Ich komme gerade vom Zahnarzt mit meinem Kind…

… und es war nicht gut!

Lasst mich kurz ausholen und drei Schritte zurück gehen.

Meine Tochter und Ärzte, das passt einfach nicht. Hat es noch nie! Bei der U3-Untersuchung meinte die routinierte Kinderärztin, dass sie so eine Panik noch nie erlebt habe. Sie hatte sich nicht einmal die Mühe gegeben, uns noch jungen Eltern zu sagen, dass so etwas normal sei. Bei der U4 hatten wir dann auch eine neue Ärztin. Die Kollegin. Aus diesem Grund habe ich immer sehr viel Respekt vor dem ersten Zahnarztbesuch gehabt. Wenn sie nicht mal den Mund zur Halsuntersuchung aufmacht, was passiert dann erst mit einem Bohrer in der Hand? Wie sich heute heraus stellen sollte, war meine Befürchtung gerechtfertigt.

Wer unseren Podcast hört, weiß es schon längst: Vor drei Wochen bekamen wir die Diagnose des Untergangs. Meine Tochter, knapp sechs Jahre alt, machte ihren Mund auf und die Zahnärztin wurde bei der routinemäßigen Kontrolle leider fündig. Nicht einen, nicht zwei, nicht drei, genau vier Karies-Zähne hat sie ermittelt. An alle Kopfschüttler da draußen: Ja, wir haben die Zähne seit dem ersten Aufblinzeln täglich mindestens zweimal geputzt.

Wir haben eine langjährige Freundin, die jetzt Zahnärztin ist. Sie arbeitet in Bergheim, also ging meine Frau vor zwei Wochen hin und siehe da, es hat super funktioniert. Meine Tochter machte den Mund auf. Bohren, füllen, fertig. Als mich meine Frau anrief, war ich begeistert und stolz.

Letzte Woche war der zweite Termin und meine Frau übernahm erneut diesen Job. Leider bockte die Kleine. Zugegebeneru: Mit 13 Uhr war es auch eine dumme Zeit. Sie war müde und wir konnten sie gut verstehen. Aber heute um 10 Uhr sollte es also passieren. Dieses Mal ging ich mit, weil meine Tochter es so wollte. Sie war gut drauf, wir machten unsere Späße, kamen in der Arztpraxis an. Auch da machte sie einen relaxten Eindruck. Sie setzte sich auf den Zahnarztstuhl, unsere Freundin kam rein und dann war alles vorbei.

Behutsames Einreden, sensible Tonlage – nichts. Spiele, Anreize, Liebe – nichts. Der Mund blieb zu. Es war frustrierend. Ich bat die Ärztin kurz raus zu gehen, um mit meiner Tochter zu sprechen. Das tat ich auch. Ruhig, gelassen, mutmachend – ohne Erfolg. Der Mund blieb zu.

Ich sehe es als persönliche Niederlage an, dass meine Tochter es nicht gepackt hat. Das Schlimme daran ist, dass sie bereits bewiesen hatte, wie gut sie das macht. Vielleicht übertreibe ich es gerade auch ein bisschen, aber so kurz nach der „Behandlung“ sitzt der Frust ein bisschen tief. Könnt ihr das nachvollziehen?

Die 30-minütige Rückfahrt machte mir klar, dass sie auch sehr enttäuscht darüber war, dass sie es nicht durchgezogen hat. Sie sagte kein Wort und schaute stoisch aus dem Fenster. Sie tat mir leid. Dennoch: Manchmal denke ich wirklich, dass alle diese kinderlosen Nörgler recht haben, wenn sie sagen, dass wir unsere Kinder zu Mimosen, zu echten Weicheiern erziehen. Dann fällt mir aber wieder ein, wie ich als Kind den Zahnarzt hasste.

Es gibt Optionen: Lachgas oder Narkose. Pros und Contras kenne ich jetzt nicht. Zu frisch die Resignation. Ich werde mich erkundigen. Was ich aber schon gemacht habe: einen weiteren Termin bei einem anderen Zahnarzt hier in Köln. Vielleicht wird sie bei einer fremden Person die Autorität anerkennen. In 20 Tagen sind wir in Griechenland. Das letzte was ich will ist zum Zahnarzt in Griechenland zu laufen. Holy Shit! Gegen Ärzte, die kein Deutsch können, hat bestimmt noch mehr Antisympathie!

Es grüßt euch ein geknickter Babyvater

Babyvater

Babyvater

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

5 Antworten

  1. Oh Weia so früh Karies ist ja echt Mist. Unsere Tochter zickt zu Hause beim Zähne putzen nur rum und ist beim Zahnarzt das liebste Kind. Und erzählt mir auf dem Rückweg, dass es beim Zahnarzt sooooo schön ist und sie wieder hin will. Komisch machmal 😉 …lach

  2. Helga sagt:

    Ich glaube das liegt nicht daran wie die Kinder heute erzogen wurden. Ich bin in den 60ern geboren und meine Mama erzählt gerne die Geschichte als ich Zahnschmerzen hatte und sie mir mit zum Zahnarzt ging. Ich war wohl auch so 5-6 Jahre alt. Wir mussten sehr lange im Wartezimmer warten (was natürlich nicht gepasst hat weil meine Mama schrecklich viel Arbeit hatte) und als wir dran gekommen sind und ich auf dem Stuhl saß, habe ich den Mund nicht aufgemacht. Ich war aber dann wohl willig und habe erzählt wieso nicht. Es war ein Zahnarztehepaar und scheinbar mochte ich den Mann nicht. Ich habe versprochen den Mund zu öffnen wenn die Frau Zahnarzt kommt. Die war aber beim Mittagessen kochen im ersten Stock. Es gab dann wohl vom Zahnarzt einige Versuche, nette Versuche, weniger nette Versuche, das ich doch bei ihm den Mund aufmache. Meine Mama sagt ich war stur, kann es mir zwar nicht vorstellen, aber wenn sie es sagt, und habe meinen Mund nicht geöffnet. Irgendwann hat er kleinbeigegeben und die Frau Zahnarzt kam und dann ging alles sehr schnell. Am Ende konnte ich mir aus dem Gummibärchenglas (ja sowas gab es früher beim Zahnarzt) noch was raus nehmen und die Welt war wieder in Ordnung. Wobei er sich wohl, laut Mama, noch darüber aufgeregt hat das ich mir mehr als zwei Gummibärchen genommen habe. Halte einem Kind ein volles Glas hin und sag nimm dir was, welches Kind nimmt dann zwei Gummibärchen ? 🙂

    Vielleicht kann sie euch auch erklären wieso sie den Mund nicht aufmacht, sie muss doch einen Grund haben. Kinder machen selten was ohne Grund, und wenn er noch so unwichtig erscheint. Viel Glück !

  3. Katrin sagt:

    Ich kann dir dazu nur raten, zu einem reinen Kinder-Zahnarzt zu gehen. Ich habe noch nicht 1x eine schlechte Erfahrung mit meinen beiden Kindern gemacht.
    Generell gilt, so oft und früh wie möglich zum Zahnarzt zu gehen, damit es Routine wird und man auch manchmal nur hingeht und gar nichts passiert (d.h. der Arztbesuch wird als etwas Positives abgespeichert im Kinderkopf).
    Bei unserem Kinderarzt legen sich die Kinder auf eine Liege, haben Kopfhörer auf und gucken sich einen Kinderfilm an (TV hängt an der Decke). Den Film suchen sie sich vorher aus und freuen sich schon jedesmal darauf. Nach der Untersuchung dürfen sich die Kinder etwas aus der Schatzkiste der Praxis nehmen, kleine Geschenke sind da drin.
    Und wenn wirklich mal Kariesbehandlung angesagt war, hat mein Kind einen Beruhigungssaft bekommen vorher. Nur wenn es etwas war, das länger dauerte. Das Kind ist noch total da, bekommt alles mit, ist aber eher schläfrig durch den Saft und spürt weniger. Mein Kind hat dadurch die Spritze in den Mund gar nicht gespürt, hat nicht mal gezuckt. Als die Spritze wirkte, ging die Behandlung los, Kind immer noch entspannt und abgelenkt durch den Film. Vollnarkose ist total übertrieben!
    Vielleicht findest du ja einen guten Kinder-Zahnarzt, ich drücke die Daumen!

  4. MartinTriker sagt:

    Jede Narkose ist ein Risiko. Sag ich als jemand, der schon eine Zahn-OP unter Vollnarkose mitgemacht hat. Mein persönlicher Schiss war größer.

    Aber beim Kind würde ich versuchen rauszukriegen, warum sie so Angst hat. Einfach mal fragen, möglichst ohne einen Grund schon mitzuliefern.

    Ich bin übrigens ganz froh dass es bei meinen Zweien bisher ganz gut läuft. Okay, war auch bisher nichts ausser Nachschauen und mal kurz mit der Sonde kratzen. Und ja, beim Kinderzahnarzt.

  1. 27. Juni 2017

    […] mit Kind: Babyvater erzählt, wie der Zahnbesuch mit seiner Tochter verlaufen ist. Er hat sogar darüber gebloggt. Mittlerweile war er auch bei einem anderen Arzt. Wie es da war und was für Kosten auf ihn zukommen […]

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