Vorzeichen

Vorzeichen

Ich glaube ja an Vorzeichen. Also Dinge oder Ereignisse, die im Nachhinein gedeutet, Geschehnisse auf das Vortrefflichste vorweg genommen oder kommentiert hätten – wenn man sie denn nur erkannt und richtig gedeutet hätte.

Vor etwa drei Jahren saß ich mit dem Lempi irgendwo im Kölner Stadion in der Sommersonne rum. Es war Saisonauftakt, unsere Frauen waren dabei, wir hatten alle einen im Tee und keine Kinder. Die Dinge schienen unter Kontrolle… aber das ist eine andere Geschichte. Etwa 30 Sekunden nach dem Anpfiff der Partie erhielt Youssuf Mohammad, ein damaliger Kölner Spieler, wegen einer Notbremse auf Höhe der Mittellinie die rote Karte. Ich schaute zum Lempi rüber und sagte: „Das wird keine gute Saison für deinen Club…“ Am Ende der Saison stand der Äffzeh auf einem Abstiegsplatz. Es war herrlich und ich hatte es von Anfang an gewusst.

Im Laufe der Zeit bin ich immer sensibler geworden für diese Zeichen und jüngst ereignete sich eine Geschichte (also die, die ich eigentlich erzählen wollte) deren Vorzeichen ich nicht wirklich einordnen kann. Und das treibt mich um.

Ich stand am Hohenzollernring in einem Flur und wartete auf den Aufzug, der mich zum Versicherungsmakler bringen sollte. Als der Aufzug endlich kam, war er bis zur Oberkante voll mit leeren (!) Flaschen. Also drehte ich mich um und nahm den beschwerlichen Weg über die goldene Treppe. Oben angekommen wurde ich in ein Besprechungszimmer gebeten, in dem sich eine Hantelbank befand. Ich deute das als graues Vorzeichen der finanziellen Anstrengungen, die mir bevorstehen sollten.

Man musssollkanndarf sich und seinen Nachwuchs versichern. Muss man?

Ich bekam zwei Anregungen mit auf den Nachhauseweg, die einer Risikolebensversicherung und die eines Vorsorgeprogramms für Kinder.

Braucht man das? Will man das? Muss man das? Ich habe seitdem wirklich schlaflose Nächte. Ich hasse Versicherungen, weil ich immer davon ausgehe, dass die ganze Etagen voller Anwälte damit beschäftigen, ihren Kunden nichts auszuzahlen und zwar unabhängig davon, was man jemals eingezahlt hat und warum. Da finden sich immer Klauseln im Kleingedruckten, die alles rechtfertigen, was der Versicherung nutzt und was den Kunden viel Geld kostet. Das ist zumindest mein Eindruck. Ich vertraue denen einfach nicht. Und ausgerechnet diese Leute sagen jetzt folgendes.

„Du hast ein Kind, du musst was tun!“

Muss man also jetzt eine Risikolebensversicherung abschließen, um die Einkommenssituation der Hinterbliebenen zu retten, falls es einen selbst vorzeitig reißt? Nichts anderes ist das. Eine Umfrage im Freundeskreis endete 50:50. Die Frage ist aber auch, ob man sich zwischen 60,- und 450,- Euro monatlich (bei 20 Jahren Laufzeit) leisten kann oder will.

Wusstet ihr, dass man einen Säugling bereits in eine Art Pflegeversicherung einbuchen kann und damit verbunden bereits seit Geburt an für die Rente vorsorgen kann? Wenn man sich mit den Tendenzen der gesetzlichen Rentenversicherung beschäftigt, erscheint ein lebenslanger Sparplan von sagen wir 67 langen Jahren ein gangbarer Weg zu sein. Wirklich?

Uhuhuuuu ich will das alles nicht entscheiden/bezahlen müssen. Es kommt eh alles anders und der Aufzug stand voller leerer Flaschen. Wenn ich nur wüsste, was mir das Schicksal damit sagen will…

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PapaDoc

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Der Autor Thomas "PapaDoc" Guntermann ist gleichzeitig der Namensgeber unserer Kommunikationsagentur, in der wir eigentlich alle zusammenarbeiten. Er gehört zum Gründungsteam dieses Blogs, ist Stammautor und lebt mit seiner Frau und Sohn im beschaulichen Kölner Vorort Hürth (Buuuh).

11 Antworten

  1. Stefan sagt:

    Schöne Zusammenfassung. Man ertappt sich ja immer wieder bei dem Gedanken, eine möglicherweise „wichtige“ Versicherung nicht zu haben – und wenig später dann beim Gefühl, überversichert zu sein.

    Fix nur ein Gedanke bzgl. Risikolebensversicherung: Die sollte man m.E. dann haben, wenn es größere Posten abzusichern gilt. Bei uns ist zwar meine Frau die Hauptverdienerin – ich habe aber trotzdem eine Risikolebensversicherung, weil wir eine Hausfinanzierung laufen haben. Sollte ich also mal hinter (oder gar vor) den Bus fallen, wäre gewissermaßen mein Teil der Finanzierung gesichert, während meine Frau alle anderen Ausgaben des Lebens sicher auch ohne mich bestreiten kann. Es geht also m.E. nicht ums „Einkommen“ der Hinterbliebenen, sondern um größere Lasten, die sonst plötzlich allein (nicht) zu schultern wären.

    Allerdings wundern mich „60 bis 450 Euro“ im MONAT??? Diese Versicherungen gibt es für mittlere Summen doch schon ab ~15 EUR/Monat. Ich zahle für eine RLV, die sogar einen geringen Anteil an Kapitalbildung hat (also später genau NICHTS abwerfen wird, aber darum ging es mir nicht) 25,25 EUR/Monat. Und daran wird sich wohl bis ~2034 auch nichts ändern…

    • Stefan sagt:

      … ach so: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung habe ich dagegen NICHT. Die wird zwar immer und immer wieder empfohlen – aber das sind m.E. jene Versicherungen, die sich am hartnäckigsten dagegen wehren, im Ernstfall etwas auszahlen zu müssen. Am Ende tritt sowieso genau jenes Szenario ein, das leider, leider nicht zum Versicherungsumfang zählt. Inhaltlich mal das Risiko bedeutsam sein, aber derlei Versicherungen halte ich für rausgeworfenes Geld (wenn man nicht parallel eine fähige Rechtsschutzversicherung bei einem anderen -!- Versicherer abschließt).

  2. Ulrike Behl sagt:

    „Es kommt eh alles anders und der Aufzug stand voller leerer Flaschen. Wenn ich nur wüsste, was mir das Schicksal damit sagen will…“

    Trink die Flasche, solange sie voll ist!

    Ulrike, geht jetzt Versicherungsverträge abheften…

  3. Ich verstehe dich so gut. Ich bekomme nur bei dem Anblick von Maklern, egal welche Branche, schon die Kriese. Mit ihren Firmenwagen, Krawatten und Lackschuhen strahlen sie einfach diese „ich will nur deine Kohle“ aus. Bei mir gibt es auch nur die Abschlüsse fürs Haus, die wirklich den Notfall absichern, aber mit mehr brauch mir keiner ankommen. Vielleicht war deine Vorahnung die Richtige, ich denke nämlich auch das vieles, was einfach passiert, seinen Sinn hat. Du erkennst es vielleicht nicht direkt aber irgendwann später.

    Alles Liebe
    Sina

  4. Dirk sagt:

    Hallo,
    mal keine Panik ! Grundsätzlich gilt: versichere grundsätzlich einmal alle Risiken, die so groß sind, dass Du sie selber nicht tragen kannst.

    D. h. wichtig sind Hausrat- und Gebäudeversicherung (letzter als Immonilieneigentümer, wichtig: mit Elementarschadensschutz) , private Familienhaftpflichtversicherung, Kfz-Haftpflicht und Kaskoversicherung, Lebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung (letztere muss man natürlich erst mal kriegen, Vorerkrankungen sind da hinderlich).

    Die Rechstschutzversicherung halte ich auch für erforderlich, aber da werden die Meinungen vielleicht schon auseinander gehen. Ich selber habe sie schon mehrfach gebraucht. Das moderne Leben ist komplex und da brauch man manchmal einen Profi, der einen in Rechtsfragen berät.

    Was keinen Sinn macht sind Versicherungen für Risiken, die man noch selber tragen kann. Beispiele: Brillen- und Handyversicherungen. Sowas halte ich für Geldschneiderei der Versicherungsunternehmen.

    Was in meinen Augen außerdem ganz besonders wenig Sinn macht, sind alle Versicherungen die eine Sparkomponente in sich tragen, also Kapitallebensversicherungen, Riesterverträge, usw. . Ineffizient, schlechte Rendite (Negativzinsen ! sinkende Garantiezins bei Lebensversicherungen )und zuviel Unflexibilität.

    Wenn Du für Dein Kind einfach auch was sparen willst – wunderbar, aber mach es auf keinen Fall im Rahmen von Versicherungen. Spar in einen Aktienfonds oder (mein besonderer Tipp) kauf jeden Monat ein paar Unzen Silber.

    Viele Grüße
    Dirk

    • PapaDoc PapaDoc sagt:

      Silber kaufen?
      Es gab mal Zeiten, als ich dachte Sanifair Bons seien eine harte Währung. Silber ist definitiv sicherer….

      • Dirk sagt:

        Ich empfehle ja auch Gold. Ist aber für das regelmäßige Sparen für Normalverdiener zu teuer. Eine Münze mit einer Unze Gold kostet z. Zeit etwa 1030 €.

  5. Vadder sagt:

    Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was ich alles für Versicherungen ausgebe. Risikolebensversicherung, private Zusatzkrankenversicherung, Hausratversicherung, Haftpflichtversicherung, Rechtsschutzversicherung, Haftpflichtversicherung fürs Auto… Ohgoddogott. Ich muss da Zwechoptmist sein, und hoffen, das gerade mein Versicherer mich nicht übers Ohr gehauen hat. Und eigentlich fehlt mir laut Versicherer noch eine Rentenversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung und und und.

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