Data Binks: Reden ist Silber – Zahlen sind Gold

Big Data für Kinder

Die wohl zweitgeilste App der Welt!

Es ist 19 Uhr und gerade habe ich ein sechsstündiges Big Data-Seminar hinter mich gebracht. Meine Synapsen gleichem einem Schachbrett bestehend aus Dreiecken. Ich weiß nicht, wie oft ich während des Workshops abgeschweift bin, und mir gedacht habe, warum ich denn nichts Sinnvolles studiert habe, bis es mir wieder einfiel: Weil ich am Bonner Hofgarten lieber chillte, als in Seminarräumen zu pauken.

Costumer Journey, Buyer Personas, A/B-Tests, Data-Driven Visualisation, Data Mining, CPC, CPL, CPA und nicht zuletzt der Customer Lifetime Value. Das sind die Metriken unserer Zeit. All diese tollen Ausdrücke machen auch vor Familienunternehmen nicht halt: Stillberatung, Einschlafhilfen – alles im Internet und via www erreichbar. Sogar Online. Aber braucht ihr das? Wollt ihr das? Google investiert in Hersteller für interaktive Thermostate, um unsere Lebensgewohnheiten zu erforschen, und was machen wir? Wir verschenken unsere Daten unter dem Vorwand der kostenlosen Nutzung an transnationale Tech-Konzerne, die damit wiederum Milliarden erwirtschaften. Nichts ist umsonst. Nicht einmal Google.

Die Vermessung des Ichs hat mit der „Quantify Yourself“-Bewegung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Vorläufig. Es wird alles dokumentiert, bewertet und geclustert, was es zu clustern gibt. Schlaf- und Essgewohnheiten, Sport- und Freizeitaktivitäten, Dating- und Bettgeschichten. ABER: Wenn wir uns schon selber vermessen, warum nicht auch unseren Nachwuchs?

In einer Welt, in der japanische Krankenpfleger von Robotern ersetzt werden, in der unsere Autos von Maschinen zusammengeschweißt und Nachrichten milliardenfach von Robotern geschrieben werden, muss man sich Gedanken machen, wie man sich in dieser Hochgeschwindigkeits-Industrie selbst optimieren, und so seinen Job sichern kann.

Also wenn schon jeder seine Daten verschenkt und nichts Schlimmes dabei denkt, dann will ich auch profitieren. Ich habe mir so meine Gedanken gemacht und schlüpfe in die Rolle eines Start-Up-Entrepreneurs. Mein Business-Case: mein Kind.

Data Binks: Reden ist Silber – Zahlen sind Gold

Gutes Zureden, Instinkte und Erziehungsratgeber sind voll 2013! Daten sind die Zukunft! Zahlreiche Studien belegen, dass Firmen, die ihre Entscheidungen auf der Basis von Zahlen und Analysen treffen, erfolgreicher sind als ihre Mitbewerber, die sich auf Ihre Instinkte verlassen. Die Auswertung großer Mengen strukturierter Babydaten wird mir eine detaillierte Zielgruppenanalyse ermöglichen.

Wann hat es Pupu gemacht und was wiegt es? Bei welchem Wetter sinkt der Kreislauf? Wie viele Stunden Schlaf benötigt es, um morgens gut gelaunt aufzustehen? Was für Rahmenbedingungen braucht es, um Bock auf Spinat zu bekommen? Was fördert einen tiefen Schlaf? Welche Produkte passen zum gegenwärtigen Entwicklungsstand? Mit welchem Lego-Baustein spielt es am liebsten? Was will es morgen essen? Mit was will es morgen spielen? Predictive Analytics heißt das Zauberwort: Aus den gesammelten Daten interpretiere ich Kausalitäten, um die Zukunft vorherzusehen.

Man könnte durch die Fülle der Daten genau wissen, wann das kleine Wesen wieder krank wird, wann es seinen nächsten Schub bekommt oder was es zum Lachen bringt. Ich nenne es mal „Der Algorithmus der Glückseligkeit“. Gar nicht unheimlich, oder? Babetastik sorgt dafür, dass sich unser gläsernes Leben auch auf unsere Kinder übertragen wird. Denn: Man kann nie früh genug anfangen. Die Daten würde ich einem Onlineshop via API-Schnittstelle zur Verfügung stellen und dafür ein 70%-Ermäßigung auf das gesamte Sortiment bekommen. Den Algorithmus verkaufe ich ein einem nimmersatten Tech-Konzern. Wenn alle Eltern mitmachen, kommen wir auf valide Informationen und profitieren alle.

So, das war es mit Chillen! Wer chillt ist ein schwarzes Datenloch! Wer Beta-Tester werden will, hier gibt es mehr Infos… Ich lege mich jetzt erstmal hin.

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Babyvater

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Der Autor Janni "Babyvater" Orfanidis gehört zu unserem Stammpersonal und ist einer der Gründer von "Ich Bin Dein Vater". Der gebürtige Kölner ist Ehemann, Kommunikationsberater und Vater einer Tochter. Aber ansonsten geht es ihm eigentlich ganz gut.

1 Reaktion

  1. Bine sagt:

    Aus meiner Erfahrung als Bioinformatikerin und aufgrund der Nähe zum Untersuchungsobjekt empfehle ich dir auch die Neuronalen Netze und eine SOM ^^
    Die näheren Informationen sind echt aufschlussreich, nutzt ihr die auch gleich Tür Datenerfassung? 😉
    Schöne Grüße!

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