Gastbeitrag: Angst vor der eigenen Courtage: Schatz, wir müssen umziehen!

Es gibt wohl kaum ein Smalltalk-Thema, das so viele Eltern anspricht wie die Wohnungssuche. Natürlich betrifft dies auch kinderlose Menschen, sich ankündigende oder vorhandene Bälger machen die Sache aber erst richtig brisant. PapaDoc sah sich vor einigen Monaten mit dieser Entscheidung konfrontiert – und entschied sich für den Wechsel in die offene Savanne. Klar, kann man machen. Wäre aber nix für mich, aus vielen Gründen. Stolz? Ein letztes Stückchen Rebellentum, tief vergraben unter den Verantwortlichkeiten eines laut Perso Erwachsenen? Der blanke Pragmatismus, lieber wenig Geld und dafür mehr Zeit zu haben dank kurzer Wege ins Büro und in die Fussballkneipe? Die Angst, einsam zu versauern? Von allem ein bisschen.

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Während die bisherige abgerockte Altbau-Bude mit all ihren Mängeln (immer gefühlte 10. Etage, Nachbarn sind allesamt Subwoofer-Enthusiasten, etc.) doch durch ihren Charme punkten konnte, macht sich nun blanke Panik breit. Statt ab und zu gemütlich Online-Immobilienportale auf Utopien hin zu durchforsten (bezahlbare Innenstadt-Wohnung mit Dachterrasse), muss nun eine *Lösung* her. Und zwar flott.

Mit PapaDoc habe ich jedoch eins gemein: Nicht nur, dass damit Stress und Beziehungsdramen vorprogrammiert sind. Nein, das komplette Anforderungsprofil hat sich verändert. Nicht mehr „zurück auf Los“, vielmehr befindet man sich mitten zwischen Parkstrasse und Schlossallee – und alle Würfel scheinen nur Einsen zu haben:

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  • Kinder brauchen Platz. Damit gestrichen: Hobbystudio/Ankleidezimmer o.ä.
  • Wie geht man mit mehreren Kindern um? Gemeinsames Zimmer bis nach der Grundschule? Und wenn ja, wie macht man den späteren Einzug kleinerer Geschwister schmackhaft? Als ob die Trotzphase nicht schon ausreichte…
  • Balkon oder Terrasse? Wünsch Dir was! Wenn, dann nur mit Aufzug oder im EG. Aber wer will schon ganz unten wohnen – quasi im Dunkeln?!
  • Und die Lage? Doch bloß nicht an einer großen lauten Straße – oder dem Bahndamm! Oder direkt über dem Party-Kiosk!
  • Kaufen wäre toll, ist aber absurd teuer. Und selbst wenn: Bei dem aktuellen Zinsniveau stehen den wenigen interessanten Angeboten Horden solventer Käufer gegenüber. Schwierig.
  • Und wer soll das bezahlen? Der bisherige Mietvertrag ließ viel Raum für andere Aktivitäten. Plötzlich sieht man sich mit derart großen Zahlen konfrontiert, dass man erst einmal einen Schritt zurücktreten muss, um die erste Ziffer zu erkennen. Die Einkommenssituation wird zudem nicht leichter, da hilft auch das Elterngeld nur bedingt bzw. befristet.

Es kommt wie es kommen muss: Die Todesfrage! In der Stadt bleiben unter o.g. Einschränkungen oder „raus aufs Land“? Was auch immer letzteres heißt: Neubaugebiet am Stadtrand? Oder ab in den Speckgürtel – wo im schlimmsten Fall die eigenen Eltern leben – und PapaDoc… was man sich nie zu tun geschworen hat, damals mit 18 in diesen Alkohol-geschwängerten Nächten. Wenn’s doch nur beim Alkohol geblieben wäre! Auf dem Land ist es zwar schön für die Kleinen, aber wenn die erstmal in der Pubertät selber feiern gehen, bleibt man am Ende dann wie die eigenen Eltern allein zurück bei Fuchs und Hase.

Schlussendlich muss man einfach der Panik trotzen und hartnäckig bleiben. Und Glück haben: Wir leben nun, nach 3 Jahren Suche, mit zwei Kindern in einer 2-Zimmer-EG-Wohnung in der Innenstadt. Ein Zimmer für uns und eins für die Kids. Was komisch klingt, war unser Glück: Alle anderen Suchenden haben vermutlich beim Lesen der Anzeige direkt weitergeblättert. Denn was da so nicht stand: Die Küche ist eine Wohnküche mit 50qm. Damit fühlt sich die Wohnung riesig an. Der nutzbare Innenhof tut sein übriges.

Wenn ich an all die Optionen denke, die wir schweren Herzens ausgeschlagen haben, weil doch irgendein Aspekt nicht passte. Und wie ich danach tagelang depressiv umherkroch, fürchtend den schlimmsten Fehler ever gemacht zu haben. Nun macht alles Sinn.

In unserem Fall fühlt es sich auch nicht so an, als ob wir wahnsinnig viel Platz verschenken würden, so wie Papadoc es beschreibt. Manchmal wundere ich mich vielmehr, in welchen Ecken ich Kinderkrempel wiederfinde. Kinder füllen jeden Raum, so wie eine gute Rockband. (Es gibt noch mehr Gemeinsamekeiten!) Und Teilen lernen, ob Spielzeug oder die Wohnung, ist für alle Familienmitglieder eine Herausforderung. In diesem Sinne: „My house is your house, and your house is mine.“

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2 Antworten

  1. Jakob sagt:

    Oh wie meine Frau und ich diese Überlegungen kennen! Freunde von uns kaufen jetzt ein Fertighaus. Wegen der Kinder! Wir bleiben in der Altbauwohnung. Auch wegen der Kinder.

    p.s.: wie macht man diese Filmschleifen? das ist kein GIF, oder?

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