Produktdesigner der Welt: Bessert euch!!!!

Es gibt sie noch, die guten Dinge – so wirbt ein Laden, in dem man Bleistiftanspitzer für über 128,- Euro kaufen kann. Und hier gegenüber im Apropos, da hängen manchmal Cargos für 800,- Euro im Schrank. Das ist ja alles gut und schön für den der es braucht. Die Frage, die sich mir stellt ist aber eher preisunabhängig und pragmatisch: Ist das Zeug auch gut? Kann das was? Wenn sich meine Papa-Pranken den Lebensutensilien des Herrn von Bödefeld widmen, dann bete (fluche) ich innerlich, die Produktdesigner dieser Welt hätten ihr Studium entweder früher geschmissen oder einfach mal zuende studiert. Es gibt zuviel Zeug, das nichts kann. Hier ein paar Beispiele.

Reißverschlüsse

Ich gebe zu, mit den Dingern stehe ich grundsätzlich auf Kriegsfuß. Entweder Sie verhaken sich im viel zu eng genähten Stoffrand oder ich bekomme sie erst gar nicht zu bzw. auf. Gerade morgens, wenn Herr von Bödefeld knatscht und quengelt und parallel zu Babykekskonsum und Schuhschrankausräumen angekleidet wird, dann sind Reißverschlüsse an Kinderkleidung ein Showstopper. Der Slot, in dem man einem Einjährigen den Reißverschluss einer Jacke schließen kann ist in etwas so eng wie das Fenster des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre, wenn man mit dem Space Shuttle von der ISS zurück zur Erde unterwegs ist. Das muss sitzen. Tut es aber nicht. Nie. Ich bin ja auch gewillt zu verstehen. Die Sachen sind klein, ja. Da darf kein Bleigewicht an Reisverschluss dranhängen, ja. Es muss passen, ja – aber welchen Einjährigen juckt das? Ich will Reißverschlüsse die man ohne mehrfach gebrochenen Zeigefinder greifen, einfädeln und zuziehen kann. Warum gibt es die nicht?

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Fläschchen

Die sind ein Problem an sich. Ehrlich, es gibt keine, die wirklich gut ist. Baut eine für 99 Euro, die fluppt und ich kaufe das Produkt. Gefühlte Wahrheit ist, dass Fläschchen entweder dicht sind. Oder sie sind reinigungsaufwändig. Oder sie funktionieren mit dem jeweiligen Protagonisten. Alles zusammen gibt es nicht.

Er trinkt aus der Undichten. Er trinkt aus der, die nur ganz frickelig zu reinigen ist oder er kann mit dem Saugertyp nichts anfangen und trinkt gar nicht. Ergo schleppen wir die Undichte mit uns rum und packen sie immer noch in einen Gefrierbeutel ein, damit die Wechselklamotten in der Wickeltasche nicht klamm werden. Noch Fragen? Wir sind sicher Einzelfälle und keiner weiß, wovon ich rede. Zur Verzweiflung bringt es mich trotzdem. Beides irgendwie.

Wickeltaschen!! Für Männer!!

Apropos Wickeltasche. Das ist ein reines Gender-Produkt. Wickeltaschen sind weiblich. Gibt es welche, die wir Typen rumtragen können ohne unsere Würde beim Blümchenmuster abzugeben? Nein. Fahren wir mit deklassierendem Fahrradkörbchen auf dem Gepäckträger durch die Landschaft? Sind wir Nur-Noch-Eltern-Eltern? Nein! Brauchen wir für unseren Vaterjob also vernünftige (Unisex)Wickeltaschen?

Hier schließt sich der Kreis.

Gläschen

Man kommt selbst bei sachkundiger Ernährung und besten Kochvorsätzen nicht immer an den Gläschen vorbei. Sie sind einfach zu convinient. Für unterwegs und Hungerattacken da draußen sind Gläschen die Döner-Bude der kleinen Menschen. Der kluge Döner-Verkäufer packt sein fettiges Produkt für „zum Mitnehmen mit alles und scharf“ dann in einer satten Lage Alufolie ein. Umweltmäßig daneben, aber verschlussfest. Das ist die Regel. Produktdesigner von Baby-Gläschen kennen diese Regel nicht. Man kann die Dinger nicht vernünftig wieder zudrehen. Und ich spüre den Gernot Hassknecht in mir aufsteigen und höre mich schreien: Hallo? Geht´s noch? Stattdessen wickele ich die Gläschen auch immer noch brav in diese Plastikbeutel ein, in denen man auf Flugreisen Alkohol in Parfumfläschchen mit an Bord nimmt. Normal ist das nicht.

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Windeln

Außerhalb von Rasierklingen wird um kein Produkt so viel Innovationsgeschiss gemacht wie um Windeln. Ganze Institute haben sich auf Watte-Inlays aufgebaut, um die optimierten Windeln für alle Größen, Lebenslagen, Einsatzwecke und Aktivitäten zu entwickeln. Sie sind tatsächlich unterschiedlich gut und jeder wird seine eigene Philosophie gepaart mit Erfahrungen verfolgen. Was sie eint: Wenn es wirklich drauf an kommt, halten sie nicht dicht. Die Folge ist, dass Mann den Einsatzbereich der Feuchttücher und Babywaschlappen bis unter die kleinen Achselhöhlen ausdehnen muss, eine komplette Neueinkleidung inklusive. Der bescheidene Konsument fragt sich dann: Warum? Wo haben all die Wissenschaftler in weißen Kitteln versagt, wo sie doch den ganzen lieben langen Tag nichts anderes tun als Flüssigkeiten auf Papiermischungen zu kippen, um das besten Produkt zu entwickeln?

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Baby-NSA

Mit W-Lan und Infrarot-Kamera oder nur auf Lärm reagierend. Diese Dinge bringen mich alle zur Weißglut. Neulich nachts. Wir schliefen. Der Dicke schlief nebenan, das Fenster stand auf Kipp, frische Luft, 20 Grad Zimmertemperatur. Nächte von Eltern in Mitteleuropa können perfekt sein. Wenn da nicht das Baby-NSA wäre. Einmal nicht in der Ladestation geparkt, fängt dieses jämmerlich konstruierte Stück Plastik um 04.19 Uhr plötzlich an zu fiepen, weil die beschissenen Akkus zur Neige gehen. In solchen Momenten würde ich eine Regierung wählen, die Produkt-Gestaltern die Pässe abnehmen würde, wenn deren Zeug nicht funktioniert. Es hilft ja nichts, mein Appell richtet sich darum an die Jugend.

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Also liebe Produkt-Design-Studenten, die ihr gerade für die nächste Prüfung lernt. Schmeißt die Sache, studiert etwas Anständiges oder bringt euer Studium endlich zu Ende, denn es gibt sicher noch viel mehr Zeug, dass nichts kann. Gibt es?

Es nervt!

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Der Autor Thomas "PapaDoc" Guntermann ist gleichzeitig der Namensgeber unserer Kommunikationsagentur, in der wir eigentlich alle zusammenarbeiten. Er gehört zum Gründungsteam dieses Blogs, ist Stammautor und lebt mit seiner Frau und Sohn im beschaulichen Kölner Vorort Hürth (Buuuh).

18 Antworten

  1. Stefan sagt:

    Hi,

    du hast schon Recht, ich denke mir das oft auch. Immerhin haben wir haben ne Wickeltasche von Skiphop gefunden. Einfaches, simples Design und gute Funktion. 🙂
    http://www.amazon.de/Skip-Hop-Deluxe-Wickeltasche-Black/dp/B000YDZEEA

    lg
    Stefan

  2. Olaf sagt:

    Ha!

    Drecks Babyphone! Ich könnte hier im Dreieck springen, wenn es sich meldet. Seitdem hängt es aber fast immer an der Strippe.

    Bodies (überhaupt Klamotten), deren Verschlüsse schräg über den Körper laufen und irgendwo aufhören … da werd ich aggressiv.

    Und Mützen. Braucht es jetzt zwar nicht, aber sie drehen sich Herrgott nochmal nicht mit dem Kopf mit.

    Ich muss mich hinlegen, bekomme schon wieder Hirnbluten.

    • PapaDoc sagt:

      🙂 jaaaa, das kenne ich #Babyphone

      Es gibt Bodies, da musst du ein Textilwirtschaft studiert haben, um die angemessen knöpfen zu können.

      Samstag im Babymarkt zu Frechen: Da verkaufen die für Kindsköpfe doch tatsächlich Caps, deren Weite man nicht verstellen kann…WTF?

  3. Kusine B. sagt:

    Was ich auch schwer verkraften kann, sind musizierende Kinderzahnbürsten ohne Musik-Aus-Knopf. Sie mögen uns den Einstieg in die Elektrozahnputzwelt sehr erleichtert haben und unsere Kinder stehen nach eigenen Angaben auch heute noch sehr auf das Gedüdel. Allerdings gibt es wenig schlimmeres als Zähneputzen am Abend, Elternteil platt vom Tag im Büro oder Zuhause, Zahnputzkandidat ebenfalls platt vom Tag und somit schlecht gelaunt, Zähneputzen soll ohne Verzögerungen stattfinden UND DANN DAS! Old McDonald hat ne Farm, hia-hia-hooooooooo!

    Weniger direkt mit Kindern zu tun, aber doch mit einschneidenden Auswirkungen auf diese, ist außerdem die absolut überflüssige Erfindung des selbsteinrollenden Staubsaugerkabels! Hier die Details (wenn Ihr nichts gegen einen Link habt… sonst bitte löschen!) https://vonkindernundkusinen.wordpress.com/2015/04/25/erfindungen-die-keiner-braucht-selbsteinrollendes-staubsaugerkabel/

    Ich finde Eure Texte klasse – und ja, ich bin eine lesende Muddi.

    Liebe Grüße! :o)

    • PapaDoc sagt:

      …. weil Lempis Tochter Nr.1 ihre Tutut Autogarage beflissentlich ignorierte , schenke er die dem Herrn von Bödefeld. Der LIEBT sie. Seither träume ich in der Sprache dieser Produktreihe. Das Gute ist, man kann Sie abstellen. Manchmal vergisst man das und wenn man daran vorbeiläuft, registrieren sie die Bewegung und singen zum Beispiel, dass sie ganz früh raus aufs Feld fahren oder ein verrückter Sportwagen sind. Mal ehrlich, das ist Brainwashing: So stelle ich mir die Propaganda in Nordkorea vor. Das mit den Zahnbürsten kannte ich noch nicht, werde die aber kaufen (müssen).Du hast mich überzeugt KusinchenB ;-). Es gibt wohl auch eine App zum Zähneputzen, die habe ich aber noch nicht installiert. Danke für den Link, schönes Ding, genau das meinte ich.

  4. Saskia sagt:

    Mein Mann forderte bei unserem vierten Kind eine Wickeltasche, die er auch selbst gerne benutzen würde.
    Ich stehe überhaupt nicht auf Blümchen, Tierchen, Schmetterlinge und Zackenlitze.
    Trotzdem war ihm das wichtig zu sagen.
    Wir haben einen Kinderwagen von Stokke in Brauntönen. Und dazu gibt es eine Wickeltasche, die man sowohl als Mann tragen kann ohne vor Schreck Koro zu bekommen.
    Der Kinderwagen hat keine Querstange zwischen den Rädern und so kann ein Kerl von 1,95 m mit seinen langen Stelzen gehen, ohne sich die schönen Lederschuhe nebst Zehen kaputt zu trampeln.
    Es gibt sogar Babytragen in maskulinen Farben. Okay, da ärgerte er sich über die Applikation mit der rosa Raupe. Da werde ich wohl bald man ein graues Sternchen drüber nähen …

    Bisher haben wir immer Produkte gefunden, die für uns beide gut benutzbar waren. Wickelbodies fanden wir gleich doof – was für ein Geknöpfe oder Geschnüre ist das denn? Und wozu ist das gut?

    Dämliche undichte (und zusammenschraubbare WTF) Fläschchen, aneinander fest Feuchttücher, die sich nicht von ihren Kollegen trennen wollen, so dass man gleich die ganze Box hochreißt und ähnliche Widrigkeiten des Babyalltags mach(t)en ihn und mich gleich kirre.

    Die Produktdesigner des Babies, das sein Essen um sich wirft und sich beim Wickeln immer dreht, dazu schreit und sich steif macht, die sollten sich allerdings etwas schämen!

    • PapaDoc sagt:

      ja genau 🙂 diese Babys funktionieren auch nicht immer richtig. Wer die produziert, sollte wirklich mal in sich gehen… Nichts als die Wahrheit steht hier. Auch in den Kommentaren.

  5. Annika sagt:

    Aus Fäschn-Perspektive: Die Reissverschlüsse sind immer das teuerste an dem ganzen Teil, daher der Mist. Zur Wickeltasche: Ich habe bereits vor JAHREN moniert, dass es von Louis Vuitton keine Wickeltasche gibt, aber eine Köter-Tragetasche 😉

  6. Uli sagt:

    Als Trinkbecher kann ich den hier empfehlen, der hält wirklich dicht und kann in die Spülmaschine:
    http://www.nuk.de/nuk-trinklernbecher.html

    Unser Babyphone hat leider die gleiche Angewohnheit und hält es keine 30 Minuten außerhalb der Ladestation aus ohne laut zu geben, warum ist mir bis heute ein Rätsel.

    Für Wickeltaschen würde ich DaWanda und Co. empfehlen, meine Frau hat irgendwann angefangen solche Sachen selbst zu nähen. Dann kann man sich aussuchen ob man Blumen oder Todessterne drauf haben will 😉

  7. Naddel sagt:

    Ich muss mich meinem Vorposter leider anschließen. Reißverschlüsse und Gläschen gehen zwar blöd zu, aber irgendwie bekommt man sie doch immer geschlossen. Mit den restlichen Produkten habe ich gar keine Probleme und das Taschenproblem ist auch ausgedacht. Vielleicht einfach mal im Internet schauen: https://www.google.de/search?q=wickeltasche+mann&biw=1528&bih=836&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0CCoQsARqFQoTCMWK8eGJhcYCFcSSLAodGDIAcQ

    • PapaDoc sagt:

      Naddel, was googelst du denn da? „Wickeltasche mann?“
      Das geht bei mir nicht.
      Herr Google fragt mich dann immer: „Meinten Sie Gin Tonic?“
      (Nur ein Spaß)

  8. marcvm sagt:

    Wickeltasche für den Mann? 5€ in einen Brotbeutel / Kampftasche der Armee deiner Wahl stecken. Im optimal Fall aus den 50er bis 80er, da waren die noch schick und mit Lederriemen wenn man Glück hat. Fast alle Modelle mit mehreren Innen und Außentaschen, Schlaufen und allem was man braucht. Oft besser ausgestattet als Wickeltaschen für Frauen 😉

    Und wer oliv nicht mag kann die schwarz färben…

    • PapaDoc sagt:

      Armee meiner Wahl?
      New Model Army – von denen gibts aber keine Wickeltaschen.
      Aber dein Prinzip gefällt mir dein Ansatz.
      Als wir Anfang des Jahres in Sri Lanka waren, da hatten das Julchen und ich unseren gesamten Plunder in einem Bundeswehr-Seesack für 15 Euro. Geniales Reisegepäck und den Transfer zur Wickeltasche hätte ich in der Tat leisten können…. Thxs

  9. Raphael sagt:

    Mmmh, schon klar: Mit Speck fängt man Mäuse, ein bisschen übertreiben und überziehen gehört zum Spiel.
    Bis auf die Gläschendeckel und Reißverschlüsse kann ich nämlich nichts davon nachvollziehen. Und mal ehrlich: Friemelige Reißverschlüsse sind immer noch besser als 6 friemelige Knöpfe. Bisher habe ich in allen Kategorien absolut überzeugende Produkte gefunden. Und mal ehrlich: Was unterscheidet denn eine „Wickeltasche“ von einer anderen ( schicken, praktischen und männlichen Herren-)Tasche? In meiner Welt nichts.
    Euer Blog ist übrigens – davon mal ab – absolut großartig.

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