier ein Update!

Ebenfalls gemessen wird übrigens die Luftfeuchtigkeit – gerade in nahezu perfekt isolierten KfW-Energieeffizienz-Hütten wie der unsrigen ist das ein Traum! Stichwort: Schimmel!

Das gilt bei uns als ehefrauenkompatible Raumtemperatur.

Das gilt bei uns als ehefrauenkompatible Raumtemperatur.

 

 

Tag 3: smarte Rauchmelder

Am Rauchmelder-Tag brauchte ich dann doch mal eine Bohrmaschine, allerdings nur, um pro Rauchmelder einen Dübel in die Decke zu wimsen. Hier hätte ich eine Alternative mit Klebepads schön gefunden, aber auch so hält sich die Bohrerei in Grenzen: Je Deckenhalter braucht es nur ein Loch mit einem 5er-Bohrer. Anschließend wird der Rauchmelder einfach auf den Deckenhalter geschraubt und per Knopfdruck in den Suchmodus versetzt. Die Einbindung ins eigene SmartHome funktioniert dann wie bei den Thermostaten wieder per App. Diese Einbindung hat übrigens bei allen von mir installierten Geräten im ersten Anlauf geklappt – gute Quote!

Bevor ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, konnte ich mir gar nicht so recht vorstellen, was an Rauchmeldern denn „intelligent“ sein soll. Dabei liegen die Vorteile eigentlich recht schnell auf der Hand:

  • Sollte es wirklich einmal brennen, schlagen nicht nur alle miteinander vernetzten Rauchmelder zuhause Alarm, sondern ich erhalte außerdem eine Benachrichtigung auf dem Handy.
  • In Kombination mit einem Tür- oder Fenstersensor oder einem Bewegungsmelder können die Rauchmelder auch als Alarmgeber genutzt werden – dazu unten mehr.

 

Übrigens: Bei uns in NRW sind Rauchmelder mittlerweile Pflicht!

Übrigens: Bei uns in NRW sind Rauchmelder mittlerweile Pflicht!

 

 

Tag 4: Zwischenstecker und Tür-Sensor

Am schnellsten von allen Geräten war der Zwischenstecker installiert: Diesen steckt man einfach in eine Steckdose und bindet ihn anschließend ebenfalls via App ein. Ab sofort lässt sich die Steckdose via Smartphone an- und ausschalten – entweder direkt oder ebenfalls mit festen Zeitplänen. Ich steuere eine Stehlampe mit dem Zwischenstecker und kann so beispielsweise über das angeschaltete Licht von unterwegs oder zu festen Zeiten simulieren, dass jemand bei uns zuhause ist.

Alle Einzelteile des Tür/Fenster-Sensors

Alle Einzelteile des Tür/Fenster-Sensors

Aber sogar für Einbrecher, die das nicht abschreckt, habe ich noch ein neues Gadget in petto: Türen und Fenster lassen sich nämlich mit einem Sensor versehen, der registriert, ob sie geöffnet oder geschlossen sind. Der zweiteilige Sensor wird einfach an den Rahmen und das bewegliche Element geklebt. Strom bezieht er über zwei Batterien. Aus dem Gerät lässt sich eine feine Alarmanlage basteln: Stelle ich beispielsweise in der App ein, dass ich nicht zuhause bin und wird trotzdem eine Tür geöffnet, geht ein Alarm los: Der Rauchmelder fängt an, rumzulärmen und ich erhalte eine automatische Nachricht auf mein Smartphone. Diese Kombi taugt natürlich nicht nur gegen einbrechende Einbrecher, sondern auch für ausbrechende Kinder, die entgegen aller Absprachen Bett und Haus verlassen, während Mama und Papa beim Nachbarn zum gepflegten Terrassenbier sitzen.

 

Tag 5: Szenarien

Apropos Szenarien: Die innogy-App bietet die Möglichkeit, unzählige davon zu erstellen und so verschiedene Abläufe zu automatisieren. Das können ganz einfache Geschichten wie die Zeitschaltung einer Lampe sein, mittelschwere Vorgänge wie die oben skizzierte Alarmanlage aus Türsensor, Rauchmelder und Smartphone, aber auch hochkomplexe Abläufe mit zig Geräten – es lassen sich beispielsweise auch Amazons Alexa-Sprachsteuerung, Netatmo Wetterstationen und Philips Hue Beleuchtungselemente ins System integrieren. Wie das funktioniert, schaut ihr euch am besten im Video an:

Bei den Szenarien kratze ich noch ziemlich an der Oberfläche. Die Alarmanlage habe ich erst im zweiten Versuch zum Laufen gebracht, weil ich den Prozess an einer Stelle nicht ganz selbsterklärend fand. Die Lösung habe ich dann ziemlich schnell in der innogy SmartHome Community gefunden: In dem Forum tummeln sich nicht nur einige innogy-Experten, sondern zig engagierte User, die sich gegenseitig helfen, neue Anwendungsszenarien entwickeln und so gemeinsam daran arbeiten, das System kontinuierlich weiterzuentwickeln.

 

Fazit

Last but not least noch ein Wort zum Preis: Die innogy SmartHome-Lösung bewegt sich im mittleren Segment. Einsteiger sollten immer mal wieder einen Blick in den herstellereigenen Shop werfen, denn dort gibt es regelmäßig gute Angebote für praktische Einsteiger-Sets. Ein Beispiel: Das SmartHome Paket Energie, bestehend aus Zentrale, Heizkörperthermostat, Tür-/Fenstersensor, Zwischenstecker und Wandsender, kostet aktuell 209,- Euro.

Puh, da bin ich ganz schön lang geworden, was? Und das, obwohl ich viele Aspekte und weitere Endgeräte der SmartHome-Lösung von innogy noch gar nicht thematisiert habe. Daran merkt man schon: Das Thema ist nicht ganz trivial und wer eine intelligente Haussteuerung möchte, kommt nicht umhin, sich ein bisschen damit zu beschäftigen.

Festzuhalten bleibt: Ich habe es ohne dicke Handbücher, ausführliche Anleitungen und jegliche Handwerker-Skills geschafft, alle Produkte im ersten Anlauf problemlos anzubringen und in Betrieb zu nehmen. Weiteres Plus: Das Hardware-Portfolio hält gleich einen ganzen Reigen von Szenarien bereit, die für Familien interessant sind. Die Steuerung funktioniert bislang einwandfrei und dementsprechend gibt es von mir eine klare Empfehlung an alle SmartHome-Interessierten, sich die innogy-Lösung einmal näher anzusehen.

Spätestens, wenn ich mich noch tiefer in das Szenarien-Thema reingefuchst habe, gibt es noch mal ein Update. Heute kommt aber definitiv nichts mehr – also: Abschalten! Ihr wollt doch schließlich auch Energie sparen, oder?!

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Lempi

Lempi

Der Autor Thomas "Lempi" Lemken ist Papa von zwei Töchtern. Das bedeutet: Als einziger von uns lebt er mit gleich drei Frauen unter einem Dach. Neben seiner Funktion als Leithammel, ist er Gründungsmitglied, Stammautor und Lektor unseres Blogs.

8 Antworten

  1. matthew jordan sagt:

    Wie wäre es wenn man auch erwähnt das die App super langsam ist und alles andere als Smart?
    Und außerdem wichtig zu wissen, die Thermostate sind sehr wackelig und der Plastik-Anschluss alles andere als stabil.

    • Lempi Lempi sagt:

      Hi Matthew,
      ich weiß, dass es auch Kritik an der innogy-Lösung gibt, aber ich hatte bislang exakt einen App-Absturz und die Thermostate sitzen bei mir auch einwandfrei. Das einzige Thema, was bei mir nicht von Anfang an funktionierte (was ich aber mit Hilfe der Community in den Griff bekommen habe), waren die Push-Nachrichten.
      Beste Grüße
      Lempi

      • matthew jordan sagt:

        Hi Lempi,

        aber du kannst mir nicht sagen das die App bei dir schnell lädt? Die braucht ewig bevor man überhaupt in der Lage ist etwas zu steuern.
        In den ersten Monaten fand ich die Thermostate auch noch toll, das wird sich noch ändern, spätestens wenn sie öfters nicht das machen was man will oder wenn man mal dagegen gekommen ist und sie schief hängen.
        Ehrlich gesagt kann ich auch nicht verstehen wer die super Idee hatte den Anschluss aus Plastik zu machen.

        VG Matthew

        • Lempi Lempi sagt:

          Ich habe gerade mal handgestoppt 🙂 Wenn die App nicht im Hintergrund läuft, brauche ich 12 Sekunden, bis ich einsatzbereit bin. Findest du das langsam? Mir fehlt offen gesagt der direkte Vergleich zu einer anderen Lösung.

          Die Thermostate behalte ich im Blick – wie auch die gesamte Performance im Winter.
          VG
          Lempi

          • matthew jordan sagt:

            12 Sekunden ist viel zu lange und dabei ist das noch ein guter Wert, ich habe auch schon mehrfach die zeit gestoppt und hatte auch schon Zeiten von bis zu 1 Minute.
            In 12 Sekunden, kann ich 3mal zur Heizung laufen und sie per Hand steuern.

            Mal so als Vergleich:
            Phillips Hue: ca 1.5 Sekunden
            xiaomi smart home: unter 1 Sekunden, fast nicht messbar
            tado Smarte Thermostat: auch unter 1 Sekunde, minimal langsamer als xiaomi

            Alle Apps liefen nicht im Hintergrund.

            Also die innogy App ist ca 1200% langsamer als vergleichbare Apps und wie ich finde einer der größen Kritikpunkte an dem gesamten SmartHome.

            Ich kann nur jeden davon abraten, es gibt wesentlich bessere Systeme.

  2. 8BitPapa sagt:

    Sehr interessant, danke! Auch für den Hinweis auf den Preis und wie überraschend einfach es wohl ist, die Thermostate zu wechseln, ohne Überschwemmung 😉

  3. Martin sagt:

    Toller unterhaltsamer Artikel. Mit SmartHome brauch ich glaub ich daheim nicht ankommen. Immerhin haben wir schon zeitlich programmierte Thermostate.

  1. 18. September 2018

    […] wir nicht alle Heizungsthermostate für den kommenden Winter aufrüsten, den Erfahrungsbericht zum Smart Home Energiepaket von innogy  von meinem Bloggerkollegen Thomas von „Ich bin dein Vater… finde ich auch sehr […]

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