Warum Neymar kein Vorbild für Kinder ist – und es auch nicht sein muss

Fußballstars sind für Jugendliche mehr Vorbild als die Eltern, das ist das Ergebnis einer Studie der EBS Universität in Wiesbaden. Eigentlich einleuchtend. Für wen sind denn die eigenen Eltern Vorbilder?? Ich kann mich noch gut an meine Protagonisten der Jugend erinnern: Michael Jordan, David Robinson, Pierre Littbarski, Thomas Häßler – das waren die Helden meiner Jugend! Heute verehre ich Roger Federer, Dirk Nowitzki und Gianluigi Buffon. Auch wegen des Auftretens außerhalb der Courts. Damals war es mit völlig egal, ob Littbarski einen IQ auf Geißbockhöhe hatte, ob Michael Jordan sein halbes Vermögen in Casinos und Wetten verprasst – ich sah lediglich den sportlichen Messias. Das war für mich relevant. Die Faszination der Bewegungsabläufe, die Athletik, die Dominanz auf dem Spielfeld. Das ist heute als Methusalem anders. Aktuelle Beispiele sind der Uruguayer Suarez und der Brasilianer Neymar da Silva Santos Júnior. Das unsportliche Verhalten, gepaart mit einer unglaublichen Spielveranlagung ist ein Gemisch, das nicht zur Vorbildfunktion taugt. Aber muss es das überhaupt?

Moralisch zweifelhaft – Die Nahtoderfahrungen eines Neymars

„Das ist ein schlechtes Beispiel für die ganze Welt und all die Kinder vor dem Fernseher. Es sollte nicht so viel Schauspielerei geben“, so sagte Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio nach dem WM-Spiel zwischen Mexiko und Brasilien.

Warum Osario das sagt: Neymar wird gegen Mexico massakriert:

Und hier seine Einlage gegen die Schweiz. Ich glaube, dass er noch rollt…

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Understanding Neymar: Man fragt sich, warum so ein Ausnahmespieler wie Neymar zu solchen Mitteln greift. Warum tut er uns und vor allem sich selber das an. Oliver Kahn vermutet, dass Neymar das braucht, um Topleistungen zu bringen. Dann könne man sich ja ein Kaffee holen solange er heult und danach einfach weiter schauen. Ich hätte auch gerne die Titanentschleunigung. Als aktiver Torwart wäre er ihm bestimmt an den Hals gesprungen oder hätte den Suarez gemacht, wer weiß. Im klimatisierten ZDF-Studio in Baden-Baden ist er aber ganz cool.

Sportler sind Vorbilder Widerwillens

Neymar ist tatsächlich mit Abstand der meistgefoulte Spieler dieses Turniers. Vielleicht will er darauf aufmerksam machen, vielleicht steht er so sehr unter Druck, dass er zu seltsamen Übersprunghandlungen neigt. Das zu erklären heißt nicht, es zu entschuldigen. Aber darf man Vorbild-Ansprüche von so einen Spieler einfordern? Fußballstars sind häufig selber Heranwachsende. Nicht selten ändern sich ihre Persönlichkeitsmuster im Laufe ihrer Karrieren. Nehmen wir mal Ronaldo: Dieser Kerl war noch zu Manchesterzeiten ein Schwalbenkönig. Eine Mimose, ein notorischer Schiedsrichterflüsterer mit Dackelblick. Heute fällt er immer noch gerne, ist aber ein ganz anderer Typ. Er hat seine Vorbildrolle angenommen und ist, abgesehen von seinem divenhaften Auftreten, ein echtes Vorbild für jeden Sportler. Er ist der erste im Training und der letzte der geht. Er fällt nicht durch Alkoholeskapaden auf – und das ist in Madrid ein Wunder. Er engagiert sich gesellschaftlich und ist einer der fittesten Spieler auf dem Platz. Er hat gezeigt, dass man aus dem Ghetto nach ganz oben kommen kann. Oder nehmen wir Sebastian Rudy, der nach einem Nasenbeinbruch noch weiterspielen wollte. Man kann nicht nach jedem Foul sterben.

„Darin liegt aus meiner Sicht ein ganz wichtiger gesellschaftlicher Wert von echten Stars: Sie machen deutlich, dass man durch eigene Leistung etwas erreichen kann“, sagt Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Immerhin werden 40 Prozent der jugendlichen Fans von ihrem Lieblingsspieler dazu angeregt, selber mehr Sport zu treiben. Das sieht man nicht zuletzt in Russland, wo das Weiterkommen der russischen Nationalmannschaft zu einem Boom bei den Jugendspieler führen wird. Mark my words.

Bei den meisten Sportlern spielt die Vorbildrolle aber keine Rolle. Die sind sehr fokussiert auf ihren Sport. Ich habe schon oft bemerkt, dass viele von ihnen erschrocken oder überrascht sind, wenn sie merken, welche Wirkung sie haben. Umso erfreulicher, wenn sie sich wie beispielsweise Federer oder Ronaldo ihrer Verantwortung bewusst werden und das Idealbild eines fairen Sportlers verkörpern wollen.

Lasst unsere Kids entscheiden

Eine typische Erwachsenenhaltung ist ja: Das ist ein fantastischer Fußballer, aber was soll diese ganze Show drumherum? Diese Differenzierung habe ich früher nie gemacht – vielleicht weil ich es sogar toll fand, wenn „His Airness“ seine Gegner disste. Heute macht Ronaldo seine Cowboy-Spielchen und Suarez seine Beisattacken a la Tyson. Aber müssen Sporthelden idealerweise über ihren Sport hinaus Vorbilder sein? Kinder suchen sich genau aus, was sie gut an ihrem Idol finden und was nicht. Sie haben ein gutes Gespür dafür und ich habe vollstes Vertrauen in das Urteilsvermögen meiner Kinder. Wir sollten daher die Integrität unserer Kinder nicht unterschätzen und Vorbilder vorschreiben. Erstens klappt es sowieso nicht und zweitens hat man weniger Gesprächsstoff, wenn Meinungen aufeinanderprallen.

Ich habe viel von meinen Idolen gelernt und viel trainiert. Also damals. Es hat nie zu etwas Größerem gereicht, aber das Nachahmen oder Modelllernen hat mir geholfen. Die Grundidee des Modelllernens bleibt aber auch uns Erwachsenen erhalten, weil es einfach schlau ist. Warum sollte man nicht denen nacheifern, die sich auskennen. Dann hängt es davon ab, ob man noch Ziele hat, ob man sich weiterentwickeln möchte. Das erfolgt aber rationaler und weniger emotional als bei unseren Kindern. Vorbilder gehen eben nie aus. Hier mein Aktuelles:


Weiterer Blogbeitrag zum Thema Fußball:

Familie statt Fußball in der Ferne – Kevin Kurányi im Interview

 


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Babyvater

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Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

2 Antworten

  1. jeff sagt:

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