Sind wir neidisch weil nur Mütter schwanger werden können?

Für unsere „Vater Unser…?“-Rubrik auf Familie.de haben wir die Frage beantwortet, ob wir neidisch auf unsere schwangere Frauen sind oder waren. Einfach war das nicht. Unsere Antwort ist zweideutig. Idiot Dad oder Serious Dad? Ernst können wir eigentlich gar nicht, aber manchmal geht es einfach nicht anders. 

Sind wir neidisch weil nur Mütter schwanger werden können?

Ja. Wobei neidisch das falsche Wort ist. Wir sind ehrfürchtig, weil das alles einzigartig und ganz und gar unglaublich ist. Und wir bewundern euch dafür, seit wir mit unserem Ohr auf eurem Bauch gelegen und den Herzschlag mit dem Finger nachgeklopft haben. Jeder, der eine Geburt als Beisteher miterleben durfte, weiß, dass Neid unangebracht ist.

Mein Freund Stefan zum Beispiel hat sich bei der Geburt seiner ersten Tochter intensiv mit der Technologie des Wehenschreibers auseinandergesetzt. Jede sich anbahnende Wehe konnte er präzise vorhersagen. Was er auch tat. Wir haben nicht weiter darüber gesprochen, aber zwischen den Zeilen habe ich herausgehört, dass es zwischen den angekündigten Wehen beinahe zu handfesteren Auseinandersetzungen gekommen wäre…

Von diesen kleinen pragmatischen Scharmützeln einmal abgesehen, ist das eine interessante und elementare Frage, die die Quintessenz unseres Lebens auf diesem Planeten für mich auf den Punkt bringt.

Leben schenken ist etwas Besonderes

Dass diese enorme Sache, Leben schenken zu können, etwas Besonderes ist, merkt man schon alleine daran, dass es in zahlreichen Kulturen, auch in Früh- und Urzeiten, Fruchtbarkeitsgöttinen gab. Jede von ihnen wurde entsprechend verehrt. Die projizierte Reputation ist weitaus höher als die praktizierte. Warum nur? Die Fähigkeit Leben schenken zu können, ist die größte Macht, die man haben kann. Männer wissen das. Ich denke genau hier liegt der eigentliche historische Grund für die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die wir hier so miterleben müssen. Zumindest, was die Rolle von Männern und Frauen angeht.

Ihr habt die Macht

Augenscheinlich ist, dass gerade Religionen dazu neigen, alles Weibliche kleiner und alles Männliche größer zu machen. Das liegt auch daran, dass uns Männern die elementarste Macht genommen ist. Die habt ihr. Und das darf nicht sein. Ich bin weder Theologe noch Historiker oder Kulturwissenschaftler und ich kann auch keine wissenschaftlichen Beiträge zum Thema zitieren. Nach meinem Empfinden ist es aber an der Zeit, die Dinge wieder gerader zu rücken. Aber was über tausende von Jahren manifestiert wurde, lässt sich leider nicht mal eben so abwählen wie Religion in der Gesamtschule.

Väter und Bindung

Ich habe nun auch verstanden, dass die Bindung einer Mutter zu ihren Kindern eine andere ist, als die von Vätern zu ihren Sprösslingen. Das liegt in der Natur der Sache und das ist auch gut so. Wer die Möglichkeit hat, neun Monate lang ein Kind mit sich herum zu tragen, es zu ernähren, es zu schützen, noch bevor es ausgecheckt ist, der hat etwas unglaublich Besonderes erlebt. Wir leben ja in Zeiten, in denen gerne und viel gleichgemacht werden soll. Ich bin – besonders in diesem Fall – dagegen. Es hat die Natur so eingerichtet und das gilt es zu akzeptieren. Die Aufgabe, die daraus entsteht, braucht Gleichheit, denn wir müssen alle dafür Sorge tragen, dass aus dieser wunderbaren natürlichen „Einrichtung“ kein gesellschaftlicher Nachteil wird. Dass das immer noch so ist, ist der eigentliche Skandal.

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Der Autor Thomas "PapaDoc" Guntermann ist gleichzeitig der Namensgeber unserer Kommunikationsagentur, in der wir eigentlich alle zusammenarbeiten. Er gehört zum Gründungsteam dieses Blogs, ist Stammautor und lebt mit seiner Frau und Sohn im beschaulichen Kölner Vorort Hürth (Buuuh).

2 Antworten

  1. Schokominza sagt:

    Als Frau, die schon zwei Kinder bekommen hat, finde ich diese Erfurcht faszinierend. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass wir idealisieren, was wir nicht selbst erleben können? Tatsächlich hätte ich lieber auf diese Erfahrung verzichtet, wobei nicht die Geburten bei mir das Problem waren, sondern eben diese Schwangerschaften. Mein Körper kam bis zum Schluss nicht mit den Hormonen klar und zu Spitzenzeiten übergab ich mich 3mal pro Stunde. So etwas will man nicht mehr erleben, wenn man es erleben musste 😉 Natürlich leidet nicht jede Frau an Hyperemesis gravidarum, wie der Fachausdruck lautet, aber gefühlt haben doch die meisten Frauen mit Schwangerschaftsproblemen zu kämpfen und das relativiert diese „Macht“ wieder.

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