Meine Lieblings-Kinderbücher für Sechsjährige

Mir wurden in frühester Kindheit selten Kinderbücher vorgelesen. So, jetzt ist es raus! Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Eigentlich ganz schade. Es musste erst meine Tochter geboren werden, um mit klassischer deutscher Kinderliteratur in Berührung zu kommen. Mir wurden Geschichten aus dem Gedächtnis erzählt, die sich eng an der griechischen Mythologie und Geschichte orientierten. Nix deutsche Märchen. Meine Helden waren Odysseus, Herkules oder Alexander der Große! Meine Oma hat Varianten am Start, die müssten heute mit dem Warnhinweis Explicit Lyrics gekennzeichnet werden, so pervers waren die. Naja, Zeiten ändern sich.

Mein Tochter konnte früher katastrophal einschlafen. Immer wieder wurden uns Tipps gegeben, wir sollen feste Rituale etablieren. Das taten wir auch. Es brachte nichts. Auch das Vorlesen war ihr egal. Sie hatte kein Interesse, sich so lange auf eine Story einzulassen. Wir behielten es aber bei und lasen täglich eine kleine Geschichte vor. Nach 2-3 Wochen kam die Wende. Nun holte sie selber ihre Lieblingsgeschichten vom Regal. Da war sie etwa zweineinhalb Jahre alt. Heute ist das Lesen nicht mehr aus dem Kinderzimmer wegzudenken. Unsere Tochter besitzt mehr Bücher (zumindest gedruckte) als wir. Der Knotenlöser waren die gesammelten Märchen von Brüder Grimm im Taschen-Verlag. (Link zu unserem Blogbeitrag) Das hat sie richtig angefixt. Prinzessinnen, Prinzen, Hexen und Feen – genau ihr Ding.

Heute entdecke ich jeden Abend mit meiner Tochter Kinderbuch-Klassiker. Mit ihr lerne ich endlich etwas über deutsche Kindergeschichten. Endlich kann ich die ersten vier Fragen bei „Wer wird Millionär“ blind beantworten.

Das sind unsere fünf Lieblings-Kinderbücher

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Kinderbücher für sechsjährige. Foto: Ich Bin Dein Vater

5. Der kleine Wassermann, Otfried Preußler, Thienemann-Esslinger Verlag

Ich liebe dieses Buch. Meine Tochter auch, aber nicht ganz so doll wie ich. Ich finde es gut, weil es phantasievoll geschrieben ist und weil die Kapitel so kurz sind. Das kann von Vorteil sein, wenn man sehr müde vom Tag ist und nicht 30-40 Minuten mit Vorlesen verbringen will. Der kleine Wassermann lebt im Wasser und unternimmt unerlaubte Ausflüge aufs Land. Die Abenteuer sind grandios erzählt und Otfried Preußler nimmt uns mit in eine andere Welt, die sich aber im Grunde gar nicht so von unserer unterscheidet. Das Buch erschien 1958 und es hat nichts von seinem Reiz verloren.

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4. Die Conni Reihe, CARLSEN Verlag

Es gibt zig Bücher in Connys Universum. Conny fährt auf Klassenfahrt, Conny muss zum Arzt, Conny muss zur Essener Tafel – ihr wisst schon, alles dabei! Ich persönlich finde die Bücher hingerotzt, aber meine Kleine liebt sie, also lese ich sie auch. Da muss man durch. Das gute daran: Die Bücher sind schnell weggelesen und machen kaum Arbeit. So schlicht wie sie sind, so schnell sind sie auch wieder vorbei. Hauptsache die Kids mögen es, wa?!

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3. Die Krachmacherstraße, Astrid Lindgren, Oettinger Verlag

Dieses dümmliche, vielfressende Lottchen. Der wohl liebenswerteste Charakter der Kinderbuchgeschichte. Was für eine witzige Figur. Anfangs denkt man noch, dass das jüngste Kind von drei Geschwistern ein waschechtes Arschlochkind sei, aber beim genauen Hinschauen muss man sich für diesen Gedankengang aufrichtig schämen. So ist das halt mit Vorurteilen.

Man muss die Personen erstmal kennen lernen, bevor man sie verachtet.

Lotta lebt in Schweden und ist laut ihrer Geschwister ein wenig dümmlich. Das sehe ich etwas anders, aber mich fragt ja keiner. Astrid Lindgren hat mit dieser Familiengeschichte eine neue Welt für mich eröffnet. Mega heimelig und gemütlich. Dieses Baumhaus bei den Großeltern, das eigene Bauernhaus und die Feste, die gefeiert werden – einfach wundervoll. Ich kannte Lindgren nur von Pipi Langstrumpf – und das sehr gut. Die Krachmacher sind noch verdaulicher. Eine snackable Pipi-Welt. Ein wenig vorsichtig muss man mit der Sprache sein, die etwas in die Jahre gekommen ist. „Negersklave“ beispielsweise lese ich meiner Kleinen nicht vor. Das geht gar nicht!

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2. Das Sams, Paul Maar, Oettinger Verlag

Liebe Kim, du bist schon lange mit meiner Frau befreundet und du hast den ultimativen Riecher. Du hast uns das Sams nahegelegt und uns somit die Welt der klassischen Kinderliteratur eröffnet. Das Sams hat meiner Tochter von Anhieb an gut gefallen. Paul Maar ist halt ein motherfucking Genie! Allein schon die Figur: Trocken, liebenswert, dreist und hungrig – das ist das Sams. Seine Ernährung würde jeder westlichen Darmflora den Rest geben, denn so ein Mülleimer, Anzug oder Tischbein ist schwer zu verdauen. Das Buch ist so exzellent und einfach geschrieben, dass ich jeden Abend den Ansporn habe, mein gesamtes schauspielerisches Defizit zum Einsatz zu bringen. Ich will performen, weil es mir Spaß macht. Meine Tochter lacht sich schlapp und versteht die Dialoge besser – so zumindest rede ich mir meine Darbietungen selber schön. Nachteil: Die Kapitel sind sehr lang! Die Antipode zum kleinen Wassermann.

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1. Der Mann mit den sieben Messern – Räuber Hotzenplotz, Otfried Preusler, Thienemann-Esslinger Verlag

Wo soll ich da anfangen. Der Klassiker schlecht hin! Ich bin so naiv überschwänglich, weil ich den sympathischen Räuber erst vor etwa zwei Jahre kennengelernt habe. Ich kannte diesen ganzen Kram nicht. Dieser Räuber ist so ein Kotzbrocken, ein hinterlistiger, ein kluger, witziger, naiver und kindlicher Hochstapler – ich liebe ihn. Meine Tochter steht aber auf einen ganz anderen: Zerbilius Dackelschwanz aka Großer Zauberer Petrosilius Zwackelmann. Der Zauberer, der nicht gerne Kartoffeln schält, ist die Lieblingsfigur meiner Tochter. Immer wieder muss ich den Part wiederholen, weil sie meine Stimmenimitation so gerne mag. Ihr wisst es zwar nicht, aber man nennt mich den Jörg Knörr der Elternbloggerszene. Drei Bände ist das Werk schwer, und es lohnt sich, jedes Buch zu kaufen oder in der Bibliothek auszuleihen. So machen wir das nämlich auch immer.

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Fazit: Zeit zum Träumen

Auch ohne Märchenausbildung im Kindesalter kann man eine Liebe zu diesen Büchern entwickeln. Es geht, weil man das Glänzen in den Kinderaugen sieht und gemeinsam neue Welten entdeckt. Ich hätte nie gedacht, dass mein Unwissen in Sachen Kinderbücher einen positiven Aspekt hätte. Den hat es aber: Ich darf diese Bücher gemeinsam mit meiner Tochter entdecken. Das verbindet uns sehr. So sehr, dass die Mama nie weiterlesen darf, wenn ich mal nicht zu Hause bin. „Sonst verpasst Papa das!“, belehrt sie dann ihre Mutter. Ich liebe sie dafür!

Keep reading,
Euer Babyvater

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Babyvater

Babyvater

Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater von zwei Kindern (2011|2016). Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

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